Ist die Selbstdarstellung wichtiger als der Sport?

Eberhard Pullinger

Von Eberhard Pullinger (Rheinfelden)

Mo, 23. März 2020

Leserbriefe

Zu: "Alle tun gut daran, verbal abzurüsten", Interview von David Weigend mit Robert Claus (Sport, 4. März)
Der Profifußball schafft es immer besser, zur Realsatire zu verkommen. Aktuelle Beispiele gefällig? Ein Milliardär will von der Masse bejubelt werden, weil er mit unzähligen Millionen aus einem Dorfverein einen Bundesligisten fabriziert. Sogenannten Fußballfans fällt nichts Besseres ein, als diesen Milliardär für seine blödsinnige Idee nun dauerhaft als Hurensohn zu beschimpfen und ihm symbolisch eine Kugel in den Kopf zu wünschen. Ein verurteilter Uhrenschmuggler steht dem verschmähten Milliardär tröstend zur Seite, während die Sportler auf dem Spielfeld ihre Arbeit einstellen.

Wie oft wurden Spieler schon rassistisch beleidigt, ohne dass es zu irgendeiner Reaktion der Verantwortlichen kam? Bayern- und Dortmund-Ultras hassen Milliardärs- und Brauseclubs, haben aber nichts dagegen, wenn der eigene Verein in der Champions-League mit Abermillionen gemästet wird.

Zuschauer, die sich als die wahren Fans betiteln, schwenken während des gesamten Spiels pausenlos riesige Fahnen. Vom Spiel bekommen sie nur Sequenzen mit. Die Selbstdarstellung scheint wichtiger als der Sport. Eberhard Pullinger, Rheinfelden