Offenburg

Jürgen Grossmann kauft das denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude von Stahlbau-Müller

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 08. September 2020 um 13:31 Uhr

Offenburg

Spektakuläre Immobilienkäufe sind die Spezialität des Kehler Architekten und Projektentwicklers Jürgen Grossmann. Jetzt hat er nach eigenen Angaben das markante Gebäude von Egon Eiermann erworben.

Der Kehler Architekt und Projektentwickler Jürgen Grossmann hat gemeinsam mit zwei Partnern das frühere Verwaltungsgebäude der Firma Müller Stahlbau erworben. Das denkmalgeschützte Bürogebäude soll laut Grossmann mit Fingerspitzengefühl und Liebe zum Detail saniert und dann für gewerbliche Flächen genutzt werden.

Das wichtigste Gebäude des Architekturprofessors Egon Eiermann (1904 bis 1970) in Offenburg

Für Grossmann sei dieses Investment etwas Besonderes, erklärt er in einer Pressemitteilung. Denn der Architekt des Gebäudes, Egon Eiermann (1904 bis 1970) war bundesweit anerkannt und einer bekannteste Professor an der Uni Karlsruhe, an der Grossmann später selbst Architektur studierte. "Professor Egon Eiermann war zu seiner Zeit einer der wichtigsten Architekten in der Region. Bis heute stehen seine Entwürfe für eine zeitlose Eleganz, die auch nach Jahrzehnten noch ihren Reiz hat", sagt Grossmann.

Gerade in Offenburg hat Egon Eiermann Spuren hinterlassen. Zunächst hat er zwischen 1953 und 1960 das Verlagsgebäude von Burda Moden am Kestendamm errichtet. Von 1958 bis 1961 plante und errichtete er das Verwaltungsgebäude von Müller Stahlbau am Kreuzungsbereich der Englert- in die Okenstraße.

Das fünfgeschossige Gebäude mit rund 2350 Quadratmetern Gewerbefläche, ausreichend Parkplätzen und in unmittelbarer Nähe zu Bahnhof und Innenstadt liegend ist – typisch für Eiermann – mit 28 auf 16 Metern um einen Kern herumgebaut, der Verkehrswege, den Aufzug und die Treppe enthält. Interessant und bedeutsam für das Gesamtwerk ist das Gebäude auch wegen seiner Servicebalkone die so angeordnet sind, dass ein Wärmestau verhindert wird.

Für den Verein Egon Eiermann Gesellschaft ist das Gebäude ein wichtiger Teil des Gesamtwerks. In seiner Beurteilung heißt es: "In der Zeit des Wiederaufbaus ging es (…) unter anderem um Sparsamkeit bei Material- und Zeitaufwand, um Flexibilität und Wandelbarkeit im Inneren der Gebäude, um Sauberkeit bei der Materialauswahl und um Detailgenauigkeit." Eiermanns Stil zeichne sich durch auf grazile Rastersysteme, mit Vorliebe aus Stahl, zurück. "Er erreichte dadurch eine große Leichtigkeit und Transparenz. Diese Bauweise gab der Nachkriegsarchitektur wichtige Impulse, die auch heute noch wirken."

Grossmann hat unter anderem das denkmalgeschützte Offenburger Gefängnis spektakulär in ein Hotel umgebaut

Für die Grossmann Group ist dieser Eiermann-Bau laut Pressemitteilung das nächste wichtige Denkmalprojekt. Ein Händchen für derartige Projekte habe Grossmann unter anderem mit dem Umbau des Offenburger Gefängnisses, der Illenau in Achern, dem Schloss Rittersbach bei Bühl und dem Kloster Erlenbad bewiesen. "Mir wäre es am liebsten, wenn wir dieses Gebäude de facto in seinem Ursprungszustand erhalten. Natürlich mit moderner Technik – aber eben auch mit viel Respekt vor diesem Ort", so Grossmann, der damit im Norden Offenburgs weiter an einem neuen Stadteingang arbeitet. Bereits seit einigen Jahren ist Grossmann im Besitz von rund 20 000 Quadratmetern Grundstücks- und Gewerbeflächen am Güterbahnhofsareal in direkter Nachbarschaft. Grossmann: "Wir werden hier etwas Tolles entstehen lassen."

Stahlbau-Müller hatte im Februar 2020 Insolvenz anmelden müssen

Zum Kaufpreis der Immobilie und zu Sanierungskosten machte Grossmann keine Angaben. Das Offenburger Traditionsunternehmen Stahlbau-Müller hatte Anfang 2020 Insolvenz anmelden müssen.