Mit dem Tempomacher zur neuen Bestzeit

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Di, 01. Oktober 2019

Leichtathletik (regional)

Stefanie Doll läuft beim Berlin-Marathon als zweitschnellste deutsche Frau in die Top 20.

BREITNAU. Auch wenn Stefanie Doll (SV Kirchzarten) inzwischen einige Erfahrung im Marathonlauf hat – Berlin war in mehrfacher Hinsicht besonders für die 31-jährige Hochschwarzwälderin. Beim 46. Marathon in der Hauptstadt am Sonntag startete sie im Elitefeld der Frauen und erstmals mit Pacemaker. "Ich kam ahnungslos an, für mich war alles neu", erzählt sie. "Ich hab’ mir alles angeguckt, das war echt amüsant." Die Äthiopierinnen, Kenianerinnen und weitere Weltklasseläuferinnen trugen enge Tops und Werbung und mitten unter ihnen Stefanie Doll in ihrer kurzen schwarzen Lieblingshose und "meinem blauen Flattershirt".

Doch die Flatter bekamen später andere. Während viele das Rennen zu schnell angegangen seien, tat sich die Physiotherapeutin anfangs schwer: "Ich hatte müde Beine und war auch im Kopf nicht ganz klar." Vielleicht habe sie das Tiefdruckgebiet gespürt, das immer wieder Regen und Wind brachte.

Nach zwei Kilometern wies sie ihren vom Veranstalter gestellten Tempomacher an, "einen Tick langsamer" zu laufen. Zielvorgabe beim Start waren 2:35 Stunden. Die Halbmarathon-Marke passierte Doll nach 1:18:09 Stunden, wenig später kam sie besser in Schwung. Von Kilometer 25 an "kamen mir viele entgegen", die überzogen hatten, während die zähe Schwarzwälderin schneller wurde und ihr höheres Tempo auch durchhalten konnte. Das motivierte sie zusätzlich, wie auch der Zuruf der Frau ihres Pacemakers, sie liege knapp hinter Anna Hahner. Zwei, drei Kilometer später war es so weit: Stefanie Doll zog in einer Innenkurve an der Olympiastarterin von Rio vorbei und lief bis ins Ziel 1:01 Minuten Vorsprung heraus. Fünf bis zehn Topläuferinnen habe sie hinter sich gelassen.

Nach 2:35:33 Stunden lief Stefanie Doll als 19. von 13 289 Finisherinnen und zweitbeste deutsche Frau ins Ziel – unbemerkt vom Veranstalter. Zwei Minuten später setzte Starkregen ein. "Ich bin glücklich", sagt das Lauftalent, das seine Marathon-Bestzeit um 2:26 Minuten gesteigert hat. Dolls nächste Herausforderung: die Berglauf-WM in Argentinien im November, erneut über 42 Kilometer.