Begriff Rasse

Konservativ oder denkfaul?

Fritz von Brandt

Von Fritz von Brandt (Auggen)

Sa, 27. Juni 2020

Leserbriefe

Zu: "Eisenmann gegen Grundgesetzänderung", Agenturbeitrag (Politik, 17. Juni)

Die Äußerung von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) zur Frage des Rasse-Begriffs im Grundgesetz ist ein schönes Beispiel dafür, dass Konservative manchmal jegliche Veränderung schlechthin vermeiden wollen – ohne Rücksicht auf Verluste. Das gilt auch für einige ihrer Parteikollegen.

Natürlich bringt uns ein Bann des Wortes Rasse im Antirassismus voran. Es ist in seriöser Ethnologie und übriger Wissenschaft unbestritten, dass der Begriff "Rasse" – auf Menschen bezogen – unsinnig ist. Natürlich muss man nicht alles, was unsinnig ist, aus Literatur, Kunst, Erinnerungskultur und gesellschaftlichem Diskurs tilgen. Mit solchen "Säuberungen" hat Deutschland genügend schlechte Erfahrungen gemacht. Das Grundgesetz ist aber das OP-Besteck unseres Rechtsstaats. Es muss sauber sein.

Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben das Wort Rasse zu einer Zeit geschrieben, als die ganze Welt noch unter dem Eindruck der verheerenden Rassen-Politik der Nazis und ihrer bürgerlichen Kollaborateure stand. Das war sinnvoll und verständlich. Heute gehört es zum Grundwissen aufgeklärter Menschen, dass es keine menschlichen Rassen gibt. Heute sind wir weiter – und dem muss unsere Verfassung angepasst werden. Um das auch unseren Kindern klar zu machen, muss dieser Begriff aus unserer Verfassung getilgt werden. Eine juristisch wasserdichte Ersatzterminologie wird sich finden.Fritz von Brandt, Auggen