SC Freiburg und die Covid-19-Krise

Leki: "Gehe nicht davon aus, dass Anfang April wieder gespielt wird"

David Weigend

Von David Weigend

Di, 17. März 2020 um 18:51 Uhr

SC Freiburg

Auch der SC Freiburg ist von der Coronakrise betroffen. Finanzchef Oliver Leki skizziert die aktuelle Lage beim Bundesligisten, der am Anfang einer Durststrecke steht.

Der Betriebswirt Oliver Leki ist nicht nur Finanzchef des SC Freiburg, sondern auch Präsidiumsmitglied der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Man könnte auch sagen: Wenn jemand momentan halbwegs überblicken kann, welche Folgen die Coronakrise für die Bundesliga und den Sportclub im Speziellen haben könnte, dann er. "Ich gehe Stand heute nicht davon aus, dass Anfang April wieder gespielt werden kann", lässt sich der 47-Jährige auf der Website des SC Freiburg zitieren. Ziel müsse es aber sein, die Bundesliga-Saison bis Ende Juni zu beenden. Dieses Vorhaben scheint nach der Verschiebung der Europameisterschaft ins Jahr 2021 zumindest theoretisch machbar. Und praktisch dürfte die Restsaison, wenn Lekis Prognose zutrifft, eine ziemlich bizarre werden: "Ich gehe davon aus, dass wir Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen werden. Zudem wird es eine maximale Flexibilisierung der Spieltage benötigen. An Englischen Wochen und sehr eng getaktetem Spielrhythmus werden wir nicht vorbeikommen."

Der SC Freiburg ist laut Leki solide aufgestellt. Finanzielle Vabanquespiele, die einen Verein wie Werder Bremen jetzt in Bedrängnis bringen (Siehe Bericht Seite 15), haben in der Vereinsphilosophie seit der Ägide Achim Stockers keinen Platz gehabt. "Wir haben über viele Jahre hinweg seriös gewirtschaftet, das kommt uns sicherlich zugute", sagt Leki. Weil Medien-, Zuschauer- und Sponsoringeinnahmen über einen bestimmten Zeitraum wegfallen, führe dies jedoch zwangsläufig zu "finanziellen Problemen, die existenziell werden können." Dies gilt trotz soliden Wirtschaftens auch für den Sportclub. Für den Beginn der Durststrecke scheint er gewappnet. Die Frage ist, wielange sie anhält. Denn komplett wegfallende Einnahmen stellen mittelfristig auch für den SC eine existenzielle Bedrohung dar.

Die Situation für die Bundesliga sei sehr ernst: "Es geht nicht darum, einigen gut bezahlten Fußballprofis ihr Auskommen zu sichern, sondern es geht schlicht um die Existenz der Clubs und rund 56 000 Beschäftigten, die direkt und indirekt bei den Vereinen arbeiten." Diese Überzeugung teilt Leki mit DFL-Chef Christian Seifert, der nach der Mitgliederversammlung am Montag in Frankfurt zum gleichen Fazit kam.

Die Themen, die es nun beim SC zu klären gilt, sind schwierig und komplex. "Offene Fragen zum Ticketing und Sponsoring klären wir gerade und werden unsere Fans und Partner so schnell wie möglich informieren." Die Profis trainieren bis auf weiteres individuell zuhause. "Die Spieler bekommen Trainingspläne und tägliche Trainingsvideos zur Verfügung gestellt. Jeder Spieler bekommt ein Spinningrad ins Wohnzimmer", sagt Leki.Wie es mit der Bundesliga weitergeht, kann heute nicht geplant werden und hängt von der Dynamik von Corona ab. "Ende März wird die Mitgliederversammlung erneut zusammentreffen und das weitere Handeln besprechen."