Juris Teichmanis (Cello)

REGIO-CD: Bach mit Herz

Johannes Adam

Von Johannes Adam

Do, 05. Dezember 2019

Klassik

Wie soll man Bach spielen? Diese Prinzipienfrage muss – zumal im Zeitalter der historisch informierten Aufführungspraxis – jeder Interpret schlüssig beantworten, der sich der Musik des Barockgiganten nähert. Die sechs Bach’schen-Solosuiten: Für Cellisten sind sie gleichsam die Bibel. Wenn Juris Teichmanis (Jahrgang 1966) jetzt seine Gesamteinspielung dieser Preziosen vorlegt, dann ist das die Summe einer mehr als 35-jährigen Beschäftigung des rührigen – und dem Komponisten nicht nur durchs Projekt "Bach pur" zugetanen – Freiburger Cellisten mit jener Kollektion. Anders als sein Lehrer Christoph Henkel, der Anfang der 90er Jahre die numerische Abfolge gewählt hatte, entschied Teichmanis sich für eine, wie er sagt, "antizyklische" Werkfolge: die Suiten 1, 3 und 5 auf der ersten, die Nummern 2, 4 und 6 auf der zweiten Scheibe. Wichtiger noch: Von Beginn an hat diese Bach-Deutung den Hörer auf ihrer Seite. Warum? Teichmanis spielt seelisch bewegt, mit Herz und vor allem: Er bietet Bachs Musik sehr klar. Und das bei diesen Celloklängen auf der Ebene der versteckten und echten Mehrstimmigkeit. Ohne in bloßes Ästhetisieren zu geraten, ist Tonschönheit da nie Nebensache. Teichmanis, der auf dem Stimmton von 400 Hertz agiert, kann zupacken. Zu spüren ist das bei Courante, Gavotte und Gigue. Da hört man veritable Musizierlust. Die Welt der langsamen Sarabande erfüllt er mit Spannkraft und Ausdruck. Die Sarabande der dunklen c-Moll-Suite gerät fast zum Traumstück. Immer wieder erweist Teichmanis sich als Melodienfahnder. Mehr noch: Sein Spiel ist von einer kantablen Grundhaltung geprägt. Wie er im einleitenden G-Dur-Prélude das Präludierende unterstreicht: Das hat Klasse. Ebenso das Linienspiel der Allemande im D-Dur-Exempel. Sonor in der Tiefe, nobel die Mittellage und mit Profil in der Höhe: So klingt das Bach-Kompendium. Wunderbar dokumentiert die Aufnahme vor allem dies: den Rang und den unerschöpflichen Ideenreichtum des Barockgroßmeisters.

Johann Sebastian Bach: Cello Suites. Juris Teichmanis (Violoncello). Zwei CDs (decurio).
CD-Releasekonzert: Freiburg, Christuskirche, Sonntag, 8. Dezember, 17 Uhr.