Die "Bubli" steht auf dem Stundenplan

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

Sa, 12. Oktober 2019

Kirchzarten

Die ehrenamtlich organisierte Bibliothek in Burg ist bei Grundschülern und Kindergartenkindern beliebt / Mahngebühren sind nicht nötig.

KIRCHZARTEN. Seit 14 Jahren stöbern Kindergartenkinder und Grundschüler in der ehrenamtlich geführte Burger Bibliothek im Haus Demant nach Lesestoff. Aktuell nutzen 200 Kinder die rund 4600 Bücher in der "Bubli", wie sie ihre Bücherei nennen. Einmal in der Woche ist die Einrichtung offen für alle.

Nur wenige Quadratmeter groß ist der Raum. An den Wänden reiht sich ein Regal an das andere. Jugendbuchklassiker wie Ottfried Preußlers "Krabat" und Mark Twains "Huckelberry Finn" stehen neben beliebten Kinderbuchreihen wie "Die drei ???" und "Der kleine Drache Kokosnuss". 4613 Bücher hat die Burger Bibliothek im Haus Demant im Bestand. "In der Bubli haben wir eine Auswahl vom dicken Pappbilderbuch für die ganz Kleinen bis zu Büchern für einschließlich fünfte Klasse", erzählt Dagmar Kasemir, die sich seit acht Jahren im Bubli-Team engagiert. Die Auswahl richtet sich vorrangig an Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Für ältere Kinder gibt es auch einige Sachbücher und Comics. "Wir sind eigentlich nur eine Kinderbücherei bis elf Jahre", ergänzt Angela Hässler. "Wir haben leider nicht mehr Platz."

2003 ist die Diakonie ins Haus Demant im Ortsteil Burg-Birkenhof eingezogen. Zwei Jahre später eröffnete die Bubli. "Wir sind zwei Jahre später eingezogen, weil sie noch nicht wussten, was mit dem Raum gemacht wird", erinnert sich Hässler, die schon zum Gründungsteam der Bubli zählte und sich noch heute im Mittwochsteam einbringt. In der Bubli wurden die Schulbücherei der Tarodunum-Grundschule und des Burger Kindergartens zusammengeführt. Hässler erzählt, dass Elfi Hartung, die Kontakte zum Haus hatte, die Initiative dafür ergriff und sich damals fünf Mütter bereiterklärten, die Bibliothek zu führen. Neben den Büchern aus der Schule und dem Kindergarten gingen auch zahlreiche Buchspenden ein. "Wir sind dann bald unter die Obhut des Bürgervereins gekommen, weil wir eine rechtliche Grundlage brauchen, da wir weder zur Schule noch zum Kindergarten gehörten", erklärt Hässler. Die Grundschüler der Tarodunum-Grundschule kommen klassenweise alle zwei bis drei Wochen. "Das ist in den Schulalltag integriert", sagt Kasemir. So genannte Bubli-Eltern begleiten die Schüler als Aufsichtspersonen. Alle zwei Wochen kommen freitags Kinder aus dem Burger Kinderhaus. Für das freiwillige Angebot melden sich zehn bis zwölf Kindergartenkinder an. Immer mittwochs ist die Bubli von 16 bis 18 Uhr offen für alle. "Mittwochs ist relativ wenig los", sagt Hässler, da viele Schul- und Kindergartenkinder schon versorgt sind. Hauptsächlich kommen Eltern mit Kleinkindern, seltener auch Schulkinder, die den Besuch der Bubli mit der Schule versäumt haben.

Die Mittwochsöffnungszeit wurde gezielt auf das Ende des Kinderturnens in der Grundschulhalle gelegt, damit Mütter und Kinder das Turnen mit dem Bubli-Besuch verbinden können. Über Schule und Kindergarten kommen jeweils 80 Kinder in die Bubli. Hässler schätzt, dass insgesamt rund 200 Kinder die Einrichtung nutzen. "Teilweise kommen auch Omas, die Bücher ausleihen, wenn ihre Enkelkinder in den Ferien zu Besuch kommen", weiß Hässler. In der Bubli sind die Bücher dem Alter entsprechend sortiert, die Kinder suchen aus und am Computer wird das Buch erfasst. Die Ausleihfrist beträgt vier Wochen, wobei die kleine Bücherei auch anschließend keine Mahngebühren erhebt. "Man kennt die Leute", sagt Hässler. Auf Nachfrage sei noch jedes Buch zurückgekommen.

Die Sprachtherapeutin Dagmar Yoshida unterstützt das ehrenamtliche Team seit sieben Jahren und kümmert sich darum, dass der Bestand aktuell bleibt. Als Mutter von drei Kindern kennt sie sich mit den Büchern der verschiedenen Altersgruppen gut aus und holt sich auch Anregungen aus anderen Familien.

Die Nutzungsgebühr kostet lediglich 2,50 Euro pro Jahr. Das Geld wird in Neuanschaffungen investiert. "Ansonsten bekommen wir auch Buchspenden", erklärt Kasemir.

Sieben Ehrenamtliche halten den Betrieb am Laufen. Die jüngste Ehrenamtliche ist 35 Jahre alt und im Mittwochsteam sind noch zwei Frauen aktiv, die mittlerweile schon Enkel haben. Kasemir, die als Krankenschwester arbeitet, bringt sich bei den Kindergartenterminen ein, hauptsächlich kümmert sie sich um das Organisatorische. Dabei wird sie von Yoshida unterstützt, die sich neben den Neuanschaffungen auch um die Finanzen kümmert. Für die Besuchszeiten steht Dagmar Yoshida als Springerin bereit, falls eine Ehrenamtliche einmal ausfallen sollte.