BZ-Weihnachtsaktion

Das Café Löffel in Lahr benötigt eine neue Spülmaschine

Elena Stenzel

Von Elena Stenzel

Fr, 06. Dezember 2019 um 18:14 Uhr

Lahr

Das Café Löffel in Lahr bietet täglich Menschen in schwierigen Lebenslagen eine Anlaufstelle. Die BZ-Aktion Weihnachtswunsch unterstützt mit 5000 Euro für eine neue Spülmaschine.

Das Café Löffel in der Schützenstraße ist an diesem Donnerstagvormittag gut gefüllt. Warm bollert die Heizung und winterliche Gemütlichkeit macht sich in der Gaststube des Café Löffel breit. In Gruppen sitzen die Besucherinnen und Besucher bei einem Brötchen oder Weckmann an den Tischen verteilt. Gesprächsfetzen auf Badisch, Russisch oder Arabisch fliegen durch den Raum. Einige Frauen stricken am Tisch, andere basteln Weihnachtsdeko mit den Tischnachbarn.

Jeden Vormittag gibt es ein kostenloses Frühstück im Café Löffel. "Heute ist noch wenig los, denn gestern war Zahltag der KoA (Kommunale Arbeitsförderung), da gehen manche dann ausnahmsweise mal in ein echtes Café anstatt zu uns", sagt Martin Schneider. Er leitet zusammen mit seiner Kollegin Birgit Hügel die karitative Tagesstätte der Diakonie in Lahr. Schneider begrüßt die Besucher mit Handschlag. Mittlerweile gibt es sogar Stammtische im Café Löffel.

Seit vier Jahren arbeitet er in der Tagesstätte. "Bevor ich hier angefangen habe – und ich habe wirklich schon in vielen sozialen Bereichen gearbeitet – hätte ich nicht gedacht, unter welchen Zuständen die Menschen in Deutschland teilweise hausen", sagt Schneider. Er berichtet von Besuchern im Café Löffel, die im Wald leben, von Vermietern mit horrenden Mieten über den Tisch gezogen werden oder in fragwürdigen Wohnheimen unterkommen.

Armut hat verschiedene Gesichter

All jene Menschen können im Café Löffel nicht nur günstig oder sogar umsonst essen, sondern sich auch bei der Wohnungssuche oder in Geldangelegenheiten beraten lassen, duschen, Wäsche waschen oder bei Obdachlosigkeit eine Postadresse anmelden. "In den vergangenen Jahren hat das enorm zugenommen", sagt Schneider. "Als ich angefangen habe, hatten zwei bis drei Personen hier ihre Postadresse. Mittlerweile hat sich das verzehnfacht." Schneider deutet auf sieben prall gefüllte Aktenordner. Darin bewahrt er Post und Unterlagen zu Hartz IV oder Rentenversicherungen der Menschen auf, die im Café Löffel ihre Postadresse angemeldet haben. "Einige führen auch eine Art Nomadenleben. Sie haben keine Meldeanschrift, leben aber auch nicht auf der Straße, sondern kommen immer mal wieder bei Bekannten unter."

Dass Armut verschiedene Gesichter hat, macht Schneider mehrmals deutlich. Im Café Löffel ist der Frauenanteil für eine karitative Tagesstätte ungewöhnlich hoch. "Wir liegen bei einem Verhältnis von etwa 50 zu 50 Prozent", sagt er. Normalerweise suchten mehr Männer solche Einrichtungen auf. Schneider schreibt das der Arbeit seiner Vorgängerinnen zu, die das Café Löffel jahrelang in rein weiblicher Hand geleitet hatten.Viele Frauen mit Minimalrente oder Alleinverdienerinnen mit Kindern kämen regelmäßig ins Café Löffel.

Hoher Frauenanteil im Café Löffel

Besonders ältere Frauen und Alleinerziehende sind gefährdet, unter die Armutsgrenze abzurutschen. Als arm gilt in der EU, wer unter 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens der Bevölkerung liegt. Im Jahr 2018 lag, laut Statistischem Bundesamt die sogenannte Armutsgefährdungsschwelle für ein alleinerziehendes Elternteil mit Kind unter 14 Jahren bei 1346 Euro. Wem im Monat weniger Geld zur Verfügung stand, der galt 2018 als armutsgefährdet. Diese Grenze hat sich in den vergangen Jahren immer weiter nach oben verschoben, vor zehn Jahren lag die Grenze für eine alleinerziehende Person mit Kind bei 1023 Euro im Bundesdurchschnitt.

Schneider kann durch seine Erfahrungen aus dem Café Löffel diesen Eindruck bestätigen. Für ihn gibt es seit einigen Jahren deutlich mehr zu tun: "Die Obdachlosigkeit hat zugenommen", sagt Schneider, "und ebenso die Beratungsintensität der einzelnen Besucher." Rund 20 Ehrenamtliche unterstützen Schneider, Kollegin Hügel sowie eine Hauswirtschafterin und eine Kraft, die sich um die Wohnungssuche kümmert. Jeden Tag kochen sie für rund 50 Menschen ein warmes Mittagessen zum Verkaufspreis von 1,50 Euro. "Bei uns wird selbst gekocht", betont Schneider. Doch wer das Geld nicht aufbringen kann, der bekommt auch ein Essen umsonst.

Alte Spülmaschine ist ein Sicherheitsrisiko

Handlungsbedarf besteht allerdings mit Blick auf die alte Spülmaschine. Diese wurde vor vielen Jahren als Vorserienmodell günstig gekauft. Allerdings sei sie undicht, sehr unhandlich und gebe immer mal wieder den Geist auf, beklagt Schneider, "Dann müssen wir von Hand spülen."

An einem Tag kämen gut 80 Gedecke zum Spülen zusammen. "Das ist ganz schön anstrengend für so viele Menschen und wir haben auch viele ältere Helfer, die sich nicht mehr gut bücken oder schwere Geschirrkörbe heben können." Auch sei es eng in der Küche, mit heißem Geschirr und Wasser neben den Köchen zu hantieren, stelle ein Sicherheitsrisiko dar. Eine neue Gastro-Spülmaschine muss deshalb her. Eine, "die zuverlässig ist und die wir auf Arbeitshöhe installieren können." Die Anschaffung der Maschine stellt eine große Investition dar, die etwa im Bereich von 4000 bis 6000 Euro liegt. Die Aktion Weihnachtswunsch unterstützt deshalb das Café Löffel bei der Anschaffung der neuen Spülmaschine mit 5000 Euro.
Spenden

Wer die BZ-Weihnachtsaktion unterstützen will, kann dies mit einer Spende auf folgende Spendenkonten tun:

Volksbank Lahr
BIC: GENODE61LAH, IBAN: DE72 68290000 0001 2222 01
Sparkasse Offenburg/Ortenau BIC: SOLADES1OFG,
IBAN: DE85 66450050 0076 000555
Überweisungsträger sind in der BZ-Geschäftsstelle am Urteilsplatz erhältlich.

Bitte beachten: Die Namen der Spenderinnen und Spender werden in der Badischen Zeitung veröffentlicht (ohne Nennung des Betrags). Wenn keine Namensnennung erwünscht ist, auf dem Überweisungsträger mit dem Wort "Anonym" vermerken.