"Lieber ohne Zuschauer spielen als gar nicht"

dpa

Von dpa

Mo, 27. April 2020

Eishockey

BZ-INTERVIEW mit Tennisspieler Alexander Zverev über seinen Alltag und Cyber-Training mit den Fußballern des FC Bayern.

TAMPA. Langeweile hat Alexander Zverev im Moment nicht. Auch wenn der Tennisbetrieb weltweit ruht, muss der 23-Jährige auf Tennis nicht verzichten. Im Interview mit Lars Reinefeld von der Deutschen Presse-Agentur spricht Zverev über seinen Alltag.

BZ: Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

Zverev: Uns geht es zum Glück allen gut. Wir leben hier in Florida ein relativ normales Leben.

BZ: Wie sieht ihr Alltag denn aktuell aus?

Zverev: Wir sind in einem Dorf in der Nähe von Tampa, hier leben nur rund 20 000 Menschen. Wir trainieren in der Saddlebrook Academy (wie übrigens auch Zverevs Kollege Dominik Koepfer aus Furtwangen, Anm.d.Red.), auf dem Tennisplatz und im Gym. Ansonsten sind wir praktisch nur daheim. Wir sehen niemanden, ich war in der ganzen Zeit hier noch nicht einmal im Supermarkt.

BZ: Die USA werden von der Coronavirus-Pandemie besonders hart getroffen. Bekommen sie davon im Alltag irgendetwas mit?

Zverev: Natürlich macht man sich auch Sorgen, weil du nicht weißt, wie es weitergeht. Der Vater der besten Freundin meiner Mutter ist an Corona gestorben, da macht man sich natürlich Gedanken.

BZ: Wer ist mit Ihnen in Florida?

Zverev: Mein Bruder mit seiner Familie, meine Eltern ...

BZ: ...Ihre Freundin auch?

Zverev: Nein, leider nicht. Das ist natürlich nicht so toll. Sie ist nach meinem Turnier in Mexiko Ende Februar nach Deutschland zurückgeflogen und wollte dann eigentlich im März wieder nach Miami kommen. Wegen der Reisebeschränkungen konnte sie dann aber nicht mehr fliegen. Wir haben uns nun also schon fast zwei Monate nicht mehr gesehen.

BZ: Könnten Sie Ihren Tagesablauf skizzieren?

Zverev: Ich beginne gegen halb neun mit einer Einheit mit meinem Physio, dann stehen zwei Stunden Training auf dem Programm. Nach einer Ruhephase geht es dann noch einmal von 17.30 Uhr bis 20 Uhr weiter, meist im Fitnessstudio.

BZ: Wenn Sie die Bilder aus New York sehen – können Sie sich da überhaupt vorstellen, dass die US Open dort im September stattfinden?

Zverev: Das ist schwierig zu sagen. Aber man kann sich das nur schwer vorstellen, zumal die Hartplatz-Saison in den USA eigentlich ja sogar schon Ende Juli, Anfang August beginnen soll. Ich finde, die ATP muss schauen, was wann möglich ist. Wenn es in den USA nicht geht, geht es aber vielleicht schon in Europa. Da sind sie etwas weiter. Vielleicht muss man dann dort Turniere stattfinden lassen.

BZ: Könnten Sie sich auch Turniere ohne Zuschauer vorstellen?

Zverev: Ja, am Ende des Tages würde ich lieber ohne Zuschauer spielen, als gar nicht zu spielen. Auch wenn es schade wäre. Aber wenn es sicherer ist, warum nicht? Das größte Problem ist, dass wir aus der ganzen Welt anreisen müssen. Die Reisebeschränkungen sind, denke ich, das größte Problem, das wir im Tennis haben.

BZ: Sie hatten bei den Australian Open erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier das Halbfinale erreicht, waren in guter Form. Kommt die Pause für Sie zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt?

Zverev: Ja, ich hatte das Gefühl, dass ich richtig gut spielen kann, dass ich ganz nah dran bin, um bei einem Grand-Slam-Turnier ganz vorne dabei zu sein. Mein Aufschlag kam immer besser, ich habe mich auf dem Platz richtig wohl gefühlt. Von daher ist das natürlich bitter, ich hätte im Ranking einen Sprung machen können. Aber es gibt derzeit wichtigeres.

BZ: In der vergangenen Woche haben Sie und Ihr Bruder auch am Cyber-Training der Bayern-Fußballer teilgenommen.

Zverev: Das größte Problem war, dass es bei uns hier in Florida fünf Uhr morgens war. Aber es war relativ lustig, es war gut, zu sehen, was die Bayern so machen. Wir arbeiten im Tennis ganz anders, stemmen mehr Gewichte und so. Aber es hat Spaß gemacht.

BZ: Sie unterstützen die Spendenaktion von Joshua Kimmich und Leon Goretzka. Wie kam es dazu?

Zverev: Joshua hat mich angeschrieben, ob ich dabei wäre. Und ich habe sofort ja gesagt. Ich finde, das ist eine tolle Sache. Ich denke, die Sportwelt kann da eine Menge bewegen.

Alexander Zverev wurde in Hamburg geboren und ist derzeit Deutschlands bester Tennisprofi. Bei den Australian Open im Januar stand er erstmals in seiner Karriere bei einem Grand-Slam-Turnier im Halbfinale. In der Weltrangliste belegt der 23-Jährige Rang sieben.