Konzept aus einem Guss

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Do, 12. September 2019

Bad Bellingen

Bad Bellinger Gemeinderat votiert einmütig für Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Ausrichtung einer kleinen Gartenschau.

BAD BELLINGEN. Die Pläne für die Teilnahme am Wettbewerb um die Ausrichtung einer "kleinen Gartenschau" könnten für den Kurort nicht nur touristisch interessant sein, sondern zudem wertvolle Hinweise für die Verbesserung des Ortsbildes und das Zusammenwachsen von bisher getrennten Strukturen liefern. Der Bad Bellinger Gemeinderat votierte deshalb jetzt einstimmig für die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Ausrichtung einer kleinen Gartenschau im Bewerbungszeitraum 2031 bis 2036.

Für das Erstellen der Studie, vorgenommen vom Büro faktor grün, sind 36 500 Euro eingeplant. Die Mittel sind im laufenden Haushalt "Ortsentwicklung" berücksichtigt. Ausgeschrieben wurde die laufende Bewerbungsrunde vom Ministerium für den ländlichen Raum (MLR).

Was sich noch nach Zukunftsmusik anhört, braucht bereits jetzt eine frühzeitige Vorbereitung. Die Abgabe der Bewerbung muss noch vor Ende Dezember 2019 erfolgen. Und vorher muss der Rat über die definitive Teilnahme beraten, wie Bürgermeister Carsten Vogelpohl und Diplom-Ingenieur Martin Schedlbauer von faktor grün erläuterten. Den Hinweis darauf, dass es nicht nur Bundes- und Landesgartenschau gibt, hatte Gerhard Hugenschmidt aus Bamlach gegeben. Er ist Vorsitzender des Gartenbauverbandes Baden-Württemberg-Hessen und vertritt den Verband in BWgrün, der Fördergesellschaft für Landesgartenschauen und Gartenschauen. "Über den Zuschlag entscheide ich aber natürlich als Bellinger dann nicht", so der im Rat anwesende Hugenschmidt.

Schedlbauer schilderte die Vorteile, die eine Bewerbung für den Kurort darstellt. Es gebe die Möglichkeit, den Kurpark nach und nach zeitgemäß umzugestalten, hier bestehe sowieso Sanierungsbedarf. Außerdem könne man weitere Flächen wie den wilden Kurparkteil bis zur Bamlacher Bucht und in anderer Richtung ins Kurgebiet einbeziehen, wie beim Projekt Rheinliebe bereits in Ansätzen vorhanden. "Im wilden Kurparkteil muss man vor allem den Klimawandel und damit die Bepflanzung mit hitzeresistenten Bäumen im Auge haben.

Die Bewältigung der Folgen des Klimawandels und die Erhöhung der biologischen Vielfalt stehen in der Ausschreibungsrunde im Mittelpunkt", so Schedlbauer. Das Kurgebiet selbst und die Wegeverbindungen ins Ortszentrum könnten neu geordnet werden. Die Hangkante der Riesi, die einst das Rheinsteilufer war, stellt ein natürliches Hindernis dar, so Schedlbauer. Außer der Schlosstreppe und dem Aufzug und einem weiteren fußläufigen Zugang von der südlichen Rheinstraße aus gibt es bisher keine weiteren Verbindungen, gab er ein Beispiel. "Zudem sind die Ortsteile besser anzubinden", sagte der Planer.

Dass Bad Bellingen mit der IBA und der Rheinliebe schon Projekte hat, die in Richtung Ausschreibungsvorgaben zielen, könnte gut ankommen, machte Schedlbauer Mut. Der Ingenieur erläuterte auch den Umfang der Machbarkeitsstudie. Hier fließen etwa die Definition der städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ziele, die Eckpunkte der Ausstellung, die Bewertung der Maßnahmen im Hinblick auf den Klimaschutz und die Biodiversität, die Erstellung eines Ortsplans und die Gesamtanlage eines Freiflächenkonzepts ein.

Die Dauer der kleinen Gartenschau betrage drei bis sechs Monate. Die zu erwartenden Kosten liegen bei vier bis fünf Millionen Euro, wobei es im Fall der Teilnahmezusage seitens des MLR Fördergelder gibt, die zwischen 800 000 und 1,5 Millionen Euro liegen könnten. Der andere Teil der Investitionen deckt sich durch Werbung, Sponsoren und Eintrittsgelder, "wobei man aber nie weiß, ob sich das ausgeht", so Schedlbauer. Die Chancen, dass Bad Bellingen zum Zug kommt, sind laut Planer nicht schlecht. Abseits der geplanten Landesgartenschau 2022 in Neuenburg sei auf Jahre im Südwesten nichts Ähnliches absehbar, sagte er.

Grundsätzlich sahen alle Gemeinderäte eine Bewerbung und die Effekte der Planungen für den Kurort positiv. André Kammüller (FW), Wolfgang Müller (FW) Emil Schilling (CDU) Niclas Heitz (CDU) und Andreas Hubrich (CDU) mahnten aber an, sich näher mit den Kosten für die Gemeinde zu beschäftigen. Karl Schlager (FW) stellte fest, "dass ein landschaftliches Konzept für den Kurort eigentlich schon lange nötig ist." Dorothea Dosenbach (CDU) erinnerte daran, dass bereits "viel Geld für ein Tourismuskonzept ausgegeben wurde". Wolfgang Müller freute sich, dass eine Machbarkeitsstudie für eine Gartenschau zumindest dazu führe, "dass nicht mehr alles zugebaut wird".

Rechnungsamtsleiter Frank Spiegelhalter teilte mit, dass " man im Haushalt bei der Zusage für eine Teilnahme jedes Jahr 100 000 Euro für diesen Zweck als Sparschweinsumme zurücklegt", um den Eigenanteil zu decken.