Das Wahlvolk wird in Schafe verwandelt

Manfred Schreiber

Von Manfred Schreiber (Kirchzarten)

Sa, 08. Juni 2019

Leserbriefe

Zu: "Bei der Europawahl überflügeln die Grünen die SPD – auch CDU verliert", Agenturbeitrag (Politik, 27. Mai)

Darf man in der Demokratie die Demokratie kritisieren? Wir haben unsere Volksvertreterinnen gewählt. Diese haben vier oder fünf Jahre für uns geackert. Die öffentlichen Angelegenheiten besprochen, Pläne gemacht, Kontakte hergestellt, in Sitzungen statt zu Hause die Abende verbracht. Haben wir nun deren Tätigkeit, den Erfolg oder Misserfolg, am Ende der Legislatur bewertet? Nein!

Zum Wahlkampf hin hat sich über unseren Köpfen ein medial psychologischer Krieg entwickelt, mit dem Ziel, die eine oder andere politische Ausrichtung zu propagieren. Das Wahlvolk wird in eine Herde getriebener Schafe verwandelt. Punktgenau zu Wahlterminen gezündete Kampagnen und Skandale. Pfiffigen Einzelpersonen gelingt es durch aufwühlende last minute Internetauftritte die noch in der Demokratie unerfahrenen Erstwähler in eine bestimmte Richtung zu bringen, dass im Ergebnis Wahlergebnisse zweistellig verschoben werden.

Öffentlichkeitskampagnen, die ihren Topos, ihr Anliegen zum alleinigen Wahlthema erklären. Ist das die Demokratie, so wie sie einst gedacht war als das Votum des Souveräns der mündigen Staatsbürger?Manfred Schreiber, Kirchzarten