"Innerlich aufgegeben habe ich nicht"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mo, 29. März 2021

Biathlon

BZ-INTERVIEW mit der Nachwuchsbiathletin Emilie Behringer vom SC Todtmoos über einen Winter mit viel Training, aber keinen offiziellen Wettkämpfen.

. Für viele Kadersportler war es ein Winter mit viel Training und keinen offiziellen Wettkämpfen. Was macht so eine Wintersaison mit Talenten? Verlieren sie die Lust am Sport oder stecken sie so eine Phase mit jugendlicher Leichtigkeit weg? Mit Emilie Behringer, der Nachwuchsbiathletin des SC Todtmoos, hat sich Jürgen Ruoff über Schulstress, die sportliche Wettkampfflaute und ihre sportlichen Pläne unterhalten.

BZ: Hängt das mit dem Abitur zusammen, dass sie gerade im Schulstress sind?
Behringer: Ja, ich bin gerade in der Abi-Vorbereitung. Die schriftlichen Prüfungen sind Anfang Mai, die wurden wegen Corona nach hinten verschoben. Eigentlich wäre die erste Prüfung schon in drei Wochen gewesen.

BZ: Sie sind seit vier Jahren am Skiinternat in Furtwangen. In den zurückliegenden Monaten hatten Sie viel Online-Unterricht. Wie sind Sie damit zurechtgekommen?
Behringer: Ich hatte nicht so viele Probleme damit, weil ich mich gut allein hinsetzen und die Aufgaben erledigen kann. In Mathematik war es schon ein bisschen schwierig, weil man online nicht so gut Fragen stellen kann. Vergangenes Jahr im März und April war die Schule komplett zu, anschließend war wieder ein bisschen Präsenz-Unterricht, dann war vom Dezember bis vor zwei Wochen wieder alles online. Im Moment habe ich wieder Präsenzunterricht.

"Die Ungewissheit

war schon schwierig."

BZ: Mit welchem Gefühl gehen Sie ans Abi heran?
Behringer: Eigentlich schon mit einem guten Gefühl. Bei mir waren die letzten Zeugnisse vielversprechend, deshalb bin ich zuversichtlich, dass es so herauskommen wird, wie ich es mir erhoffe.

BZ: Wo haben Sie mit Biathlon begonnen?
Behringer: Angefangen hat alles am Notschrei im Schülerbereich. Meine Eltern haben mich die halbe Stunde dreimal in der Woche hingefahren. Als ich noch Schülerin war, habe ich bei Andreas Gnädinger-Harter und Ina Metzner trainiert. Mein Trainer im Kleinkaliberbereich war Vitalij Neustroev, von ihm habe ich sehr viel gelernt.

BZ: Als eine der besten Biathletinnen Ihres Jahrgangs in Deutschland und Kaderathletin konnten Sie den ganzen Winter durchtrainieren, wussten aber nicht, wann und wo ein Wettkampf sein wird. Wie schwierig war das für den Kopf?
Behringer: Klar, die Ungewissheit war schon schwierig, mir hat allerdings das Training sehr viel Spaß gemacht, weil ich viel in der Profigruppe von Roman Böttcher mitmachen durfte. Da fühle ich mich sehr wohl und da will auch nach dem Abitur hinwechseln.


BZ: Was zeichnet das Training in der Böttcher-Gruppe aus?
Behringer: Da sind Weltcup-Athleten mit dabei, von denen man sich bezüglich Lauftechnik und Schießen einiges abschauen kann. Da trainieren aber auch Biathleten, die nicht im Weltcup starten und in etwa in meinem Alter sind. Das Feeling in der Gruppe, das Teamklima ist toll. Ich fühle mich dort einfach wohl.

"Die JWM ist

mein großes Ziel"

BZ: Offizielle Wettkämpfe für ihre Altersklasse gab es im Winter keine, die Teilnehmer für die Jugend- und Juniorenweltmeisterschaft wurden in internen Qualirennen ermittelt. Sie konnten sich nicht für die JWM qualifizieren. Woran lag’s?
Behringer: Bei den Juniorinnen werden drei Jahrgänge zusammengefasst, ich gehöre dem jüngsten an und war die einzige, die noch zur Schule geht. Deshalb bin ich in die Saison reingegangen und habe mir gesagt, ich gebe mein Bestes, wenn ich nicht unter den vier Juniorinnen bin, die zur JWM fahren, dann ist es eben so. Dann greife ich in der nächsten Saison wieder an. Ich habe zwar die Quali nicht geschafft, aber innerlich aufgegeben habe ich nicht.

BZ: Sind Sie in der Qualifikation knapp gescheitert?
Behringer: Es waren mehrere Qualirennen, ich war aber nur bei einem dabei, weil ich krankheitsbedingt im Winter eine Pause machen musste. Das eine Rennen war ganz gut, aber es hat leider nicht gereicht.

BZ: Im vergangenen Winter haben Sie mit der Jugendstaffel Bronze gewonnen bei der Weltmeisterschaft. Als Juniorin haben Sie noch zweimal die Chance, sich für die JWM zu qualifizieren.
Behringer: Ja, mein großes Ziel ist, die Quali für die JWM im nächsten Winter zu schaffen, denn da geht’s rüber nach Amerika. Die Titelkämpfe finden in Soldier Hollow statt. Das wäre cool, da dabei zu sein.

BZ: Wo sehen Sie als talentierte Nachwuchsbiathletin aktuell Ihre Stärken und Schwächen?
Behringer: Das ist bei mir immer von der Tagesform abhängig. Mal klappt das Schießen besser und mal das Laufen.

BZ: Ist denn schon geklärt, ob Sie bei einer Behörde unterkommen und einen Platz in der Sportfördergruppe bekommen?
Behringer: Ich habe mich bei den Behörden beworben, bis Ende Mai sollte ich benachrichtigt werden. Ich ziehe dann nach Zarten in eine eigene Wohnung und trainiere von Anfang Mai an in der Profigruppe mit. Für die Abiprüfungen fahre ich dann hoch nach Furtwangen, ansonsten ist der Mai schulisch ja frei. Die mündlichen Abiturprüfungen sind Mitte Juli.

BZ: Haben Sie ein Vorbild?
Behringer: Ja, wenn man mal im Weltcup schaut: Die Tiril Eckhoff macht das schon echt gut im Moment. Da würde ich auch gern mal hinkommen.