Biathlon

Janina Hettich Fünfte im Weltcup-Einzelrennen von Antholz

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Do, 21. Januar 2021 um 18:17 Uhr

Biathlon

Die Biathletin Janina Hettich vom SC Schönwald trifft im Einzel von Antholz 19 der 20 Scheiben und ist auch läuferisch schnell unterwegs. Der fünfte Platz ist ihr bisher bestes Weltcup-Resultat.

Zurücklassen, abhaken, nach vorne schauen – Sportler müssen das können. Biathleten im Besonderen. Denn jeder Fehlschuss kratzt am Selbstbewusstsein, massive Fehlleistungen am Schießstand bringen das ganze Fundament zum Wackeln. Wackelt das Fundament, kann das mühsam erarbeitete System einstürzen. Im vergangenen Winter erlebte Janina Hettich vom SC Schönwald bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Antholz (Südtirol) ein Fiasko: Liegend schoss sie einmal vorbei, im stehenden Anschlag viermal. Zehn Schüsse, nur fünf Treffer. 50 Prozent Trefferquote im WM-Sprintrennen, Platz 65. Sie qualifizierte sich nicht für die Verfolgung der besten 60 und wurde in der Silberstaffel nicht eingesetzt. Der Sprint war ihr einziges WM-Rennen. Sie hatte sich ihre WM-Teilnahme anders vorgestellt und reiste tief enttäuscht aus Antholz ab.

Elf Monate später sind die weltbesten Biathletinnen und Biathleten wieder in Antholz. Zum Weltcup. Die dortige Biathlonanlage liegt in 1600 Metern Höhe, was den Puls beim Skaten nach oben treibt und den Atemrhythmus beim Schießen beeinflusst. Zudem gilt der Schießstand mit seinen wechselnden Winden als tückisch. Hat die 24-Jährige aus Lauterbach bei Schramberg das misslungene WM-Rennen noch im Kopf? "Nein, den WM-Sprint hatte ich total abgehakt, da habe ich keine Sekunde mehr daran gedacht", sagt Janina Hettich, "ich habe mir die Sicherheit beim Schießen erarbeitet, darauf kann ich bauen".

"Sie entwickelt sich prächtig. Sie wird noch großartige

Leistungen bringen."

TV-Experte Fritzenwenger zu Hettich
Janina Hettich, derzeit drittbeste Schützin im Biathlon-Weltcup, räumt im Einzelrennen über 15 Kilometer die ersten fünf Scheiben beim Liegendschießen tadellos ab. Zweite Serie stehend: ebenfalls fehlerlos. Sie geht in der Zwischenwertung nach dem zweiten Schießen in Führung. Dritte Serie liegend: Sie bringt die Null erneut. Liegt weiterhin vorn. Letztes Schießen stehend: Treffer, Treffer, Treffer, Treffer – der letzte Schuss geht ihr nach rechts weg. "Ich war am Schießstand ganz bei mir. Ich war ruhig und konnte mich konzentrieren. Letztes Jahr bei der WM war ich doch sehr nervös und und hatte vielleicht auch zu hohe Erwartungen an mich selbst", sagt Hettich.

Eine Minute wird für den Schießfehler auf ihre Laufzeit aufaddiert, dennoch liegt sie im Kampf um einen Spitzenplatz sehr gut im Rennen. Mit der Startnummer 17 setzt sie im Ziel die Bestmarke. Ist bis zum dritten Schießen sogar in der Laufzeit schneller als die Norwegerin Ingrid Landmark Tandrevold. Vier der 96 Starterinnen werden in dem Einzel von Antholz schneller sein als Janina Hettich, der fünfte Platz in einem Weltcuprennen ist für sie dennoch ein großartiger Erfolg. Ihr bestes Weltcupresultat bisher.

Herbert Fritzenwenger, ehemaliger Biathlet und seit Jahren TV-Fachmann, sagt: "Hettich entwickelt sich prächtig. Sie wird noch großartige Leistungen bringen. 19 Treffer muss man hier in Antholz erst einmal schaffen."

Dass die Schwarzwälderin gut und stabil schießt, weiß man spätestens seit dieser Weltcupsaison. Im Einzel von Antholz, auf 1600 Meter Höhe, ist sie erstmals auch läuferisch sehr gut dabei: "Die Höhe macht mir nicht so viel aus. Ich mag die Strecke hier, der Ski war gut und ich habe mich läuferisch gut gefühlt." Das schlägt sich in der 24. Laufzeit nieder. "Ich habe es geschafft, während des Rennens gar nicht so sehr über das Schießen nachzudenken. Ich habe versucht, Schuss für Schuss abzuarbeiten", sagt Hettich zu ihrer famosen Leistung und fährt fort: "Ein bisschen ärgere ich mich über den Fehler beim letzten Schuss schon, denn ich war lange im Ziel und habe mich nicht getraut abzudrücken".

Auf Rang fünf ist Hettich an diesem Tag die Beste der sechs deutschen Starterinnen. TV-Experte Fritzenwenger ist voll des Lobes: "Eine großartige Leistung. Das ist ein weiteres Mosaiksteinchen auf dem Weg nach oben."