Interview

Kirchzartener Schulleiter zu Fridays for Future: "Wir haben die Schulbesuchspflicht"

Jannik Jürgens

Von Jannik Jürgens

Do, 18. Juli 2019 um 11:17 Uhr

Kirchzarten

Ulrich Denzel ist Leiter der Realschule in Kirchzarten. Er erlaubt seinen Schülerinnen und Schülern nicht, an Freitagen zu demonstrieren. Dennoch ist er überzeugt, dass es den Klimawandel gibt.

Im Text über die Abschlussfeier der Realschule am Giersberg hat die BZ Schulleiter Ulrich Denzel falsch wiedergegeben. Er genehmigt Schulstreiks fürs Klima an Freitagen nicht. Jannik Jürgens hat Denzel nach seinen Gründen dafür gefragt.

"Wir haben in Deutschland die Schulbesuchspflicht, die garantiert, dass alle Kinder Zugang zu Bildung haben."

BZ: Herr Denzel, Sie fordern, dass Ihre Schüler freitags weiterhin zu Schule gehen. Warum?
Denzel: Diese Frage betrifft einen Grundpfeiler unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Wir haben in Deutschland die Schulbesuchspflicht, die garantiert, dass alle Kinder Zugang zu Bildung haben. Unabhängig davon, wie ihre Eltern politisch eingestellt und finanziell ausgestattet sind. Diese Bildung ist Voraussetzung dafür, dass unsere Demokratie weiterhin Bestand hat.

BZ: Bildung soll möglichst neutral sein?
Denzel: Dazu gibt es den Beutelsbacher Konsens. Das ist eine Vereinbarung von Lehrern, die besagt, dass im Politikunterricht der Lehrer seine eigene politische Meinung nicht als alleingültige darlegen darf. Er darf seine Meinung benennen, muss aber immer auch die anderen Meinungen seiner eigenen gegenüberstellen, um den Schülern eine freie, politische Meinungsbildung zu ermöglichen.

"Es gibt den Klimawandel. Das ist wissenschaftlich unumstritten und Inhalt des Bildungsplans."

BZ: Es gibt Leute, die den Klimawandel leugnen. Ist das auch eine Meinung, die in der Schule dargestellt werden muss?
Denzel: Es gibt den Klimawandel. Das ist wissenschaftlich unumstritten und Inhalt des Bildungsplans. Die Fridays-for-future-Demonstranten fordern aber zum Beispiel den Kohleausstieg. Selbst wenn ich dafür bin, ist es ein Thema, das man kontrovers diskutieren kann. Regionen in unserem Land werden davon hart getroffen. Er kann dazu führen, dass Energie teurer wird und Familien, die finanziell schlecht gestellt sind, zusätzlich benachteiligt werden.

BZ: Was sagen Ihre Schüler dazu?
Denzel: Als sie mich gefragt haben, ob sie auf die Demonstrationen gehen dürfen, haben wir eine dreiviertel Stunde darüber diskutiert. Dabei konnte man sehen, in welch tollem freiheitlich-demokratischen System wir leben. Darum geht es mir. Dass unterschiedliche Meinungen deutlich werden, garantiert die Möglichkeit, sich eine eigene freie Meinung zu bilden. Deshalb können wir die Schüler gar nicht zu Demonstrationen entlassen.

BZ: Sie müssten die Schüler dann zu allen möglichen Demos gehen lassen.
Denzel: Genau. Und das kann auch den Eltern der Schüler nicht recht sein. Ich habe die Schüler gefragt: Was mache ich, wenn ihr nächsten Freitag zu einer Demonstration gehen wollt, wo gefordert wird: Ausländer raus? Das wäre nicht meine eigene Meinung und ich würde euch nicht gehen lassen. Dann hätte ich euch beeinflusst.

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