Konzert voller Feuer, Hingabe und Gestaltungskraft

Karin Steinebrunner

Von Karin Steinebrunner

Mo, 22. November 2021

St. Blasien

Das Trio Maurice gestaltet das letzte Konzert in der diesjährigen Reihe der St. Blasier Klosterkonzerte.

. Im letzten Konzert aus der Reihe der St. Blasier Klosterkonzerte in diesem Jahr erlebten zahlreiche Zuhörer nochmals ein sprühendes, temperamentvolles, spielbegeistertes Ensemble voller Feuer, Hingabe und Gestaltungskraft. Das Trio Maurice mit Lisa Immer, Violine, Gesine Queiras, Cello und Aymara Cubas-Schiemenz, Klavier begeisterte mit Beethovens Klaviertrio Nr. 7 B-Dur, op. 97 und den Vier Jahreszeiten von Astor Piazzolla.

Das Klaviertrio op. 97, komponiert innerhalb der mittleren Schaffensperiode des Komponisten zwischen dem Sommer 1810 und dem Frühjahr 1811, wird oft als "Erzherzog-Trio" bezeichnet, weil Beethoven es seinem Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich widmete. Der Wiener Allgemeine Musikalische Anzeiger zitierte Horaz, indem er dem Trio attestierte, dass darin "Genie, Kunst, Natur, Wahrheit, Geist, Originalität, Erfindung, Ausführung, Geschmack, Kraft, Feuer, Phantasie, Lieblichkeit, tiefes Gefühl und munterer Scherz in schwesterlicher Eintracht sich umschlingen". Und tatsächlich strahlt das Trio, obwohl sich in dieser Zeit Beethovens Hörprobleme bereits bemerkbar machten, eine freudige, lebensbejahende Grundstimmung aus, die das Trio Maurice meisterlich in Szene setzte.

Der erste Satz, angeführt von einer Legatomelodie des Klaviers, von den Streichern mit knappen Akzenten kommentiert, wirkte in der Interpretation der drei Künstlerinnen kraftvoll im Ansatz und einfühlsam in den Übergängen. Ein groß angelegtes Crescendo leitete über zu einer lyrischen Passage der beiden Streicher, gefolgt von einer mit zarten Pizzicati unterlegten, dekorativ verspielten Klaviermelodie, die zu einem fröhlich auftrumpfenden Schluss führte. Bereits hier wurde eindrücklich die dynamische Bandbreite und spannungsgeladene Ausdruckskraft dieses Ensembles hörbar.

Der zweite Satz, hier in Vertauschung der üblichen Satzfolge ein fugiertes Scherzo mit neckischen, kurzen Phrasen und zwei dazu deutlich kontrastierenden, mit melancholischen Kantilenen ausgestalteten Trios, wirkte graziös und verleugnete dennoch nicht seinen kraftvollen, ja teilweise beinahe mutwillig wirkenden Unterton.

Das an die dritte Stelle gerückte Andante, ein gefühlsinniges Klavierthema mit vier Variationen, und der forsch überschwängliche, attacca daran anschließende schnelle Schlusssatz machten diese enorm lebendige, spritzige Wiedergabe zu einem großartigen, in sich runden Klangerlebnis. Ein ganz und gar nicht weniger eindrückliches Bild, wenn auch aus einer ganz anderen Zeit, zeichnete der zweite Programmpunkt des Abends, Astor Piazzollas Vier Jahreszeiten. Hier überträgt der Komponist in seiner unverwechselbaren, ganz eigenen Sprache den Tango seiner Anfänge auf die europäische Musiktradition und kreiert damit unerhört feurig mitreißendes kammermusikalisches Neuland.

Piazzolla beschreibt die Jahreszeiten in seiner Heimatstadt, Buenos Aires, als hochgradig virtuoses Wechselspiel zwischen aggressiver Erregung, einer tiefgründigen Traurigkeit und inniger, sehnsüchtiger Verträumtheit. Während der Reigen der Jahreszeiten bei ihm mit dem Sommer beginnt und mit dem Frühling endet, stellte das Trio den Frühling an den Anfang, der von schwärmerischem Gefühlsausdruck und rhythmischem Feuer geprägt ist. Der Sommer bringt mit seiner sengenden Hitze die Müdigkeit in Form langgezogener Streicherkantilenen mit sich und endet im abwärts gerichteten Glissando des Klaviers. Im Herbst verstärkt sich die Tendenz zur Melancholie durch chromatisch abwärts geführte Motivik in fugierten Einsätzen, während der Winter zu Beginn in sanften Farben schwelgt.

Zugleich interpretiert das Trio diesen Satz aber auch als vielleicht kontrastreichsten innerhalb dieser hoch impulsiven, von Gegensätzen nur so strotzenden Reihe, mit solistischen Melodiekaskaden und beinahe perkussiv anmutenden rhythmischen Staccati im Klavier, einer schwelgerischen Streicherpassage und einem zarten Abschluss nach beinahe klassisch anmutenden, anmutig sequenzierenden kurzen Phrasen. Ein Hochgenuss, der enthusiastisch gefeiert wurde.