Emile Cioran: Der Menschenfeind

Ludger Lütkehaus

Von Ludger Lütkehaus

Sa, 16. April 2011

Literatur

Ein rumänischer Fall Heidegger? Zum hundertsten Geburtstag des Philosophen Emile Cioran.

E r war so etwas wie der Clochard der Metaphysik: der vor hundert Jahren, am 8. April 1911 in Rasinari bei Hermannstadt als Sohn eines Popen geborene, am 20. Juni 1995 in Paris gestorbene rumänisch-französische Philosoph Emile Cioran. Nicht, dass er unter den Pariser Brücken gehaust hätte, obwohl die von ihm bis ans Ende bewohnte Pariser Mansarde bescheiden genug als Domizil gewählt war. Aber "transzendental obdachlos" war er schon. In ihm hat die vom antiken "Todesprediger" Hegesias über Philipp Mainländers Metaphysik der Entropie bis zu den "anthropofugalen", menschenflüchtigen Philosophen der Gegenwart reichende "philosophie noire" ihren Höhepunkt erreicht.
Cioran ist eine ebenso faszinierende wie widersprüchliche Gestalt. Sein Leben und Schreiben ist eine unablässige Selbstmordmeditation. Und doch hat er es zu hohen Jahren gebracht. Vernichtender über sich selber, die Menschen, das Leben kann man sich schwerlich äußern. Und doch hat Cioran als einer der glänzendsten Stilisten seines Jahrhunderts, ja, der ganzen Philosophiegeschichte, seinen Lesern ein tiefes Vergnügen gewährt. Texte, so hat er zu verstehen gegeben, können ein Dasein, das "krank zum Tode" ist, nicht kurieren – eine Remedur auf Zeit können sie sein.
Sein erst auf Rumänisch, dann auf Französisch geschriebenes Werk zählt sechzehn Essay- und Aphorismenbände. Der Suhrkamp Verlag hat es in einer mehr als zweitausendseitigen einbändigen Ausgabe zusammengefasst, ...

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