Bundesliga

Last-Minute-Tor: Fußballerinnen des SC Freiburg trotzen dem VfL Wolfsburg einen Punkt ab

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

So, 11. Oktober 2020 um 17:41 Uhr

SC Freiburg

"Wir sind erschöpft, aber glücklich", sagt Torschützin Hasret Kayikci: Freiburgs Erstliga-Fußballerinnen erkämpfen sich vor 300 Fans ein 1:1 gegen den Serienmeister aus Wolfsburg.

Sieben Tage nach dem 0:0 daheim gegen den MSV Duisburg und vier Tage nach dem 0:3 beim 1. FFC Turbine Potsdam hat zum Ende der Englischen Woche der schwierigste aller möglichen Gegner Freiburg besucht: Serienmeister, Pokalsieger und Champions-League-Finalist VfL Wolfsburg. "Ich denke, die Rollen sind klar verteilt", hatte SC-Coach Daniel Kraus vor dem Spiel am Sonntag bei tristen 11 Grad Celsius in der Freiburger Fußballschule gesagt.

Die Rollen schienen klar verteilt zu sein

So schien es zunächst auch. Die VfL-Frauen machten von der ersten Sekunde an Druck, zwangen den Freiburgerinnen ihr Spiel auf und kamen SC-Torfrau Lena Nuding schon früh bedrohlich nahe. Sieben Minuten dauerte es, da stand Lena Oberdorf mit dem Ball am Fuß nur noch vier Meter vor Nuding, der Weg schien frei, doch Oberdorf schaffte es, der SC-Keeperin mitten in die Arme zu schießen. In der 14. Minute konnten sich die Freiburgerinnen wenigstens ihren ersten Eckball erarbeiten, und Marie Müller deutete mit einem Wuchtschuss knapp übers Gehäuse an, dass auch vom SC Torgefahr ausgehen konnte.

Ansonsten spielten sich die hochkarätigen Chancen aber ausschließlich auf Freiburger Terrain ab, Anna Blässes Fernschuss in der 24. Minute machte das erste halbe Dutzend schon voll. Doch die SC-Frauen lauerten auf Konter, und als Sandra Starke nur zwei Minuten später wie aus dem Nichts heraus plötzlich die Querlatte des Wolfsburger Kastens traf, ging ein Raunen durch die mit 300 Fans Pandemie-gerecht spärlich besetzte Tribüne.

In der Folge war es aber wieder Nuding, die Schwerstarbeit leisten musste. Kaum einmal schafften es die Freiburgerinnen überhaupt über die Mittellinie hinaus. Sie verteidigten aber weiter konsequent und aufopferungsvoll. Nuding hielt, was zu halten war, auch den Freistoß von Dominique Janssen, der über die Freiburger Mauer hinweg längst das 0:1 hätte bedeuten können (40.).

Wieder urplötzlich dann der dritte vielversprechende Freiburger Konter: Sandra Starke tauchte frei vor VfL-Torfrau Katarzyna Kiedrzynek auf, konnte unmittelbar vor der Pause aber nicht verwandeln.

Eine starke Abwehrleistung der Freiburgerinnen

0:0 nach 45 Minuten – eine starke Leistung aus Freiburger Sicht gegen die millionenschwere VfL-Equipe mit dem Sieger-Gen. Die Gäste blieben dominant. Hatten sie den Spielaufbau der Freiburgerinnen schon in Durchgang eins früh gestört, ließen sie einen solchen jetzt praktisch nicht mehr zu.

Nuding versuchte es mit weiten Abschlägen, aber die brachten kaum Entlastung. So oft sie auch Anlauf nahm, um dem Spiel Raum zur Entfaltung zu geben, so schnell brachten es die Wölfinnen in ihren Strafraum zurück. In der 70. Minute tat die eingewechselte Zsanett Jakabfi, was schon lange in der Luft gelegen hatte. Sie zog zum 1:0 für Wolfsburg ab, Nuding war ohne Chance.

"Wir sind erschöpft, aber glücklich." Hasret Kayikci
Die SC-Frauen verteidigten aber weiter konzentriert, und in den Schlussminuten wagten sie dann tatsächlich eine Offensive. Zuerst hätte Giovanna Hoffmann ausgleichen können. Frei vor Kiedrzynek zielte sie aber in den Himmel. Hasret Kayikci machte es gleich darauf besser. Sie spielte sich frei und traf mit dem Schlusspfiff zum ebenso verdienten wie erlösenden 1:1 (94.).

"Wir sind erschöpft, aber glücklich", sagte Kayikci. "Ich bin stolz auf die Mannschaft", erklärte SC-Coach Kraus. "Wir haben vom ersten bis zum letzten Moment diszipliniert gespielt." Der Punkt sei hart erarbeitet und tue gut nach einigen bitteren Momenten in den ersten fünf Partien der Saison.

Der Ortenauer Erstligist SC Sand besiegte Eintracht Frankfurt mit 3:2 (1:1).
Der SC spielte mit: Nuding, Karl (83. Wensing), Minge, Kayikci, Starke, Bürger (62. Wittje), Stegemann, Vojtekova, Steuerwald, M. Müller (83. Memeti), Hoffmann.