Lenzkircher Musiker proben in der Abendsonne

Wolfgang Scheu

Von Wolfgang Scheu

Mo, 15. Juni 2020

Lenzkirch

Erste Musikprobe nach langen Wochen der Zwangspause auf dem Schulhof / Marschprobe auf dem Sportplatz.

. Mit ihrer ersten Musikprobe am Freitagabend war die Stadtmusik Lenzkirch im großen Umkreis der erste Musikverein, der sich nach langen Wochen und Monaten der Zwangspause wieder traf, um gemeinsam zu musizieren.

"Flächenmäßig waren wir noch nie so groß", merkt Jakob Scherzinger, der Dirigent der Lenzkircher Stadtmusik, humorvoll an. Er brauchte am Freitagabend nicht nur ein gutes Gehör. Weitblick war ebenfalls erforderlich bei der ersten Musikprobe seit der Coronapause. Er stand mit dem Rücken zur Festhalle, der vorgeschriebene Corona Mindestabstand vom Dirigenten zum nächsten Musiker muss drei Meter betragen. Die Schlagzeuger und die Bassisten saßen vor der Wand der Sommerberg-Schule, ganze 15 Meter vom Kapellmeister entfernt.

21 Musikerinnen und Musiker hatten sich auf der App der Stadtmusik Lenzkirch zur kurzfristig angesagten Probe angemeldet – 26 sind gekommen. "Zuerst spielen wir ein leichtes Märschchen, damit die Instrumente entstaubt werden", startet Scherzinger die Probe. Spätestens als "Crans Montana" erklingt, dürfte sicher so mancher Lenzkircher seine Fenster an diesem sehr schönen Sommerabend geöffnet haben, um den ungewohnten Klängen zu lauschen.

Die erste Probe seit Monaten, endlich trifft man sich wieder, um gemeinsam zu musizieren. Die Freude ist groß bei Musikern und Dirigent. Bei der neuen "Heublumen-Polka" geht es schon ins Detail, die einzelnen Register sind gefordert und schnell klingt das "Abba Revival" schwungvoll.

Vorsitzender Christoph Stabla und Dirigent Scherzinger sind die Verantwortlichen für die Einhaltung des Hygienekonzepts zur Wiederaufnahme des Probenbetriebs. Und sie haben auch die Stühle heruntergetragen aus dem Probenraum der Sommerbergschule und vorschriftsmäßig auf dem Platz vor der Festhalle verteilt. Bereits am Mittag lief der Drucker von Christoph Stabla heiß. Das ausgedruckte Hygienekomzept ist sechs Seiten lang, jeder Musiker bekam ein Exemplar. Die Abstände, Stuhlanordnung, der verbotene Instrumententausch der Schlagzeuger, das Verteilen der Noten mit Handschuhen und sogar das Entsorgen von Kondenswasser in Einwegschalen – alles ist bis ins Detail niedergeschrieben.

Die letzten Sonnenstrahlen nutzten sie für eine Marschprobe auf dem Sportplatz der Schule. Zwar fällt Eulogius aus, aber vorausgesetzt, dass sie alle Genehmigungen erhalten, will die Stadtmusik am musikalischen Wecken am Sonntag, 21. Juni festhalten. Wenn es das Sommerwetter zulässt, wollen sie jeden Freitag um 20 Uhr draußen proben. Bei schlechtem Wetter in der Festhalle.

Im Juli stehen auch Probedirigate an, denn es gilt Ersatz für Dirigent Jakob Scherzinger zu finden, der im September, die Leitung der Jugendmusikschule Achern-Oberkirch übernehmen wird.