Keine Nachwuchssorgen

Juliane Schlichter

Von Juliane Schlichter

Sa, 27. Juni 2020

Waldshut-Tiengen

Die Vereinigung Alt-Waldshut wird im Juni 100 Jahre alt / Das geplante dreitägige Fest muss wegen Corona ausfallen.

. An diesem Wochenende hätte die Vereinigung Alt-Waldshut ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Aufgrund der Corona-Pandemie kann der Traditionsverein das dreitägige Fest jedoch nicht wie geplant veranstalten.

"Das ist ein herber Schlag", sagt Simone Hofmann, eine der drei Vorsitzenden des Vereins, und fügt hinzu: "Das Fest wäre das Highlight für den Verein außerhalb der Chilbi gewesen." Gemeinsam mit ihren Vorstandskollegen Marion Maier und Lothar Schmidt erzählt Simone Hofmann, was Alt-Waldshut seit einem Jahr an Jubiläumsfeierlichkeiten geplant hatte und was den Verein auszeichnet.

Bereits beim Festakt am Freitag hätte es den ersten Höhepunkt gegeben, wenn die beiden Ehrenvorsitzenden Peter Fleck und Werner Ruch für 70 Jahre beziehungsweise 50 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet worden wären. "Sie werden geehrt, aber in einem anderen Rahmen", berichtet Maier. Am Samstag darauf hatte der Verein ein großes Kindertanzfest in der Kaiserstraße geplant. Das dreitägige Fest wäre schließlich mit einem Dankgottesdienst in der katholischen Pfarrkirche und einem Empfang auf dem Kirchplatz zu Ende gegangen.

"Wir wollen versuchen, den Dankgottesdienst nachzuholen", sagt Marion Maier und Simone Hofmann fügt hinzu: "Aber erst, wenn es wieder normal möglich ist." Maier: "Damit keiner mit Mundschutz in der Kirche sitzen muss." Dankbar ist das Vorstandstrio den anderen Waldshuter Vereinen und Gruppierungen wie der Stadtmusik, den Junggesellen oder den Ministranten, die der Vereinigung Alt-Waldshut ihrer Unterstützung für das Jubiläumsfest zugesagt hatten.

Das Kindertanzfest möchte die Vereinigung Alt-Waldshut im kommenden Jahr nachholen. "Wir sind ein Familienverein", betont Lothar Schmidt, der seit 2006 das Waldshuter Männle – die Symbolfigur der Stadt Waldshut – verkörpert und seitdem bei offiziellen Anlässen wie der Waldshuter Chilbi, dem Tiengener Schwyzertag oder dem Nöggenschwieler Rosenfest die Alt-Waldshuter mit Hut, Stock und Weinkelch anführt. Rund 130 aktive Mitglieder im Alter vom Säugling bis knapp 90 Jahre zählt die Vereinigung. "Nachwuchssorgen haben wir nicht. Momentan haben wir eine sehr starke Jugend zwischen 14 und 25 Jahre, die sich engagiert", erzählt Maier stolz.

Obwohl die Vereinigung Alt-Waldshut in diesem Juni 100 Jahre alt wird, sollen die Ursprünge des Vereins viele Jahrhunderte zurück in der Vergangenheit liegen. Auf einem Holzschild, das in der Waldshuter Stadtscheuer hängt, in der der Verein ein Nutzungsrecht hat und dort unter anderem probt sowie seine Trachten aufbewahrt, steht "Alt Waldshut 1242". "Wir haben keine Anhaltspunkte, um dieses Datum zu belegen, und haben uns auf das Jahr 1920 festgelegt", erzählt Marion Maier. In den Anfangsjahren brachte sich die Vereinigung Alt-Waldshut auch in die Gestaltung der Fasnacht ein, bis sich in den Jahren zwischen 1926 und 1933 die Narro-Zunft abspaltete. "Die Trennung wurde aus wirtschaftlichen Gründen vollzogen und zum Schutz der Trachten", so die Vorsitzende. Denn in den Anfangsjahren sei es üblich gewesen, dass die Trachtenträger von Alt-Waldshut bei den Fasnachtsumzügen mitliefen. Auf Dauer bekam das Winterwetter den selbstgenähten Kleidern nicht. Auch wenn die Pflege des Brauchtums Hauptzweck der Vereinigung Alt-Waldshut ist, hat der Verein im Laufe seines Bestehens einige alte Zöpfe abgeschnitten. "Früher durfte nur Mitglied werden, wer in Waldshut geboren wurde", erzählt Simone Hofmann, die aus Freiburg stammt. "Ich komme auch nicht aus Waldshut, sondern aus Schmitzingen", fügt Lothar Schmidt lachend hinzu.

Heutzutage nimmt der Verein nach einem sogenannten Aspirantenjahr neue Mitglieder auf. Früher war dies anders: Unter der Führung des langjährigen Vorsitzenden Friedrich Durst gab es eine zehnjährige Wartezeit auf Mitgliedschaft, berichtet das heutige Vorstandstrio.