Kopftuch bei Mädchen

Keine Gruppe vom Gleichheitsgrundsatz ausnehmen

Klaus Dietz

Von Klaus Dietz (Rheinfelden)

Mo, 23. März 2020

Leserbriefe

Zu: "Unionspolitiker gegen Kinderkopftuch", Agenturbeitrag (Politik, 9. März)

Für mich steht das Kopftuch, unabhängig davon, ob es eine religiöse Pflicht zur Verschleierung gibt oder nicht, in eklatantem Widerspruch zum Gleichheitsgrundsatz Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes. Dort heißt es unter anderem: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin".

Gerade in der Schule, in der Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, hat der Staat die Aufgabe, Grundrechte zu vermitteln und durchzusetzen. Er macht sich unglaubwürdig, wenn er an diesem Ort mit zweierlei Maß misst und eine bestimmte Gruppe, nämlich die Muslime, von der Verpflichtung, dem Gleichheitsgrundsatz zu folgen, entbindet. Wenn zugunsten einer Religion der Gleichheitsgrundsatz zur Disposition gestellt wird, gefährdet dies unsere Demokratie und gibt einer bestimmten Gruppe Auftrieb.

Es ist egal, ob der Koran oder die Überlieferungen des Propheten eine Pflicht zum Tragen des Kopftuches begründen. Es geht darum, dass keine religiöse Gruppierung das Recht hat, Mädchen und Knaben ungleich zu behandeln, und dass in Deutschland das Grundgesetz Gültigkeit vor religiösen Vorschriften hat. Wenn eine Religion die Unterstellung der Frau unter die Autorität des Mannes fordert, sind der Religions- und Glaubensfreiheit Grenzen zu setzen. Klaus Dietz, Rheinfelden