Marathon-Neulinge und alte Hasen

Annemarie Zwick  und Wolfgang Scheu

Von Annemarie Zwick (Text) und Wolfgang Scheu (Fotos)

Mo, 14. Oktober 2019

Leichtathletik (regional)

Die 52. Auflage des Bräunlinger Langstreckenklassikers schreibt bei traumhaften Bedingungen ihre eigenen Geschichten.

BRÄUNLINGEN. Träume gingen in Erfüllung an einem Traumtag beim Schwarzwald-Marathon. Mehrere Läufer meisterten ihren ersten Wettkampf über die Respekt einflößende Distanz von 42,195 Kilometern, unter unterschiedlichen Voraussetzungen. Und über die halb so lange Strecke zeigte ein 80-Jähriger, was mit starkem Willen und Lebensfreude noch möglich ist im hohen Alter.

Der Andrang war groß: Bis fünf Minuten vor dem Halbmarathon-Start war der Nachmeldeschalter geöffnet, berichtete Organisationschef Frank Kliche später freudestrahlend. Seine gute Laune teilten viele Läuferinnen und Läufer, zuerst auf der Strecke und erst recht im Ziel.

"Es ist immer gut, hier zu laufen", sagte Peter Fane, der wie im Vorjahr Zweiter wurde. Der 39-jährige Hüfinger, der aus Lesotho im südlichen Afrika stammt, verrät auch, warum: Die Strecke ist schön und "gesund für die Füße" und "die Leute sind super". Er "musste vorsichtig sein" und ging im letzten langen Lauf vor dem Frankfurt-Marathon nicht an seine Grenze, um in zwei Wochen seine volle Leistungsfähigkeit abrufen zu können. Ob das dann auch Marius Stang gelingen wird? Der hatte am Sonntag bei seiner Marathon-Premiere eine Zeit zwischen 2:40 und 2:45 Stunden angestrebt und sich mit seiner Siegerzeit (2:35:02) auf der anspruchsvollen Strecke selbst überrascht. "Das haben wir gut gemacht", sagte er lächelnd zu Fane, als er ihm gratulierte.

Auch Claudia Kehl (TuS Bonndorf) lief gestern ihren ersten Marathon. Dabei gab es Gründe, die gegen einen Start gesprochen hätten: Sie hatte nach eigener Einschätzung eigentlich zu wenig trainiert und vergangene Woche Grippe. Ihre Entscheidung: "laufen und wenn’s nicht geht aufhören". Es ging. Und wie. Die 47-jährige Mutter von fünf Kindern wurde in der Zeit von 3:26:15 Stunden Fünfte der 89 Frauen. Obwohl sie das Rennen etwas zu schnell angegangen war, unterwegs eine Packung Papiertaschentücher verbrauchte und gegen Ende Probleme bekam: "Bei Kilometer 38 machten die Beine zu." Doch Claudia Kehl kämpfte sich durch, weil sie einen starken Antrieb hat: Sie läuft gewissermaßen für ihren jüngsten Sohn, weil er nicht laufen kann. Der Elfjährige sitzt gelähmt im Rollstuhl.

Zu schnell in ein Rennen zu starten gilt als Anfängerfehler. Es kann aber auch "alten Hasen" passieren. "Ich hab’ mich zu gut gefühlt", sagte der frühere Spitzenskilangläufer Walter Kuß (LT Furtwangen). Deshalb wollte er bei Mistelbrunn "Tempo machen", übernahm sich aber bergauf und brauchte danach vier Kilometer, um sich zu erholen. Immerhin verschwanden seine Knieprobleme während des Laufs. Die angestrebten drei Stunden Laufzeit waren nicht drin, doch 3:07:02 Stunden reichten für Rang 15.

Walter Blessing (LT Unterkirnach) läuft und läuft und er will weiterhin laufen, "so lang’ es gesundheitlich geht", sagt der 80-Jährige mit dem vollen weißen Haar. Seine Motivation für Wettkämpfe? "Einfach, dass man fit bleibt und in Bewegung", erklärt der Tannheimer lächelnd. Im Training sei mehr Zug, wenn man ein Ziel habe. Wobei er wegen seiner zahlreichen Wettkämpfe gar nicht mehr viel trainieren müsse. Auch die Gemeinschaft mit den Sportkameraden schätzt er. Den Halbmarathon lief er in 2:19:49 Stunden. Seinen Schnitt von gut neun Kilometern pro Stunde schaffen viele Junge nicht.