Quartettklang aus den Karpaten

Stefan Franzen

Von Stefan Franzen

Di, 21. Januar 2020

Klassik

Das polnische Streichquintett Vołosi gastiert in Schopfheim bei Akustik in Agathen .

Ein klassisch ausgebildeter Violinist namens Krzysztof Lason plant seine Hochzeitsfeier in den Bergen. Er ist auf der Suche nach einer ganz speziellen musikalischen Atmosphäre, damit dieses Fest im Karpatendorf Istebna für die Gäste unvergesslich bleiben wird und vor allem einen authentischen, lokalen Touch bekommt. Zusammen mit dem Bruder Stanisław, seines Zeichens Cellist, entdeckt er bei den Vorbereitungen drei Typen, die unter dem Namen Wałasi firmieren: Zbigniew Michałek (Geige), Jan Kaczmarzyk (Bratsche) und Robert Waszut (Bass). "Sie spielten ihre eigene Musik, auswendig, und von ihrem Level her konnten sie durchaus mit einem klassischen Streichquartett mithalten, aber ihre Musik war improvisiert, schöpferisch", schwärmt Stanisław Lason. Er und sein Bruder waren mit einer klavierspielenden Mutter und einem komponierenden Vater aufgewachsen. Die kreative Atmosphäre zuhause war sehr freigeistig, man gruppierte sich zum belebenden Austausch ums Piano. "Und diese drei Musiker erinnerten mich an die schöpferische Freiheit, die es während meiner Kindheit gab", so Stanisław, der wie Krzystof an der Musikhochschule in Kattowice studiert hat.

Zurück zur Hochzeitsfeier: Sie wird fast Nebensache, als das Brüderpaar mit den ortsansässigen Musikern zu jammen beginnt. "Das war wie ein Erdbeben", erinnert sich Stanisław Lason. Und es wird rasch klar: Diese zweite Vermählung des Abends wird Langzeitfolgen haben. "Unsere Dialoge bekamen Suchtcharakter, und im Verlauf von fünf Jahren waren wir so weit, aus dem stillen Kämmerlein nach draußen zu gehen." Ab dem Jahr 2010 heimsen Wołosi i Lasoniowie, wie sich die fünf auf ihrem Debütalbum noch nennen, zahlreiche Preise für ihre innovative Spielweise ein. Da auch aus dem Ausland immer mehr Einladungen kommen, ändern sie ihren Namen bald zum einfacheren Vołosi. Er geht auf die Walachen zurück: Eine ihrer Gruppen wanderte einst von Rumänien bis zum polnischen Ende der Karpaten, wo sich ihre Kultur mit der einheimischen aus den Beskiden-Berge mischte.

Weit entfernt von einer Rekonstruktion der Folklore

Und wie finden all diese Wurzeln nun Eingang in den Vołosi-Sound? "Wir haben nie versucht, richtige traditionelle Musik zu spielen", erklärt Stanisław Lason. Musiker aus Istebna tun das ja nicht, denn die eigentliche Besetzung der beskidischen Musik besteht nur aus Violinen und dem Dudelsack Gajdy. Alles darüber hinaus kann also als neu bezeichnet werden, es soll die Musik zugänglicher machen. Heute findet man in der Region alle möglichen Besetzungen, die neue Möglichkeiten eröffnen, teils aber auch den Charme des ursprünglichen Materials zerstören. Was wir tun, ist: Wir orientieren uns an den lyrischen Melodien, der gefühlvollen Spielweise und entwickeln daraus etwas, was für die Hörer von heute, na, sagen wir mal "abenteuerlich" sein kann. Es ist also denkbar weit entfernt von einer Rekonstruktion der Folklore, aber unsere drei Mitmusiker haben diese Klänge natürlich in ihrer DNA."

Da bei Vołosi musikalische Welten aufeinandertreffen, begeistern sich unterschiedlichste Hörergruppen für die Band: "Ein Jazzpublikum findet den improvisatorischen Aspekt cool", sagt Lasoń, "Folkies begeistern sich für den charakterstarken Sound, der aus der Tradition kommt. Und Klassikhörer wiederum interessieren sich für unseren kammermusikalischen Sound, der für unsere Spielqualität steht." Am meisten freut ihn jedoch, was bei den Kinderkonzerten passiert. "Den Kindern kannst du nichts vormachen, sie reagieren sehr direkt auf die Gefühle, die wir transportieren." Wie im Baltikum ziehe der Folk auch in Polen besonders junge Menschen an. "Was heute geschieht, steht im Gegensatz zu den Jahren nach dem Zusammenbruch des Kommunismus", urteilt Laso. "Zum Glück ist es richtig trendy geworden, sich an seinem eigenen Erbe zu erfreuen."

Konzert: 25. Januar, 19.30 Uhr, Kirche St. Agathe, Schopfheim-Fahrnau, Kirchplatz.