Zischup-Interview

"Kein Tier wird eingeschläfert"

Salimata Boye, Kathrin Hermann, Klasse 8d, Rotteck-Gymnasium, Freiburg

Von Salimata Boye, Kathrin Hermann, Klasse 8d, Rotteck-Gymnasium & Freiburg

Do, 10. September 2015 um 15:37 Uhr

Schülertexte

Christine Hörth ist die Leiterin des Tierheims in Scherzingen. Kathrin Hermann und Salimata Boye, beide Schülerinnen der Klasse 8d des Freiburger Rotteck-Gymnasiums, interviewten sie in Scherzingen.

Zischup: Wie viele Tiere haben Sie ungefähr?
Hörth: Es sind im Schnitt immer zwischen 230 und 250 Tiere hier im Tierheim.
Zischup: Von welcher Tierart sind am meisten Tiere da?
Hörth: Katzen würde ich sagen. Wir haben zwar fast alle Tierarten hier, von der Maus bis zum Pferd, aber ganzjährig sind es am meisten Katzen.
Zischup: Wie lange sind die Tiere durchschnittlich bei Ihnen?
Hörth: Das kann man so gar nicht beantworten, es kommt auf den Gesundheitszustand der Tiere an. Es kann sein, dass ein Tier mit allen Impfungen schon innerhalb von ein bis zwei Wochen ein neues Zuhause findet. Bei besonders kranken Tieren kann das bis zu Jahren dauern. Also einen wirklichen Durchschnitt gibt es nicht.

Zischup: Was passiert, wenn ein Tier kein Zuhause findet?
Hörth: Dann bleibt es hier, es wird kein Tier eingeschläfert. Sie leben dann auf den verschiedenen Stationen, die auch einen großen Freilauf haben. Und alte Hunde, die nicht mehr vermittelt werden können, werden dann auch von den Pflegern mit in die Futterküche genommen.
Zischup: Zu welcher Jahreszeit kommen am meisten Tiere?
Hörth: Sie kommen das ganze Jahr. Die Frühjahrs- und Sommermonate sind natürlich die, in denen die Tierbabys geboren werden. Also immer kurz vor den Sommerferien werden zum Beispiel die Jungkätzchen ausgesetzt, aber auch in den Wintermonaten kriegen wir sehr viele Wildtiere – wie zum Beispiel Igel, die überwintert werden müssen.
Zischup: Warum werden Tiere hier abgegeben?
Hörth: Das ist unterschiedlich. Es passiert zum Beispiel wenn in einer Familie ein Baby geboren wird, das eine Tierhaarallergie hat oder wenn ein Ehepaar auseinander geht und beide berufstätig sind und niemand sich um das Tier kümmern kann. Oder wenn einer der Besitzer stirbt und die andere Person überlastet ist. Also die Hauptursachen sind Krankheit, Scheidung oder Tod des Ehepartners. Aber natürlich werden in Deutschland auch viele Tiere ausgesetzt.

Zischup: Wir haben gehört, dass es hier auch einen Gnadenhof gibt. Welche Tiere leben denn da?
Hörth: Das sind eher die Großtiere, also Esel, Pferde, Ponys, Schafe, Ziegen. Allesamt Tiere, die eigentlich hätten getötet werden sollen, aber jetzt bei uns ihren Lebensabend verbringen dürfen.
Zischup: Kann man einfach sein Tier auf diesem Hof abgeben oder sind das Findeltiere?
Hörth: Nein, so einfach geht das nicht, man muss es natürlich anmelden, die Plätze sind rar, wir haben rund 20 Tiere hier auf dem Gnadenhof. Sie leben oft noch bis zu zehn Jahren bei uns. Und wenn mal eins stirbt, stehen schon wieder zehn neue Tiere auf der Warteliste.
Zischup: Um welche Tiere kümmern Sie sich persönlich?
Hörth: Eigentlich um alle Tiere, wobei ich mittlerweile fast nur noch in der Verwaltung bin und mich um die Finanzen kümmere. Was ich aber noch mache ist, dass ich mich um die Singvögelchen, die aus dem Nest gefallen sind, kümmere und sie aufziehe und mit nach Hause nehme.

Zischup: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten?
Hörth: Helfen zu können. Also den Ärmsten helfen zu können. Das ist was ganz Schönes.
Zischup: Was gefällt Ihnen an diesem Tierheim am besten?
Hörth: Dass alle Pfleger hier gerne arbeiten und dass jeder gerne zur Arbeit kommt.
Zischup: Wie finanzieren Sie das Tierheim?
Hörth: Das Tierheim wird hauptsächlich durch Spenden finanziert.