Nistkastenkameras

Kameras im Taubergießen zeigen, wie Blaumeisen ihre Jungen aufziehen

Lena Jörger

Von Lena Jörger

Fr, 22. Mai 2020 um 17:00 Uhr

Kappel-Grafenhausen

Blaumeisen dabei zuzuschauen, wie sie brüten und ihre Jungen aufziehen – diese Möglichkeit bieten Kameras des Naturschutzbunds im Taubergießen. Die Jungen könnten jederzeit schlüpfen.

In einem Nistkasten der Nabu-Station, die sich in einer umgebauten ehemaligen Zollstation an der Rheinfähre bei Kappel befindet, sind Blaumeisen eingezogen. Dank einer Kamera können Besucher sie genau beobachten. In den kommenden Tagen sollen die Jungen schlüpfen, teilt der Nabu (Naturschutzbund) mit. Wegen der Corona-Pandemie ist die Station derzeit geschlossen. Deshalb hat der Nabu ein Tablet im Schaufenster der Station platziert, auf dem die Bilder der Nistkastenkamera auch von außen durch die Scheibe zu sehen sind.

Erst im April hatte der Nabu Emmendingen den Nistkasten samt Kamera aufgehängt. Gedacht war er eigentlich für Kohlmeisen. "Wir haben dort immer wieder Vögel beobachtet, von denen wir das Gefühl hatten, es täte ihnen gut, eine Unterkunft zu haben", erklärt Sonja Lehmann, Vorstandsmitglied der Nabu-Kreisgruppe Emmendingen. "Dann dachten wir uns: Es wäre doch schön, wenn nicht nur wir etwas von den nistenden Vögeln mitbekommen würden, sondern auch Besucher der Station". Also wurde eine Kamera angebracht, die rund um die Uhr Bilder aus dem Inneren des Nistkastens überträgt.

Die Jungen dürften bald schlüpfen

Anstelle der ursprünglich anvisierten Bewohner zogen Blaumeisen in die neue Unterkunft – "das hat uns überrascht, freut uns aber umso mehr, da sie in diesem Jahr besonders bedroht sind", sagt Sonja Lehmann und verweist auf das bundesweit seit März beobachtete Vogelsterben, dem vor allem Blaumeisen zum Opfer fallen. Als Erreger wurde mittlerweile das Bakterium Suttonella ornithocola identifiziert.

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Acht Eier liegen derzeit in dem Nest. Die Brutzeit beträgt insgesamt zehn Tage. Die Nabu-Mitglieder rechnen damit, dass die Jungen bald schlüpfen. "Aber es ist natürlich Natur, also kann man das nicht so genau vorhersagen", sagt Sonja Lehmann. Wer den Zeitpunkt des Schlüpfens verpasst hat, kann den Jungen noch beim Aufwachsen zusehen – bis sie irgendwann ihr Nest verlassen. Nach Angaben von Martin Neub, Vorsitzender der Nabu-Kreisgruppe Emmendingen, ist die Blaumeise nach der Kohlmeise die zweithäufigste Meise im Taubergießen.

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