KRITIK IN KÜRZE

Mirko Rechnitzer

Von Mirko Rechnitzer

Di, 21. Mai 2019

Klassik

Mystisches mit dem Freiburger Kammerchor

Mystische Atmosphäre zu entfalten – genau das gelang Dirigent Lukas Grimm und dem Freiburger Kammerchor in der Herz-Jesu-Kirche im Stühlinger mit großem Gespür. Susanne Müller (Sopran) und Timo Schnabel (Tenor) berührten bei den Arien in Mozarts "Litaniae de venerabili altaris Sacramento" (KV 243), Annina Merz (Alt) und Philipp Kubens (Bass) rundeten das Solistenquartett bei den chorischen Sätzen ab. Zweites Herzstück des Programms bildete eine selten gehörte Tondichtung besonderer Art: Seinem "Flos Campi" legte Ralph Vaughan Williams erlesene Worte aus dem Hohelied zugrunde. Doch ohne Sprache lässt er die Szenen aus der Geschichte der Liebenden zu musikalischen Bildern werden. Sebastian Wohlfarth gab, über das Technische erhaben, mit der Solobratsche der Sehnsucht eine nachdrückliche Stimme. Fein und gut aufeinander abgestimmt zeichneten die Orchestermusiker die beeindruckend differenzierten Klangschattierungen des englischen Komponisten. Angenehm trat, ausschließlich summend und auf Vokalen singend, der Chor hinzu. Der gekonnt intonierte und wohlausgewogene Chorklang zeigte sich noch deutlicher in den schwebenden Klängen in Olivier Messiaens "O sacrum convivium!" Alte Musik zum Hohelied hatte das Konzert eingeleitet. Clemens non papas "Ego flos campi" umrahmte das gregorianische "Laeva eius". Die eher "romantische" Interpretation verhinderte einen Bruch zum folgenden Programm. Dennoch hätte es nicht geschadet, "historisch informiert", zumindest etwas kerniger und diese Musik der Gregorianik flüssig zu singen. Lukas Grimms Neigung zu geruhsamen Tempi unterstützte auch bei Mozart die andächtige Stimmung – mitunter eine Spur zu viel. Unterm Strich bewegte das Konzert die Zuhörer dennoch sehr.