Lebensretter auf vier Pfoten

Kaum bekannt: Auch Hunde und Katzen können Blut spenden

Ulrike von Leszczynski

Von Ulrike von Leszczynski (dpa)

Di, 16. Juli 2019 um 11:40 Uhr

Panorama

Bei gesundheitlichen Problemen erwarten Haustierbesitzer Hilfe wie in der Humanmedizin. Trotzdem wissen nur wenige, dass auch Tiere Blut spenden können – zum Beispiel in der Freiburger Tierklinik.

Ob treuer Diensthund oder geliebte Katze: Blutspenden können auch Haustieren helfen. Das Verfahren, das in den 1980er Jahren in den USA erprobt wurde, ist seit mehr als 20 Jahren auch in vielen anderen Ländern möglich. Doch wie eine neue Studie aus England und Erfahrungen aus Berlin zeigen, ist das noch immer kaum bekannt.

In Großbritannien haben Tierärzte in einer nicht-repräsentativen Untersuchung 158 Hunde- und Katzenhalter nach ihrem Wissen über Bluttransfusionen bei Vierbeinern gefragt. Im Ergebnis hatten 70 Prozent von ihnen keine Ahnung, dass ihre Lieblinge für Artgenossen spenden können. Drei Viertel wussten auch nicht, dass es Blutbanken für Haustiere gibt, heißt es im Fachjournal "Vet Record". Doch fast 90 Prozent der Befragten waren bereit, ihre Tiere Blut spenden zu lassen – wenn ein anderes Tier eine Transfusion zum Überleben brauche.

Blut spenden können Hundebesitzer zum Beispiel in der Tierklinik Freiburg-Landwasser. Diese kann im Notfall auf eine Kartei mit registrierten Spendern zurückgreifen. Neue Blutspender sind immer willkommen, sie müssen allerdings einige Bedingungen wie Mindestalter oder -gewicht erfüllen.



Blutspenden werden bei Unfällen, aber auch bei Erkrankungen gebraucht

An der Freien Universität Berlin (FU) existiert eine Blutbank für Hunde und Katzen schon seit 1996. Geschätzt wüssten das aber nur rund zehn Prozent der Berliner und Brandenburger, sagt Leiterin und Tierärztin Barbara Kohn. Dass Blutspenden auch unter Tieren möglich seien, wisse vielleicht ein Fünftel. "Vor allem, wenn sie Haustiere haben."

Rund 300 Hunde und 180 Katzen bekommen an der FU pro Jahr eine Bluttransfusion. Sie kann wie beim Menschen nach Unfällen mit hohem Blutverlust nötig werden. "Aber auch Immunerkrankungen und Gerinnungsstörungen können so behandelt werden, manchmal auch geheilt", sagt Kohn. Blut werde auch nach manchen Tumoroperationen gegeben. Oder, wenn ein Tier Rattengift gefressen habe. Blut oder seine Bestandteile lassen sich aber nicht unbegrenzt lagern. Deshalb sind immer wieder neue Spender auf Pfötchen nötig.

Ein Tier darf wesentlich weniger Blut spenden als ein Mensch

Katzen, bei denen es drei Blutgruppen gibt, brauchen in der Regel eine Narkose. "Ohne triftigen Grund machen wir das nicht", betont Kohn. Es dürften nur Wohnungskatzen spenden, da die weniger Risiken für Infektionskrankheiten in sich tragen – und auch nicht mehr als zweimal im Jahr.

Mehr als sieben Milliliter pro Kilo Körpergewicht werden nicht empfohlen. Macht bei einer durchschnittlichen Vier-Kilo-Mieze gerade mal 28 Milliliter - das ist weniger als in eine Mokkatasse passt. Je frischer die Spende, desto besser.

"Das 10-Kilo-Hundchen einer Mitarbeiterin hat auch schon für einen Yorkshire-Terrier gespendet." Barbara Kohn

Hunde können auch ohne Narkose spenden, allerdings sollten sie über 20 Kilo wiegen. An der Kleintierklinik der FU gilt die Regel: 10 Milliliter Blut pro Kilo Körpergewicht. Ausnahmen im Notfall kommen vor. "Das 10-Kilo-Hundchen einer Mitarbeiterin hat auch schon für einen Yorkshire-Terrier gespendet", erinnert sich Kohn. Bei Hunden gibt es über zwölf Blutgruppen. Bei einer ersten Transfusion spiele die Blutgruppe keine Rolle. Doch ab der zweiten Übertragung müsse es passen, erläutert die Leiterin der Blutbank.

Halter hätten inzwischen die gleiche Erwartungshaltung an Tierärzte wie an die Humanmedizin

"Die Erwartungshaltung an die Tiermedizin ist enorm gewachsen", berichtet Achim Gruber vom FU-Institut für Tierpathologie. "Tierhalter erwarten von Tierärzten heute, was sie aus der Humanmedizin kennen." Das gelte auch für Bluttransfusionen. "Städter lassen das aber eher machen als ein Landwirt mit Hofhund", berichtet Kohn. Das liege daran, dass in der Stadt Haustiere eher zur Familie gehören würden.

Rund 150 Euro kostet eine Transfusion für Bello oder Mieze an der FU. Auch Menschen mit wenig Geld seien bereit, das für ihren Liebling auszugeben, sagt Kohn. Nachteile für die tierischen Spender habe es an der FU seit 1996 extrem selten gegeben, sagt Kohn. Vor einer Spende würden alle Tiere gründlich untersucht. Was bleibe, sei in der Regel ein kleiner Bluterguss an der Einstichstelle und ein Stückchen geschorenes Fell. "Wenn man das korrekt macht, ist es nicht gefährlich", versichert Kohn.