"Punktlandung"

Kindertanzprojekt des Freiburger E-Werks überzeugt mit viel Dynamik

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Di, 23. April 2019 um 06:51 Uhr

Theater

Blitzschnellen Umbauten lassen immer neue abstrakte Räume entstehen: Das fünfte Kindertanzprojekt des Freiburger E-Werks ist noch zweimal zu bestaunen. Marion Klötzer stellt es vor.

Noch ist die Saalbühne im Freiburger E-Werk verwaist: Im Hintergrund stapeln sich riesige, betongraue Styroporblöcke zur Mauer, davor leuchtet es geheimnisvoll aus dem Schlund eines Mülleimers, während Bühnenbildnerin Cristina Ohlmer den Schulhof der Hebelschule mit bunten Folien auf eine mobile Leinwand projiziert. Dann ertönt der unsterbliche Vierklang-Pausengong und in Windeseile füllt sich der Raum mit hopsenden, spielenden und raufenden Kindern, die bei erneutem Gong wie eine Geistererscheinung wieder verschwinden.

Der Schulhof als Ausgangspunkt

"Punktlandung – Eine zeitgenössische Tanzchallenge", so der Titel des fünften Kindertanzprojekts des E-Werks unter der künstlerischen Leitung von Sabine Noll, die seit Oktober vergangenen Jahres zusammen mit ihrem Team (Nele Prestel, Nadine Jundt, Rense Hettinga) und sechzehn Drittklässlern bei wöchentlichen Trainings und drei Wochenend-Workshops diese Produktion erarbeitete. Gefördert wurde das Projekt von der Bundesvereinigung soziokultureller Zentren aus Mitteln des Programms "Kultur macht stark" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Erstmals kooperierte man dabei mit der Freiburger Hebelschule und dem Zentrum für Neuen Tanz und Improvisation Bewegungsart. Ausgangspunkt war der Schulhof: Jede Menge Punkte und Kreise gab es da zu entdecken, geheimnisvolle Ecken und neue Bewegungsmöglichkeiten. Fantasien wurden gesponnen und choreografisches Material dazu entwickelt.

In Szene gesetzt wird das auf der Bühne mit viel Dynamik und blitzschnellen Umbauten, die immer neue abstrakte Räume kreieren: Vogelgezwitscher tönt aus dem Off, die aufgestellten Styroporblöcke verwandeln sich mit grünen Projektionen in einen Wald, während sich die Kinder ganz zart mit ausgebreiteten Armen synchron im imaginären Wind wiegen und umeinander wirbeln. Eine poetische Traumszene. Wenig später flitzen und tauchen sie als Vierfüßler durch ein Blöcke-Labyrinth oder präsentieren auf einer Silberfolienscheibe einen komplexen, sehr schönen Kreistanz mit vielen Bodenfiguren. Dazwischen schmatzt, würgt und rülpst der Papierkorb in gruselig grünem Licht am eingeworfenen Abfall.
Weitere Vorstellungen: Sa, 27. April, 17 Uhr, So, 28. April, 11 Uhr mit anschließendem Fest. Der Eintritt ist frei.

Immer wieder gibt es fantasievolle und überraschende Assoziationsgespinste: Auf der Leinwand sieht man Abflussgitter und Gullideckel, zu lautem Gegurgel quetschen sich die Kinder einzeln durch einen Schlauch aus transparentem, orangefarbenem Stoff, an dessen Ende sie zuckend heraus gestrudelt und geschleudert werden. Mit ruckenden Köpfen schleichen und robben sie als Indianergruppe über die rot beleuchtete Bühne, in Duos entwickeln sie kleine Kontaktimprovisationen, dann zu pulsierendem Elektrofunk einen wilden Tanz in vier Formationen. Bis sie nach einer knappen Stunde jäh vom Gong unterbrochen brav wieder ins Schulhaus marschieren… Eine ebenso verspielte, wie beeindruckende Inszenierung, bei der die Acht- bis Neunjährigen viel Konzentration und ein reiches Bewegungsrepertoire zeigen.