Interview

Rainer Marten: "Das wunderbarste und schrecklichste Wesen"

Bettina Schulte

Von Bettina Schulte

Fr, 16. Januar 2009 um 00:00 Uhr

Freiburg

BZ-Interview mit dem Freiburger Philosophen Rainer Marten über den Menschen, die Kunst, die Poesie, Religion und Aufklärung – und die Krise.

Wer mit Rainer Marten spricht, denkt nicht an Alter. Es scheint auch für ihn selbst keine Rolle zu spielen. Dabei ist der Freiburger Philosoph eben 80 geworden. Nicht die Rückschau, sondern seine nächsten Projekte bestimmen das Gespräch. Über den Gedanken des Absoluten in Religionen hat er gearbeitet. Es wird ihn weiter beschäftigen. Am 18. Januar um 17 Uhr stellt Rainer Marten in der katholischen Akademie seine Sicht auf Marcel Proust vor. Bettina Schulte unterhielt sich mit ihm über sein Verhältnis zur Kunst – und zum Leben.

BZ: Herr Marten, was interessiert Sie an dem französischen Romancier Marcel Proust?
Marten: Proust hat mich fasziniert, weil er Kunst als Kunst aufführt. Zum ersten Mal habe ich mich mit dem Gedanken identifiziert, dass Kunst sich ausschließlich für Kunst engagiert.

BZ: Und nicht als Mittel zum Zweck fungiert.
Marten: Wenn das l’art pour l’art strikt durchgeführt wird, springt ein l’homme pour l’homme heraus. Alles, was Prousts Helden begegnet, ist schrecklich langweilig, gleichgültig, nichtig. Die Sensibilität des Künstlers vergeistigt die Dinge. Er macht aus allem etwas und wenn er das Besondere auf die Spitze treibt, wird es exemplarisch. Aber die Vergeistigung gründet immer in der Sinnlichkeit – bis zum Körpergedächtnis.

BZ: Ist es das, was Sie an der Kunst faszi-niert? Was führt einen Philosophen zur Kunst?
Marten: Die Kunst vereint etwas in sich, was die Reflexion des Menschen auf sich selbst auf eine viel wichtigere Bahn führt als Philosophie, die sehr oft in einer Selbstbeschau der Vernunft ...

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