Leserbriefe

Johannes Schnippering (Buchenbach )

Von Johannes Schnippering (Buchenbach )

Do, 12. Dezember 2019

Leserbriefe Breisgau

KUNDENUNFREUNDLICHE BAHN
"Der gemeine Pendler bleibt außen vor"
Zum Artikel "Ein Fahrplanwechsel unter Strom", in der BZ-Ausgabe von Dienstag, 10. Dezember, schreibt ein Leser:
Der neue Regio-Fahrplan der DB sollte mit dem Winterfahrplan für den Kunden Verbesserungen mit sich bringen. Das wurde vor allem für die Züge von Freiburg nach Seebrugg proklamiert. Dies gilt aber vor allem für den Freiburger Raum bis Himmelreich, nicht jedoch für den ländlichen und die Anschlussverbindungen im Schwarzwald. Leider hat die DB mit ihrem Fahrplanwechsel zum Winter wenig nachvollziehbare und kundenunfreundliche Fahrpläne erstellt, ohne Absprache mit den Busgesellschaften.

Während die Verbindungen von Freiburg nach St. Blasien im Anschluss gut sind, sind die umgekehrten von St. Blasien nach Freiburg beziehungsweise von St. Blasien nach Seebrugg katastrophal, da am Bahnhof über 40 Minuten Wartezeit in Kauf genommen werden müssen. Ab dem 15. Dezember fahren die Busse ab St. Blasien jeweils acht Minuten nach der vollen Stunde und erreichen Seebrugg immer jeweils 24 Minuten nach einer vollen Stunde. Da der Zug zurück nach Freiburg jeweils vier Minuten nach der vollen Stunde fährt, bedeutet dies 40 Minuten Wartezeit in Seebrugg, wo teils der Warteraum geschlossen und keine Toilette oder Gaststätte vorhanden sind. Nach dem vorläufigen neuen Fahrplan hätten Schüler des Kollegs in St. Blasien nach der sechsten Stunde den Zug in Seebrugg um zwei Minuten verpasst. Nachdem die Schulleitung intervenierte, sollte wenigstens dieses Problem nun gelöst sein.

Mir ist schleierhaft, warum DB und SBG ihre Fahrpläne nicht kundenfreundlicher und in Absprache gestalten können. Fragt sich das auch Verkehrsminister Hermann, der demnächst die Höllentalbahn werbeträchtig besucht? Er betont stetig, dass er für die Fahrgäste deutliche Verbesserungen im regionalen Schienenverkehr erreichen will. Und er betont, dass der Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel nur gelingen kann, wenn attraktive Alternativen angeboten werden. Dies ist bei der Höllental- und Dreiseenbahn realiter nicht der Fall. Weder der neue Fahrplan bringt Vorteile, noch ist der jetzige verlässlich.

So weist der erste Zug aus Seebrugg seit vier Wochen jeden zweiten Tag so viel Verspätung auf, dass der kreuzende Zug in Aha warten muss und der Schulbussanschluss in Seebrugg verpasst wird. Zum Beispiel am Dienstag haben mein Kollege und ich sowie zehn Schüler wegen des verspäteten Gegenzuges unseren "Schulbus" und damit zwei Schulstunden verpasst. Welcher Dienstherr macht es mit, dass seine Mitarbeiter ständig zu spät kommen oder Arbeitszeit vergeuden? Scheinbar die Bahn, für die Effizienz und Ökologie so unwichtig erscheinen, dass sie ihrem Zugpersonal in Seebrugg ihre stündliche 40-minütige "Leerzeit" mit einem demnächst eigens für das Personal eingerichtetem Warteraum so angenehm wie möglich gestalten will. Der gemeine Pendler bleibt außen vor, er kann ja im warmen Zug warten. Wie kann die Bahn mit derartigem Vorgehen Menschen zum Umstieg vom Auto zur Bahn motivieren?

Auch die viel gepriesenen neuen S-Bahnen weisen massive Fehler auf; nach Auskunft er Schaffner ist mehr als die Hälfte der Züge von Defekten betroffen: Die Toiletten funktionieren reihenweise tagelang nicht, da die Wassertanks lecken und nur in Freiburg aufzufüllen sind, die Sperrvorrichtung an den Türen, die die Schaffner benutzen wollen, sind vergessen worden, so dass pfiffige Schaffnerinnen breite Haarklammern zum "Aufsperren" der Türen benutzen, um zur Abfahrt zu pfeifen, oder unwissende Schaffner sich selber aussperren und ihnen wie am vergangenen Donnerstag der Zug davonfährt. Die Sitzschalen lösen sich aus der Verankerung, die eine Tür pro Wagon führt zu stetigen Stresssituationen, etc.

Wenn man mit den Schaffnern spricht, lässt sich die Mängelliste erheblich verlängern. Aber auch sie fühlen sich von der DB und Herrn Hermann nicht erhört und erfahren bislang die neuen Fahrpläne lediglich aus dem Internet, da selbst eine Woche vor dem Fahrplanwechsel keine neuen Fahrpläne in den Zügen ausliegen.

Mir wäre es sehr lieb, wenn der Besuch des Verkehrsministers nicht derartige Mängel hinwegtünchen mag, sondern klar wird, dass nicht alles kundenfreundlicher ist, zumal Seebrugg im Grenzlandschatten der DB liegt und nicht Stuttgart ist.Johannes Schnippering, Buchenbach