Kolonialgeschichte

Konstanzer Kaufmannsfamilie verdiente früh am Sklavenhandel

Torsten Schöll

Von Torsten Schöll

So, 04. Juli 2021 um 12:52 Uhr

Bildung & Wissen

BZ-Abo Zwei Wissenschaftlerinnen erforschen eine Kaufmannsfamilie, die schon früh im Sklavenhandel mitmischte. Tausende Afrikaner wurden von ihnen verschleppt und mussten in der Karibik schuften.

Keine Frage: Das Porträt des Renaissance-Malers Christoph Amberger zeigt einen sehr reichen Mann. Sein Blick unter dem samtenen schwarzen Barett ist streng. Fast ein wenig verbissen presst er die Lippen, die ein dichter Bart umsäumt, zusammen. Sein marderpelzbesetzter Umhang zeigt auf Brusthöhe ein rotes Kreuz – es ist das Jakobskreuz und weist ihn als Ritter des spanischen Santiago-Ordens aus.
Als Großmeister steht dem Orden zu dieser Zeit kein geringerer als Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Spanien, vor. In seiner Linken ruht eine sogenannte Bisamapfel-Uhr, eine der ältesten Taschenuhren der Welt. Ein Statussymbol, das auf die herausragende gesellschaftliche Stellung verweist und nicht zuletzt auf den großen Wohlstand und Erfolg dieses Konstanzer Kaufmanns, der den Namen Ulrich Ehinger trägt.
Reichtümer füllen ganze Truhen
Das Gemälde, das heute im Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt wird, ist zwischen 1531 und 1533 entstanden – unmittelbar nachdem der Patrizier Ehinger und seine Familie aus dem Venezuela-Geschäft der Handelsgesellschaft der Augsburger Welser ausgestiegen war. Es hatte sich für den Kaufmann vom Bodensee offensichtlich mehr als gelohnt: "1537 hat Ulrich Ehinger in seinem ...

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