Energiewende

Lahr steht eine harte Diskussion um neue Windräder ins Haus

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Do, 03. Dezember 2020 um 17:30 Uhr

Lahr

Die Stadträte stimmen für einen genaueren Blick auf neue Windrad-Standorte. Es sind aber noch viele Frage offen. Der Lauenberg, den die Nachbargemeinde Seelbach ablehnt, ist weiter im Rennen.

Noch ist es nur eine Landkarte mit farbigen Punkten. Für die vergleichsweise flache Lahrer Gemarkung kommt sie aber ganz schön bunt daher: Die neue Windkraft-Potenzial-Analyse zeigt Optionen vom Langeck in Reichenbach über Sulzberg/Ernet und Schlossbühl bis zum Detschel in Kippenheimweiler auf. Und sie informiert über drei Interessenten, die sich mehrere Windräder an unterschiedlichen Standorten vorstellen könnten (die BZ hat berichtet). Im Technischen Ausschuss am Mittwoch folgte auf ein grundsätzliches Ja zur Energiewende mehrfach ein Aber. "Es muss mit Augenmaß geschehen", sagte beispielsweise Jörg Uffelmann (FDP).

"Diese Großherzigkeit

Seelbach gegenüber kann

ich nicht nachvollziehen."

Rolf Mauch (Freie Wähler)
Eines verdeutlichte Bürgermeister Tilman Petters zu Beginn: Dort, wo die Flächen der Stadt gehören, hat sie ein Mitspracherecht. Das treffe auf den Großteil der genannten Optionen zu. Wenn es sich hingegen um Privatgrund handelt, sieht es anders aus. Mit Blick auf neue Anlagen ist Petters wichtig, dass die Einnahmen beziehungsweise der erzeugte Strom auf jeden Fall einen Nutzen für die Stadt Lahr bringen. Ebenso wichtig sei es, die Nachbargemeinden einzubinden. "Eigentlich liegen die windhöffigeren Standorte auf Friesenheimer Gemarkung", nannte Petters ein Beispiel. Bislang habe er aber den Eindruck, dass die Friesenheimer noch unschlüssig seien.

"Handelt es sich hier um

gemessene Erkenntnisse oder um politische Vorgaben?"

Ilona Rompel (CDU)
Die Seelbacher scheinen hingegen genau zu wissen, dass sie zumindest auf dem Lauenberg keine Windräder wollen. Deswegen hatte die Stadt vorgeschlagen, den Standort nahe der Seelbacher Gemarkung auszuklammern. Das stieß auf Gegenwind im Ausschuss, der sich dafür aussprach, alle Standorte zu prüfen. "Diese Großherzigkeit Seelbach gegenüber kann ich nicht nachvollziehen", sagte Rolf Mauch (Freie Wähler). "Wir wurden auch nicht gefragt, ob uns das passt", sagte Roland Hirsch (SPD) mit Blick auf den Windpark Rauhkasten/Steinfirst. Dieser liegt auf den Gemarkungen von Gengenbach, Friesenheim und Hohberg, ist aber von Reichenbach aus sichtbar. Der Lahrer Stadtteil habe hart um einen ökologischen Ausgleich hierfür gekämpft.

Auf kollektive Ablehnung stieß noch ein weiterer Punkt in der Verwaltungsvorlage: Den Auftrag, Rahmenverträge mit den Interessenten zu verhandeln und abzuschließen, wollte der Stadt niemand ohne Weiteres erteilen. "Das ist unglücklich formuliert", räumte Petters ein. Der Gemeinderat werde informiert, bevor Verträge unterzeichnet werden. Zuvor gebe es auch Infos über die Interessenten, die bislang noch nicht namentlich genannt werden. Mauch, der Sulzer Ortsvorsteher, hätte zudem gern die Ortschaftsräte eingebunden.

Es gab aber längst nicht nur Kritik. Den grundsätzlichen Zielen, weitere Windräder zu befürworten und die Standorte auf Kosten der Interessenten näher zu untersuchen, stimmten fast alle Stadträte zu. "Wir freuen uns über dieses Bekenntnis zu den energie- und klimapolitischen Zielen", sagte beispielsweise Dorothee Granderath (Grüne). Manfred Himmelsbach (AfD) war als einziger dagegen. Er zweifelt daran, dass in Lahr ausreichend Wind weht, um die "Verschandelung des Schwarzwalds" zu legitimieren. Jürgen Durke (Linke Liste Lahr & Tierschutzpartei) enthielt sich. "Die Windräder werden immer tödlicher für Vögel und Fledermäuse", betonte er. Prinzipiell seien ihm Solaranlagen lieber.

Eine Stadträtin legte einen ganzen Fragenkatalog vor

Die meisten Fragen kamen aus den Reihen der CDU. Ilona Rompel legte gleich einen ganzen Katalog vor. Sie fragte nach den vertraglichen Verpflichtungen, nach der Anlagenhöhe, nach den Schäden durch die Windradbrände auf dem Langenhard, nach der Erschließung und nach der Bürgerbeteiligung. Rompel wollte auch wissen, was passiert, falls später störende Betriebsgeräusche auftreten sollten – so wie in Schuttertal. Schließlich fragte sie nach dem Grund, warum der neue Windatlas im Gegensatz zum Jahr 2011 viel mehr Standorte auf Lahrer Gemarkung nennt. "Handelt es sich hier um gemessene Erkenntnisse oder vielmehr um politische Vorgaben?"

Diese Fragen blieben am Mittwoch noch unbeantwortet. Bei Petters hinterließen sie offenbar Eindruck. "Ich habe wenig Enthusiasmus bemerkt, dafür viele Widerstände", schloss er die Debatte. Am 14. Dezember wird sie fortgesetzt. Dann kommt das Thema in den Gemeinderat.