Lörrach

Infoabend zum geplanten Zentralklinikum in Lörrach stößt auf großes Interesse

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Fr, 24. Mai 2019 um 12:00 Uhr

Lörrach

Die Kreiskliniken stellen im Landratsamt den Planungsstand des Zentralklinikums vor. Eile ist geboten, sagt Projektleiter Thorsten Stolpe: "Jeder Monat Verzögerung macht den Bau 800. 000 Euro teurer."

Wie weit sind die Planungen des Zentralklinikums gediehen? Annähernd 100 Besucher kamen am Montagabend ins Landratsamt, um den aktuellen Planungsstand aus erster Hand zu erfahren und ihre Fragen zu stellen – vom S-Bahn-Anschluss und der Größe der künftigen Kinderklinik bis zum Ärztehaus und der Wohnungsthematik.

Die Details sind noch in der Schwebe, die Eckpunkte aber definiert. Zunächst muss die L 138 verlegt werden. Mit einem Kreisverkehr wird das Klinikgelände im Lörracher Osten dann ans Straßennetz angebunden, erläuterte Projektleiter Thorsten Stolpe. Neben dem Klinikum entstehen ein Zentrum für seelische Gesundheit (ZfG), ein Ärztehaus, die DRK-Rettungswache und womöglich ein Gebäude, in dem Apotheke, Physiotherapie aber auch Mitarbeiterwohnungen und Kindergarten angedacht sind. Gleich bei der Zufahrt ist ein Parkhaus geplant mit 1200 Plätzen, von Süden her gibt’s einen Weg zur geplanten S-Bahn-Haltestelle.



Das Klinikum bekommt einen Sockel, in dem die Funktionsräume untergebracht sind. Zwölf Operationssäle, fünf Kreißsäle und fünf Wehenzimmer sind geplant. Die Intensivstation für Erwachsene wird 46 Betten haben, die für Kinder weitere 21. Geplant werden nur Zwei- und Ein-Bett-Zimmer. Ein Blockheizkraftwerk sorgt für Wärme und Strom, dazu kommen Geothermie und Photovoltaik. Im August soll der Bauantrag fertig sein. Der Baubeginn wird für September 2020 angepeilt. Aktuell rechnet man mit Baukosten von 303 Millionen Euro sowie 18 Millionen für Kauf und Erschließung des Grundstücks. Bei der Machbarkeitsstudie 2016 ging man noch von 239 Millionen Euro aus, doch wegen der boomenden Baukonjunktur steigen die Preise jährlich um drei Prozent. "Wir sollten deshalb so schnell wie möglich Firmen beauftragen. Jeder Monat Verzögerung macht den Bau um 800 000 Euro teurer", sagte Stolpe.

Das Klinikum wird bis zu 40 Meter hoch

Ziel des Zentralklinikums sei eine adäquate medizinische Versorgung von hoher Qualität, sagte Kliniken-Geschäftsführer Armin Müller. Auf die Frage einer Zuhörerin, wie weit die Planung des S-Bahn-Anschlusses gediehen sei, antwortete Lörrachs Oberbürgermeister Jörg Lutz, da seien neben dem Zweckverband Regio-S-Bahn mehrere Akteure an Bord, so die DB Netz und das Eisenbahnbundesamt. Bis Sommer soll eine Studie Ergebnisse bringen. Wunsch ist, dass der Haltepunkt zur Klinikeröffnung fertig ist. Auf jeden Fall fertig sein wird das Parkhaus. Ob das einen privaten Betreiber erhält, sei noch offen, so Müller auf Nachfrage.

Das Klinikgebäude wird 26 bis 27 Meter hoch werden, mit Aufbauten und Hubschrauberlandeplatz werden es teils bis zu 40 Meter sein. Auf die Frage nach der Größe antwortete Müller, das Klinikum sei für den Kreis und 240 000 Einwohner geplant. Auf den Hinweis von Kinderärztin Bettina Volkmer, der Kreis sei Zuzugsgebiet und in der Kinderklinik habe man schon einen Aufnahmestopp verhängen müssen, sagte Müller, das Sozialministerium plane anhand von Zahlen der Vergangenheit. Man habe genau diese Argumente vorgebracht, aber wenig Gehör gefunden. Allerdings habe man Spielraum, weil immer mehr ambulant gemacht werde. Landrätin Marion Dammann sagte, teils habe man mit dem Ministerium gute Kompromisse erzielt, und für die Kinderklinik gebe es deutliche Verbesserungen.

Mehr Bewerber als Plätze

Das Ärztehaus sei nicht dazu da, die Ärzteversorgung der Städte auszudünnen, kommentierte Lutz diese Bedenken. Für Hausärzte sei da kein Platz, angebunden werden sollen Strahlentherapie, Onkologie, Dialyse und Fachärzte, die ohnehin mit den Kliniken kooperieren. Auch Sorgen, das Klinikum mit 2500 Mitarbeitenden vergrößere die Wohnungsnot, wies die Landrätin zurück: "Die Mitarbeiter sind ja schon da, die meisten werden nicht umziehen." Auch der Fachkräftemangel beängstigt die Verantwortlichen nicht: Für die Pflegeausbildung gebe es mehr Bewerber als Plätze und 80 Prozent des Nachwuchses bleibe hier. Ähnlich gut sehe es bei Ärzten aus, sagte Müller.