Jeder Bereich hat einen eigenen Gott

Anoja Namasivayam,

Von Anoja Namasivayam &

Fr, 19. Dezember 2014

Schülertexte

Ein Besuch im Basler Hindu-Tempel vermittelt einen Einblick in eine andere Kultur / Priester gehören zur angesehensten Kaste.

Im November habe ich zusammen mit meiner Freundin Laetitia Kruse den Hindu-Tempel in Basel besucht und dort den Priester Krishna Ayar getroffen und mit ihm gesprochen. Laut Krishna Ayar erzählt man das Alter eines Menschen nicht weiter, und er wollte mir sein Alter auch nicht verraten.

Krishna Ayar gehört der Kaste der Brahmanen an, wie jeder andere Hindu-Priester auch. Im Hinduismus ist die Gesellschaft in Gruppen oder Kasten eingeteilt. Das Kastensystem funktioniert wie ein Sparkonto, auf dem alle guten Lebenshandlungen gespeichert werden. Das bedeutet, wenn man schlechte Taten vollbracht hat, wird man im nächsten Leben als armer Mensch oder vielleicht sogar als Insekt geboren.

Das indische Kastensystem ist in fünf Hauptgruppen und in viele Untergruppen eingeteilt. Je weiter unten man in einer Kaste ist, desto schlimmer sind die Lebensbedingungen der Person. Die angesehenste Kaste ist die der Brahmanen, das sind Leute, die die Heilige Schrift kennen und alle Rituale ausführen können. Die niedrigste Kaste ist die der Paria, das sind Leute, die als unberührbar gelten und darum von der Gesellschaft ausgestoßen werden.

Krishna Ayar hat früher eine Schule besucht, wo er mit Sanskrit, der Sprache des alten Indiens, und der Schrift Mahabharata vertraut gemacht wurde. Bevor er als Priester tätig werden konnte, musste er die Weihe zum Kurukkal erhalten. Kurukkal bedeutet, dass er lebensbegleitende Rituale durchführen darf. Priester müssen außerdem verheiratet sein und immer die Reinheitsvorschriften einhalten. Sie dürfen keine Rausch- oder Suchtmittel einnehmen.

Der Basler Tempel wurde der Muttergöttin Amman geweiht. Sie wird für den Regen in Indien angebetet sowie für die Heilung von Krankheiten. Sie steht im Mittelpunkt des Tempels, und rechts von ihr gibt es Ganesha, das ist der Gott mit dem Elefantenkopf. Ganesha ist das Symbol für Glück, und daher wird im Gottesdienst immer bei ihm angefangen. Ganesha wird übrigens auch im Buddhismus verehrt.

Links von Amman steht im Basler Tempel Murugan, er ist ein Sohn Shivas, genauso wie Ganesha, und spielt im Hinduismus eine wichtige Rolle. Shiva ist der Hauptgott im Hinduismus, und er verkörpert die Zerstörung.

Als ich vom Tempelbesuch zurückkam, war eine der meist gestellten Fragen von Freunden und Bekannten, was das denn auf meiner Stirn sei. Auf diese Frage habe ich immer nur kurz und knapp mit den Worten geantwortet: "Das ist ein Zeichen für den Hinduismus und das nennt man Bindi." Bindi kommt aus dem Sanskrit und heißt übersetzt Tropfen oder Punkt. Das Zeichen wird zwischen den Augenbrauen aufgetragen und galt früher als Symbol für verheiratete Frauen. Heutzutage ist es ein Modetrend, und viele Promis wie zum Beispiel Katy Perry oder Miley Cyrus haben es bereits auf ihrer Stirn getragen. Bindi soll als drittes Auge gelten und somit Stärke verleihen.

Ich bin Hindu und komme sehr gut mit den vielen Göttern klar. Eigentlich ist es wie früher mit den alten griechischen und römischen Göttern. Jeder Gott hat eine eigene Kraft und sorgt für einen bestimmten Bereich. Ich bin sehr zufrieden und fühle mich sehr geborgen in meiner Religion.