200. Todestag

Heinrich von Kleist - Held in der Krise

Bettina Schulte

Von Bettina Schulte

Sa, 19. November 2011

Literatur

Der Dichter Heinrich von Kleist schoss sich vor 200 Jahren aus dem Leben.

Kann es sein, dass Heinrich von Kleist der Dichter der Stunde ist? Der Stunde, die schon ziemlich lang dauert und Krise genannt wird? Rettungsschirme kannte dieser Offiziersanwärter a. D. nicht. Dafür spannt man im Nachhinein einen schönen Baldachin von Biographien über ihm aus – mehr als über jeden anderen "Klassiker" in den vergangenen Gedenkjahren (siehe Seite IV). Damals hat niemand über ihn, der nur 34 Jahre alt wurde, die schützende Hand gehalten. Die Familie nicht und nicht der Staat. Nicht Goethe, der Dichterfürst von Weimar, dem sich der Jungdichter "auf den Knien seines Herzens" zu nähern versucht hatte, und nicht der preußische Staatskanzler Karl August Freiherr von Hardenberg, den der notorisch unter Geldmangel Leidende am Ende noch um ein Darlehen angegangen war. "Zu den Akten", lautet die lakonische Bürokratennotiz, "da der p. v. Kleist 21.11.11 nicht mehr lebt". Er hatte ja vieles versucht, um sich im Literatur- und Öffentlichkeitsbetrieb seiner Zeit zu etablieren. Er hatte eine Monatszeitschrift namens "Phöbus" herausgebracht – "für die gebildeten Stände" wie es damals hieß, die nach wenigen Nummern eingestellt werden musste, mangels interessanter prominenter Beiträge. Er hatte die wahnwitzige Idee, eine Zeitung zu gründen. Die "Berliner Abendblätter" hatten am Anfang sogar Erfolg. Kleist begriff, dass das Publikum mit Sensationsnachrichten zu locken war: Also brachte er Meldungen der Polizei, bis ihm die Zensur den Informationsfluss abschnitt. Danach ging das Blatt – in dem Kleist selbst einige seiner schönsten Texte veröffentlichte, unter anderem den berühmten Aufsatz "Über das Marionettentheater" – kläglich ein.

Wenige Monate blieben ihm danach noch auf Erden übrig.

Kleist ist der Dichter der Krise wie kein anderer vor und nach ihm. Das bringt ihn uns Modernen und Postmodernen, die wir ...

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