"Komik ist eine Präzisionsarbeit"

bex

Von bex

Fr, 14. Dezember 2012

Schülertexte

ZISCHUP-INTERVIEW mit Sebastian Nübling über das Leben und Arbeiten als Regisseur.

Sebastian Nübling arbeitet als Theaterregisseur an verschiedenen Theatern. Pascal Nübling, Schüler der 8. Klasse der Freien Waldorfschule Schopfheim, lebt mit ihm, seinem Onkel, in einem Haus in Hausen im Wiesental und hat mit ihm über seine Arbeit gesprochen.

Zischup: Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?
Sebastian Nübling: Ich habe in Hildesheim ein Studium absolviert, was mit Theater zu tun hatte. Danach war ich mit meiner Frau zusammen als Schauspieler in einer freien Theatergruppe. Irgendwann habe ich beschlossen, dass ich Regisseur werden will und habe angefangen zu inszenieren.

Zischup: Wie viele Stücke inszenierst
du pro Jahr?
Nübling: In der Regel vier Stücke pro Jahr.

Zischup: Wer sucht die Stücke aus?
Nübling: Entweder schlägt mir das Theater ein Stück vor, ich lese es mir durch und wenn es mir gefällt, inszeniere ich es. Oder ich selbst schlage ein Stück vor.

Zischup: Wer sucht für ein Stück die Schauspieler aus?
Nübling: Die Stadttheater in Deutschland haben feste Ensembles, fest angestellte Schauspieler. Aus denen heraus wird die Besetzung für ein Stück gemacht. Da aber immer mehrere Stücke gleichzeitig geprobt und gespielt werden, schlage ich welche vor und das Theater sucht welche aus. Das muss passen mit anderen Parallelproben und -produktionen.

Zischup: Wer teilt die Rollen ein?
Nübling: Das mache ich und bespreche das mit den Schauspielern und Schauspielerinnen. Die können dabei auch mitreden.

Zischup: Im Sommer habe ich das von dir inszenierte Stück "Sand" im Jungen Theater Basel gesehen. Wie kommt es, dass Jugendliche schon die Chance haben, mit dir zu arbeiten?
Nübling: Am Jungen Theater Basel ist es so, dass Jugendliche die Hauptrollen spielen. Und nur wenn man erwachsene Personen braucht, holt man Schauspieler dazu. Die Idee ist, dass junge Leute für junge Leute spielen.

Zischup: Arbeitest du gerne mit Jugendlichen?
Nübling: Ja, ich arbeite sehr gerne mit Jugendlichen. Das mache ich immer einmal im Jahr. Das ist schön, weil das Junge Theater ein kleines und sehr familiäres Theater ist.

Zischup: In deinen Stücken fällt auf, dass immer viel Musik dabei ist. Wie kommt das?
Nübling: Ich interessiere mich für Musik und höre viel Musik. Das Theater ist so eine Art Gesamtkunstwerk.
Es gibt bildnerische Elemente übers Bühnenbild und die Kostüme, es gibt Leute, es gibt Musik. Ich finde, dass das einfach zusammengehört.

Zischup: Ich habe gerade in Zürich deine Shakespeare-Inszenierung "Wie es euch gefällt" gesehen. Wie entstehen die vielen witzigen Ideen?
Nübling: Unterschiedlich. Wenn man ein Stück hat, gibt es einen Text. Der ist zum Teil festgeschrieben und zum Teil stehen schon lustige Sachen drin. Zum Teil erfinden die Schauspieler was dazu, zum Teil fällt mir was ein.
Das ist ein Wechselspiel zwischen den Schauspielern und mir. Komik ist eine Präzisionsarbeit.

Zischup: Verdient man als
Regisseur gut?
Nübling: Ganz unterschiedlich. Es kommt darauf an, in welchen Theatern du bist. Wie beim Fußball gibt es verschiedene Ligen.
In der ersten Liga verdient man gut. Millionär wird man nicht. In England zum Beispiel gibt es kommerzielles Theater. Wenn man dort einen Hit landet, läuft das zwei Jahre, sieben Mal die Woche. Dann kann man schon mal über eine Million verdienen. Aber in Deutschland kannst du das nicht, weil ein Regisseur ein vorher vereinbartes Honorar bekommt, egal ob das Stück ein Erfolg wird oder nicht. Das Risiko trägt das Theater, aber an den Erfolgen wird der Regisseur dafür auch nicht beteiligt.

Info: Sebastian Nüblings Shakespeare-Inszenierung "Wie es euch gefällt" ist derzeit am Schauspielhaus Zürich zu sehen. Termine: 17., 21., 30., 31. Dezember, weitere Infos unter http://www.schauspielhaus.ch