Leserbriefe

Achim Schwab, Heike Bold, Margret Oelhoff

Von Achim Schwab, Heike Bold, Margret Oelhoff (Ettenheim)

Mi, 07. April 2021

Ettenheim

PROTEST MIT KINDERSCHUHEN
Die Vergleiche sind einfach unerträglich
Zum Artikel über die Corona-Proteste ("Corona-Protest mit Kinderschuhen") in der BZ vom 3. April erreichten die Redaktion folgende Leserbriefe.
Die Pandemie fordert uns alle heraus: Senioren, Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Dass Familien auch auf ihre Situation und insbesondere die Situation von Kindern aufmerksam machen wollen, ist legitim und verständlich. Unverständlich ist, dass Kerzen und Kinderschuhe am Ostersonntag auf der Rathaustreppe in Ettenheim stehen – Kinderschuhe bedienen sich der Holocaust-Symbolik und erinnern an unzählige ermordete jüdische Kinder, Kerzen erinnern an Verstorbene.

Ein "Kinderlachen hinter einer Maske" mit dem unendlichen Leid zu vergleichen, das beim Holocaust entstand, und diese Symbolik aufgreift – so etwas geht gar nicht! Wie geschichtslos ist das? Ob die betreffenden Familien mit ihren Kindern wissen, was sie tun? Diese bundesweite Aktion wird im Netz schon länger scharf kritisiert – jeder konnte sich darüber informieren. Die Vergleiche mit den Opfern der Gräueltaten des Nationalsozialismus im Zuge der Kritik an Corona-Maßnahmen sind einfach unerträglich!

Achim Schwab, Heike Bold, Margret Oelhoff, Ettenheim

Symbolik zeigt, wessen Geistes Kind man ist
Seltsam wie viel gleichartige "spontane Aktionen" mit derselben kruden Symbolik es gleichzeitig in der Bundesrepublik gegeben hat. Ein Mathematiker möge die Wahrscheinlichkeit ausrechnen. Zum Spruch "Wir wollen atmen", der auf dem großen Banner am Rathaus in Ettenheim stand: ja, wer nicht? Sicher die Patienten, die auf der Corona-Station meiner Nichte – sie ist Ärztin auf einer solchen – liegen. Sicher würde gern ihr Schwiegervater atmen, der im Spätjahr auf einer solchen Station verstorben ist. Sollte jemand dies für Fake News halten, bin ich gern bereit, ein Praktikum auf einer solchen Station zu vermitteln. Zur Symbolik ist im "Urteilsplatz" auf derselben Seite alles gesagt. Wer sich wissentlich oder unwissentlich dieser Symbole bedient, zeigt, wessen Geistes Kind er oder sie ist.

Zum Polizisten, der die Situation nur beobachtete, zitiere ich eine Jugendliche, die dies auch sah: "Was ist das für eine Polizei, die zulässt, dass teilweise ohne Abstand und Maske demonstriert wird?" Dies alles gilt unabhängig davon, dass man an den Corona-Maßnahmen berechtigte Kritik haben kann.

Michael Hoffmann, Ettenheim

Aktion outet Unbildung und Dummheit
Wenn ich lese, wie Menschen meinen, auf die Situation der Kinder in der Pandemie aufmerksam machen zu müssen, fällt mir nur noch Friedrich Schillers Jungfrau von Orleans ein: "Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens." Möglich, dass die Initiatoren nun fragen: Friedrich Schiller – wer war das? Und die Jungfrau von Orleans? Hatte die auch Corona? Wer nicht um eine solche geschichtsträchtige Symbolik wie die der Kinderschuhe weiß, der muss in Kauf nehmen, dass er oder sie sich mit einer Unbildung outet, die Schiller Dummheit nennt. Als Opi von sechs Enkelinnen weiß ich um die Situation Bescheid. Aber eine Aktion wie die mit den Kinderschuhen: Danke nein!

Klaus Schade, Ettenheim


CORONA-MASSNAHMEN
Aufklärungsbögen angezündet
Generell zum Thema Protest gegen Corona-Maßnahmen schreibt ein Leser.
Im Außenbereich der Praxis haben wir einen Spender angebracht, aus dem sich die Patienten die Aufklärungsbögen für die Covid-Impfung mit nach Hause nehmen können. Das hat anscheinend jemandem nicht gefallen. Einige der Bögen wurden in Stücke gerissen verstreut. Ein Teil wurde in unseren Briefkasten gesteckt und angezündet. Zum Glück war es ein sehr windiger Tag, sodass kein größerer Schaden entstanden ist. Aber seither ist unser Außenbereich videoüberwacht.
Siegfried Hänselmann, Arzt,Schuttertal-Schweighausen