Kerzen und Kerker

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Sa, 28. Mai 2011

Panorama

Heute vor 50 Jahren erschien in der englischen Tageszeitung "The Observer" der Artikel "The Forgotten Prisoners". Es war die Geburtsstunde der Hilfsorganisation Amnesty International .

A
m Tag, als ihm seine Mutter einen Gruß des Onkels aus London ausrichtete, schöpfte Wolfgang Welsch neue Hoffnung. Welsch war damals 26 Jahre alt und geübt im Umgang mit Sprache. Er hatte eine Ausbildung als Schauspieler abgeschlossen, er kannte die Macht der Worte auf der einen Seite, er verstand zugleich, das nicht Ausgesprochene zu hören. Wolfgang Welsch hatte keinen Onkel in London.
Es war die Zeit, in der Karl-Heinz Stanzick aufbrach nach Südamerika, um dort Gutes zu tun. Der Betriebswirt war für die sozialdemokratische Friedrich-Ebert-Stiftung tätig und wollte mit seinem Wissen vom Geld, dem Markt und den Mechanismen der Wirtschaft einen Beitrag leisten, die Lebensverhältnisse der Menschen in Lateinamerika zu verbessern. Jahre später sah er sich gezwungen, auf ganz andere Weise zu helfen: Über die Stiftung versah er politisch Verfolgte in Chile mit Stipendien und half ihnen so bei der Flucht vor den Schergen von Diktator Pinochet.
Es waren die Jahre, in denen Pablo Pacheco Avila seine ersten Schritte ging und seine Heimat Kuba für viele in Europa noch ein Land voller sozialer Verheißungen war. Die drei Männer kennen sich nicht und sie sind sich auch nie begegnet. Und doch gibt es eine enge Verbindung, die intensiver ist als manches verwandtschaftliche Band und tiefer reicht als eine Bekanntschaft. Es ist der gemeinsame Onkel in London. Nennen wir ihn Peter Benenson.
Am Tag, als Peter Benensons Artikel erschien, kam etwas Licht in die Welt. Es war der 28. Mai 1961. "Schlagen Sie Ihre Zeitung an irgendeinem beliebigen Tag auf, und Sie werden eine Meldung aus irgendeinem Teil der Welt lesen: Ein Mensch ist eingekerkert, gefoltert, hingerichtet worden, weil seine Ansichten oder religiösen Überzeugungen nicht mit denen der Regierung übereinstimmten." So beginnt ein Artikel, den Benenson für die Londoner Tageszeitung The Observer (Der Beobachter) verfasst hat. Die Überschrift lautete: "The Forgotten Prisoners", die vergessenen Gefangenen. Der 28. Mai ist der Geburtstag der Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International (ai). Benenson wollte Gefängnismauern, wo nicht einreißen, so doch durchlässiger machen. Keine drei Monate später wurde eine viel größere ...

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