Internationales Projekt

Investoren stellen Schul-Pläne für Heitersheimer Malteserschloss vor

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Do, 16. Mai 2019 um 08:17 Uhr

Heitersheim

In Heitersheim könnte in naher Zukunft eine internationale Schule errichtet werden. Zwei der potenziellen Investoren haben ihre Pläne für das Malteserschloss dem Gemeinderat vorgestellt.

Kein Thema bewegt die Heitersheimer derzeit mehr als die Zukunft des Malteserschlosses. Die Pläne, in dem altehrwürdigen Kulturdenkmal eine internationale Privatschule einzurichten, haben zu diversen Diskussionen geführt und viele Fragen aufgeworfen. In einer Gemeinderatssitzung am Dienstagabend haben zwei der drei potenziellen Investoren, BZ-Verleger Christian Hodeige und sein chinesischer Freund und Partner Mark Wang, ihre Pläne und Beweggründe erläutert und sich Fragen der Bewohner und aus dem Ratsrund gestellt.

Das Interesse war groß: Rund 150 Zuhörer drängten sich in den Bürgersaal der Heitersheimer Malteserhalle. Sie erlebten einen Austausch, der auf reges Interesse und durchaus auch auf Wohlwollen stieß, wie mehrfacher Applaus bekundete. Deutlich wurde aber auch: Nach wie vor gibt es Fragen, Zweifel an dem Konzept bezüglich seines Nutzens für die Stadt Heitersheim und ihre Bürger und auch Vorbehalte, die sich für einige wohl vor allem darin begründen, dass zwei der drei interessierten Partner für eine dann zu gründende Eigentümer- sowie eine Betreibergesellschaft aus dem Ausland, namentlich aus China kommen. Wie soll mit einer solchen Konstellation garantiert werden, dass das "herausragende abendländische Kulturdenkmal", welches das Malteserschloss darstelle, auf Dauer bewahrt bleibe, war denn auch eine Frage aus der Ratsrunde.

Ein Projekt mit langfristiger Perspektive

Die Antworten, die Christian Hodeige und Mark Wang auf diese und ähnlich gelagerte Fragen gaben, waren sowohl handfest betriebswirtschaftlicher als auch ideeller Natur. Er werde Hauptanteilseigner der Eigentümergesellschaft sein, die nach deutschem Recht, voraussichtlich mit Sitz in Heitersheim, gegründet würde. Es sei ganz klar ein Projekt mit langfristiger Perspektive, deshalb schließe das Konzept auch die Miete von Schulgebäuden aus, erklärte Hodeige. Man sei sich auch darüber im Klaren, dass ein Teil der Erlöse aus dem Schulgeld in den Erhalt des Schlosses zurückfließen müsste. Deshalb, so Hodeige, werde man zu Beginn des Schulbetriebs wohl keine Stipendien anbieten können, auf längere Sicht sei das aber ein erklärtes Ziel.

Bis zu 25 Millionen Euro sollen investiert werden

Während – auf Nachfrage von Heitersheims Bürgermeister Martin Löffler – eine konkrete Summe für den Verkauf des Schlosses durch den heutigen Eigentümer, den Orden der Vinzentinerinnen in Freiburg, nicht genannt wurde, gab Christian Hodeige eine grobe Vorstellung von den zu erwartenden gesamten Investitionen, die auch die Sanierung und die Herrichtung des Gebäudeensembles für den Schulbetrieb umfassen würden: "Hier steht eine Summe zwischen 18 und 25 Millionen Euro im Raum", erklärte Hodeige.

Mark Wang ist eine in China bekannte Persönlichkeit

Auch Mark Wang stellte klar, dass er die Perspektive der Schule auf Generationen angelegt sehe – weit über die heute handelnden Protagonisten hinaus. Sehr deutlich wurden die persönlichen Beweggründe der beiden Männer, die hinter dem Projekt stehen, und die sich nicht zuletzt aus ihren ganz eigenen Biographien ergeben. Der 37-jährige Mark Wang ist eine in China auch in der Öffentlichkeit sehr bekannte Persönlichkeit mit einem ungewöhnliches Schicksal: Als Zwölfjähriger überlebte er einen Flugzeugabsturz, wurde dabei aber so schwer verletzt, dass er mehrere Jahre in einer Rehabilitationseinrichtung verbringen musste.

In dieser Zeit besuchte das norwegische Königspaar China und auch die Klinik, in der Wang behandelt wurde. So erfuhr er vom United World College (UWC)in Norwegen, das dort gemeinsam mit dem Roten Kreuz betrieben wird. Und tatsächlich wurde in der Folge sein Herzenswunsch erfüllt, und er bekam ein Stipendium für das UWC in Norwegen, woran sich ein Hochschulstudium in dem skandinavischen Land anschloss.

Für Mark Wang waren die drei Jahre auf dem UWC, inmitten einer Schülerschaft aus allen möglichen Teilen und Kulturen der Welt, zutiefst prägend, wie er in Heitersheim berichtete. Der erfolgreiche Geschäftsmann, der an mehreren Firmen im Bereich der Medizintechnik und der Landwirtschaft als Gründer und Gesellschafter beteiligt ist, sich für Behindertenrechte engagiert und dessen Autobiografie in China zum Bestseller und zur Grundlage einer Fernsehserie wurde, war aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen von dem Wunsch beseelt, auch in China einen Ableger des UWC zu gründen. 2015 gelang ihm dies in Changshu, einer Drei-Millionen-Einwohner-Stadt, die Hodeige als sehr dynamisch und innovativ beschrieb – vor allem mit Blick auf eine nachhaltige Stadtentwicklung.

Die Investoren sehen weiteren Bedarf an internationalen Schulen

Das UWC war es auch, wo sich die Wege von Mark Wang und Christian Hodeige kreuzten. Der 1958 geborene Verleger der Badischen Zeitung besuchte als junger Mann das UWC in Kanada – mit offensichtlich ähnlich prägenden Erfahrungen wie sein chinesischer Freund. Er engagiert sich seit Jahrzehnten als hochrangiger Vertreter in den Gremien dieses internationalen Schulverbundes mit inzwischen weltweit 18 Niederlassungen. Hodeige war auch maßgeblich daran beteiligt, dass das deutsche UWC mit der Robert-Bosch-Stiftung als Partner 2014 in Freiburg eröffnet wurde.

Auch wenn das UWC immer wieder als Referenz genannt wurde, insbesondere was pädagogisches Konzept und Leitbild anbelangt – die geplante Schule in Heitersheim wird eigenständig sein, wie Hodeige erklärte. Das liege unter anderem daran, dass das Konzept des UWC-Netzwerkes jeweils nur eine Schule pro Land vorsehe. Dennoch sehen er und seine Partner – neben Mark Wang ein weiterer Investor aus China, der dort in größerem Umfang Privatschulen und Privatunis betreibt – gerade im Raum Freiburg/Basel großen Bedarf an einer weiteren Schule, die englischsprachig betrieben wird und das internationale Baccalaureate (Abitur) anbietet. Doch letztlich, das betonten Hodeige und Wang mehrfach nachdrücklich, gehe es um noch mehr als Schulabschlüsse, um mehr als Mathe, Physik und Fremdsprachen.

"Wenn wir die Welt zu einem besseren Ort machen und den vielen bedenklichen Entwicklungen, die wir gerade augenblicklich erleben, entgegenwirken wollen, dann ist Bildung der Schlüssel. Und es geht darum, dass junge Menschen zusammenkommen, miteinander reden und lernen und im besten Fall sogar miteinander leben", sagte Hodeige. Und Mark Wang ergänzte: "Wenn es hier auch um Geld und hohe Investitionen geht, sollten wir die immateriellen und menschlichen Werte nicht aus den Augen verlieren, die so eine Schule schafft. Vielleicht wird einmal eine Person, die an einer wichtigen Stelle Verantwortung trägt, vielleicht mal ein Nobelpreisträger, sagen: Ich war auf dieser Schule in Heitersheim", beschrieb Wang seine Vision.

Eine Bürgerinitiative dringt auf Erwerb durch die öffentliche Hand

Eine Botschaft, die offensichtlich beeindruckte, wie aus den Rückmeldungen vieler Gemeinderäte zu schließen war. Dennoch wurde in der Runde auch betont, dass man zu prüfen habe, inwieweit dieses Schulkonzept wirklich im Interesse der Stadt Heitersheim liege. Diesbezüglich ist noch vieles offen; klar ist auch, dass deutliche Vorbehalte da sind, die sich unter anderem in der neu gegründeten Bürgerinitiative artikulieren, die auf einen Erwerb des Malteserschlosses durch die öffentlich Hand dringt. Für diesen Prozess zeigte Christian Hodeige Verständnis. Gegen die Heitersheimer Bürgerschaft wolle man nicht agieren. So sehr sich auch das Schloss für die Verwirklichung der Schulpläne anböte, "wenn eine Mehrheit der Heitersheimer diese Schule hier nicht will, dann ziehen wir weiter und schauen uns woanders um."

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