Viele Anregungen für die Politik

Christa Maier

Von Christa Maier

Mo, 20. Mai 2019

Löffingen

Europaabgeordneter Andreas Schwab informiert sich am Lehrbienenstand in Löffingen über Landwirtschaft und Artensterben.

LÖFFINGEN. Es wimmelt, wuselt, summt und brummt am Bienenstand in Löffingen. "Kommen Sie ruhig näher, die sind ganz brav", beruhigt der Bezirksvorsitzende der Hochschwarzwälder Imker die Besucher, darunter auch Europaabgeordneter Andreas Schwab (CDU), denen zunächst beim Anblick des schwarz-gelben Durcheinanders nicht ganz geheuer ist.

Dass die Bienen jetzt auch die Politik beschäftigen und sie es sogar in den Koalitionsvertrag der Regierungsparteien geschafft haben, findet Oskar Bier gut. Doch es könnte mehr getan werden. Das gab er dann auch Andreas Schwab zu verstehen, der auf Einladung des CDU-Stadtverbandes auf seiner Wahlkampftour eine zweistündige Stippvisite am Lehrbienenstand in Löffingen einlegte. 68 Imker aus Löffingen, Lenzkirch und Bräunlingen, davon 15 Frauen, halten zusammen 444 Völker. Die meisten sind mit Herzblut dabei, wie Oskar Bier und sein Stellvertreter Ludwig Kromer erklären, der ohne Schutzkleidung aber mit dicker Zigarre im Mund seelenruhig den gläsernen Schaukasten am Lehrbienenstand bestückt. Denn in den kommenden Wochen sind immer wieder Kindergartenkinder und Schüler aller Altersklassen zu Besuch, denen die Imker einen Einblick in die Imkerei und auch in die Probleme geben, mit denen sie sich herumschlagen müssen.

"Wir müssen von der Bewirtschaftung her zurückkommen zu einer Landwirtschaft wie vor 40 oder 50 Jahren", richtet sich Bier an Andreas Schwab. Beispielsweise die frühen Mähtermine würden den Imkern richtig weh tun. Raps sei dafür kein Ersatz, da dieser nur kurzfristig die Honigräume im Bienenvolk fülle. Für die Verlängerung des Glyphosateinsatzes um weitere fünf Jahre hat Bier überhaupt kein Verständnis. Beim Thema Gifteinsatz müssten endlich "Nägel mit Köpfen" gemacht und nicht nur geschwätzt werden. Er hofft auf den Erfindergeist der Großkonzerne, dass das Problem bald auf biologische Art gelöst wird. Die Wild- und Honigbienen und überhaupt alle Hartflügler seien der Indikator der Umwelt: Wenn es zu wenig Blütenpflanzen gebe, zu viele Pestizide eingesetzt werden, mache sich das direkt bemerkbar.

Dass Chemie vieles einfacher mache und der Wohlstand auf der Nutzung guter wissenschaftlicher Erkenntnisse beruht, verdeutlichte Schwab. Das EU-Parlament versuche das Beste, müsse Emotionen manchmal aber auch außen vor lassen. Mehr Blühwiesen wären wünschenswert, doch EU-Agrarzahlungen seien mit bestimmten Umweltverpflichtungen verbunden. Dass man im Schwarzwald unter schwierigeren Bedingungen als im Osten Landwirtschaft betreibe und Förderungen überlebensnotwendig seien, sei Fakt. Pläne bestünden, Direktzahlungen je Betrieb auf 100 000 Euro und Jahr zu begrenzen, um kleinere und mittlere Betriebe stärker zu fördern.

"Die Förderung der Landwirtschaft ist wichtig, allerdings ist der exorbitante Anstieg der Auflagen der größte Punkt, bei dem Nebenerwerbslandwirte kaum noch mitkommen", gab Landwirt und Agraringenieur Wolfram Wiggert zu verstehen. Auch die hohen Kosten beispielsweise für Gutachten und Genehmigungen brachte er ins Spiel. "Diese Entwicklung trifft Landwirte härter als ein vorübergehendes Preistief", ist er sich sicher. Die Politik wolle kleine Betriebe halten, doch das werde ihr nicht gelingen. Einzelne Felder mit Blühstreifen seien zwar gut, aber zu wenig für Insekten. Daher will er auf dem Haslachhof einzelne Flächen durch Pflanzen und heimische Kräuter aufwerten und diese im Frühsommer nicht komplett abmähen, was Insekten und Bodenbrütern zugutekomme. Wiggert ist sich sicher, dass die Unkrautbekämpfung auch ohne Chemie und mittels innovativer Technik funktioniert. Doch die Unterstützung der Politik brauche es. Er ist überzeugt, dass mit ökologischem Landbau und weniger Fleischkonsum die Ernährung von 10 Milliarden Menschen möglich ist. "Der Landwirt könnte die Lösung der europäischen Klimapolitik sein", auch diese Aussage ließ Schwab aufhorchen. Mit nachhaltiger und angepasster Bewirtschaftung der Flächen und Humusaufbau zur CO²- und Wasserspeicherung ließe sich für die Landwirtschaft sogar eine Einnahmequelle durch die CO²-Steuer öffnen. Auch hinsichtlich der Starkregenproblematik würde sich der Humusaufbau positiv auswirken.