Kinder und Jugendliche als ernsthafte Planer

Gerhard Lück

Von Gerhard Lück

Sa, 19. Oktober 2019

Kirchzarten

In Kirchzarten wird der Giersberg-Spielplatz eingeweiht.

KIRCHZARTEN. "Der Platz ist einfach nur geil geworden", lobten selbst junge Mädels, die nicht mehr unbedingt auf Rutsche und Sandeln im Matschbereich abfahren, den neuen Spielplatz am Giersberg. Denn Seilkletterpfad, Doppelseilbahn oder Köhlerhütte zum Chillen und Klettern machten ihnen schon viel Spaß. Und da sie selbst sehr intensiv an den Planungen im Rahmen der ersten Jugendpartizipation – kurz "Juparti" – im Jahre 2017 beteiligt waren und sogar im Frühjahr an der Köhlerhütte mitbauten, begeisterte sie jetzt die feierliche Einweihung am Donnerstagnachmittag.

Bürgermeister Andreas Hall freute sich sehr über die vielen kleinen und großen Bürger, die gekommen waren – manche in offizieller Funktion. "Der Giersberg ist ein besonderer Ort für Kirchzarten", betonte er bei seiner Begrüßung, "ein Ort, der vor elf Jahren für einige Zeit sehr polarisierte. Doch inzwischen ist Frieden eingekehrt." Der Spielplatz in diesem schön gelegenen Naherholungsgebiet bedeute seit den fünfziger Jahren viel für junge und ältere Bürger, denn auch das Wassertretbecken des Kneippvereins oder die Grillstelle erfreuen sich großer Beliebtheit. Zum Grillen, Chillen und Picknicken werde er gerne genutzt.

Bei der "Juparti 2017" beteiligten sich 120 Jugendliche, 110 Grundschüler und 35 Kindergartenkinder an der Suche nach guten Ideen für einen neuen Giersberg-Spielplatz. Und sogar 60 Eltern taten ihre Wünsche kund. Das Stuttgarter Planungsbüro "KuKuk|Freiflug" machte daraus Pläne, die dann lange Zeit brauchten, bis sie für den Gemeinderat baureif waren. Interessant sei übrigens, so Hall, dass die jetzt nach Fertigstellung von vielen Kindern und Eltern vermisste Schaukel in den Wünschen der Kids keine Rolle spielte. Doch vielfach wurden schon Wünsche zur Nachrüstung laut.

Der jetzt eingeweihte neue Giersberg-Spielplatz bietet mit einem Spielhaus mit Rutsche, einem großen Wasser-Matsch-Bereich, einem Spielpodest mit Verbindung zur Hängebrücke, dem Seilkletterpfad, der Doppelseilbahn – von Bürgermeister Andreas Hall und Kinder- und Jugendreferentin Martina Mödl getestet – sowie dem Holländerturm, dem Tarzanschwinger, der Köhlerhütte und einigen Sitzelementen für Eltern-Hocks und Kindergeburtstage vieles, was das Kinderherz begehrt. Aus Kostengründen sei auf das Bodentrampolin verzichtet worden. "Wir haben insgesamt 340 000 Euro investiert", erklärte Bürgermeister Andreas Hall. Und nach dem Motto "Weniger Mülleimer gleich weniger Müll" habe man auf Behälter verzichtet und appelliere an die Vernunft der Nutzer. Für die gute Ausführung dankte er den beteiligten Unternehmen.

Der evangelische Pfarrer Philipp van Oorschot sprach dann mit seinem katholischen Amtskollegen Werner Mühlherr Segenswünsche. Gemäß dem Jesuswort "Lasst die Kinder zu mir kommen" sei hier nicht von oben herab geplant worden, sondern man habe die Kinder einbezogen. "Und damit fordern die Kinder", so van Ooorschot, "uns Erwachsene heraus." Dank des trockenen Wetters genossen die vielen kleinen und großen Gäste dann Hefezopf und Limonade – und mit tollen Turn- und Kletterübungen oder Sprüngen wie die von Leonid (10) vom Tarzanschwinger und seinen Saltos von den Felsbrocken probierten die Kids die verschiedenen Geräte gleich intensiv aus.