"Jeder Triathlon ist ein besonderes Erlebnis"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Fr, 12. Juli 2019

Triathlon

BZ-INTERVIEW mit Landestrainer Wolfram Bott über den Schluchsee-Triathlon, die Angstdisziplin Schwimmen und penetrantes Seitenstechen beim Laufen.

TRIATHLON. Wer mit dem Fahrrad zum Schwimmbad fährt, an den Beckenrand läuft und anschließend noch ein paar Bahnen schwimmt, macht schon einen kleinen Triathlon. Beim Schluchsee-Triathlon, der am Samstag Hunderte von Ausdauerdreikämpfern in den Schwarzwald lockt, sind die Distanzen länger: 1,5 Kilometer Schwimmen, 36 mit dem Rad und zehn in Laufschuhen. BZ-Redakteur Jürgen Ruoff hat sich mit Landestrainer Wolfram Bott über die Sportart unterhalten, die 1995 in einer Studie in puncto Fitness und Gesundheit Gesamtsieger wurde.

BZ: Triathlon zählt zu den gesündesten Sportarten. Beschreiben Sie den umfassenden Fitnesseffekt der Sportart.

Bott: Triathlon vereint die drei Ausdauersportarten, die eigentlich jeder als Kind schon betreibt: Schwimmen, Radfahren und Laufen. Die drei Disziplinen sind ein hervorragendes Herz-Kreislauf-Training, stärken den Stoffwechsel und die Abwehrkräfte. Es ist ein Ganzkörpersport, der alle Muskelgruppen trainiert und das Verletzungsrisiko ist sehr gering.

BZ: Den Schluchsee-Triathlon gab es erstmals 1983. 1985 wurden rund um den größten Schwarzwald-See die deutschen Meister ermittelt. Seit Jahren gehen dort Hunderte von Athleten im Schwarzwaldcup und in den Ligenrennen an den Start. Was zeichnet die Veranstaltung aus?

Bott: Es ist eine ganz herzliche und familiär organisierte Veranstaltung. Die ortsansässigen Vereine und die Kurverwaltung geben sich da unheimlich viel Mühe und stellen dort alljährlich ein ganz tolles Event auf die Beine. Die Organisation ist auf dem höchsten Stand. Sie haben es gesagt, seit 1983 gibt es dort Triathlonrennen und deshalb haben die Organisatoren vor Ort auch sehr viel Erfahrung. Das spürt man in allem, was wie tun.

BZ: Wie beurteilen Sie die Strecken beim Schluchsee-Triathlon – sind sie für Einsteiger geeignet?

Bott: Grundsätzlich sind alle Kurzstrecken für Einsteiger geeignet. Die Strecken am Schluchsee sind schon sehr anspruchsvoll, gerade von der Topographie her, sowohl die Rad- als auch die Laufstrecke mit den Anstiegen, die da zu meistern sind. Anfänger sollten sich deshalb sehr gut selbst einschätzen und gerade in den Bergaufpassagen das Tempo etwas drosseln. Die Schwimmstrecke im Schluchsee ist auch nicht ganz einfach, in dem See kann es durchaus kabbelige Wellen geben. Dennoch: Auch Anfänger können im für jedermann offenen Schwarzwaldcup ihre ersten Triathlonerfahrungen sammeln. Man sollte beim Radfahren aber die Übersetzung etwas den Gegebenheiten anpassen.

BZ: Schwimmen ist oft die Angstdisziplin von Triathloneinsteigern. Auf was sollten Neulinge im Training und Wettkampf achten?

Bott: Triathlonanfänger, die das Kraulschwimmen erst erlernen, sollten viel Augenmerk auf die Technik legen. Im Unterschied zum Radfahren und Laufen ist Dauerschwimmen nicht ratsam. Man sollte stets kürzere Strecken mit mehr Wiederholungen schwimmen – und die dann in sauberer Technik. Im Wettkampf sollte man sich nicht in der ersten Reihe aufstellen, sondern der Leistung entsprechend einordnen. Auch die Mitte des Starterfelds ist für einen unerfahrenen Triathleten kein guter Platz, weil dort das Getümmel am größten ist, man Schläge abbekommen und es auch zu Panikattacken kommen kann. Wer am Rand des Feldes losschwimmt, kann sich schon bald frei bewegen.

BZ: Was ist zu tun, wenn Hektik oder Panik beim Schwimmen aufkommt?

Bott: Man kann zur Beruhigung immer auch mal ein paar Brustzüge einstreuen. Hilfreich kann bei Panik auch sein, sich zur Beruhigung auf den Rücken zu legen, bekannt als toter Mann. Wenn man einen Neopren anhat, liegt man an der Wasseroberfläche wie auf einer Luftmatratze.

BZ: Stichwort Neopren: Würden Sie einem Einsteiger zum Tragen eines Neoprenanzugs beim Schwimmen raten?

Bott: Wenn er die Möglichkeit hat, sich einen passenden Neoprenanzug zu besorgen, indem er sich beispielsweise einen bei einem anderen Athleten ausleiht, dann würde ich auf alle Fälle dazu raten, im Freiwasser mit Neo zu schwimmen, was man ja darf, sofern die Wassertemperatur unter 24 Grad liegt. Man sollte das Schwimmen mit dem Anzug allerdings im Training zuvor üben, weil so ein Neo immer ein bisschen einengt, die Beweglichkeit im Schulterbereich und auch die Atmung etwas einschränkt.

BZ: Der Wechsel gilt als vierte Triathlondisziplin. Auf was kommt es in der Wechselzone an?

Bott: Die Orientierung ist sehr wichtig. Wo steht mein Fahrrad, wo ist mein Platz? In der Wechselzone am Schluchsee, die aufgrund der hohen Starterzahl auch sehr groß ist, kann man sich beispielsweise an den Bäumen orientieren. Man muss sich auch anschauen und merken, wie lauf’ ich in die Wechselzone rein, wie lauf’ ich raus. Wo darf ich auf das Fahrrad steigen – und wo muss ich wieder runter vom Rad? Ich würde Triathlon-Einsteigern auch raten, sich in der Wechselzone etwas Zeit zu lassen, die Ruhe zu bewahren und nicht auf jede Sekunde zu schauen.

BZ: Thema Radfahren: Ein Fahrrad mit mehreren Gängen sollte es aufgrund der Steigungen, die am Schluchsee zu meistern sind, schon sein – oder?

Bott: Ich würde jedem empfehlen, da nicht mit einem Dreigangrad an den Start zu gehen. Es würde auch funktionieren, aber man tut sich mit einem Straßen-Rennrad erheblich leichter, da man mehr Gänge zur Verfügung hat. Auf der Radstrecke in Schluchsee wird es oben raus ja schon steil. Da braucht man eine kleine Übersetzung. Und auch am Anfang im Ort ist ein Anstieg, den sollte man als Anfänger mit einer kleinen Übersetzung hochkurbeln.

BZ: Wieso ist der Übergang vom Radfahren zum Laufen muskulär so schwierig?

Bott: Das ist individuell ganz unterschiedlich. Manche kommen damit auf Anhieb gut klar, bei manchen fühlt es sich an, als würden sie auf Eier laufen. Das gibt sich aber so nach einem oder zwei Kilometern, dann kommt man in seinen Rhythmus rein. Die anfänglichen Probleme liegen daran, dass das Radfahren eine runde und ganz andere Bewegung ist als das Laufen. Man muss beim Laufen bei jedem Schritt sein ganzes Körpergewicht tragen und abfangen, was auf dem Rad nicht der Fall ist. Zudem geht man mit einer gewissen Vorermüdung ins Laufen rein, deshalb fällt das am Anfang immer auch ein bisschen schwerer.

BZ: Sind Koppel-Trainingseinheiten – zuerst Radfahren und gleich danach Laufen – vor der Triathlonpremiere ratsam?

Bott: Ja, sicherlich. Weil je öfter man den Übergang vom Radfahren zum Laufen übt, desto besser kommt man damit klar.

BZ: Seitenstechen beim Laufen – was kann man dagegen tun?

Bott: Schwierige Frage, weil das Phänomen noch nicht restlos erforscht ist. Noch weiß keiner genau, woher es kommt. Man sollte dann auf jeden Fall das Tempo drosseln und sehr bewusst und tief ein- und auszuatmen, dann geht es meistens wieder weg.

BZ: Jeder Finisher ein Sieger – gilt das für jede Triathlondistanz?

Bott: Ja, für alle Triathlondistanzen. Das zeichnet den Triathlon aus. Jeder, der einen Ausdauerdreikampf geschafft hat, ist ein Sieger und kann stolz auf sich sein, egal welche Distanzen er zurückgelegt hat. Man sollte mit Spaß rangehen, dann wird jeder Triathlon zu einem besonderen Erlebnis.