Reger als Bach-Bearbeiter

CD: KLASSIK: Komponierte Interpretation

J. A.

Von J. A.

Di, 10. Dezember 2019

Klassik

Lebenslanger Maßstab und Mentor Max Regers war Johann Sebastian Bach. Ihm hat der Spätromantiker nachgeeifert, ihn hat er gespielt – und bearbeitet. So auch die sechs Brandenburgischen Konzerte in eine Fassung für Klavier zu vier Händen gebracht. Das Pianoduo Norie Takahashi und Björn Lehmann agiert ungemein präzis, wie aus einem Guss. Die schnellen Sätze künden von sprühender, unbändiger Musizierlust. So beherzt, so leicht, so musikantisch kann Kontrapunktik klingen! Die langsamen Etappen – man denke etwa ans Andante des zweiten Konzerts – kreieren eine völlig andere, eine romantische Welt, werden zum Nocturne, zum emotionalen Zentrum der Werke. Sehr schön die aufs Klavier umgehobene Bach’sche Orgelmusik. Überraschung: Reger führt die c-Moll-Passacaglia BWV 582 – entgegen jeder Erwartung – nicht zum strahlenden Dur-Schluss im Fortissimo, sondern lässt das gewichtige Variationen-Opus sanft und leise verebben. Ein Bogen zurück zum sachte inszenierten Anfang. Ja: komponierte Interpretation.

Bach–Reger: Transcriptions for Piano Duet. Pianoduo Takahashi-Lehmann. Zwei CDs (audite).