Anschlussfinanzierung gesucht

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Fr, 19. Juli 2019

Lörrach

Sprachförderung an Kindergärten weiterhin wichtiges Tätigkeitsfeld der Bürgerstiftung / Sprachkita-Programm läuft 2020 aus.

LÖRRACH. Die Sprachförderung an Kindergärten sieht die Bürgerstiftung weiterhin als wichtiges Tätigkeitsgebiet an. Dies wurde bei der Stiftungsversammlung am Mittwoch deutlich – aber auch, dass in diesem Punkt Arbeit auf die Stiftung zukommt. Mit der Neuaufstellung öffentlicher Bücherschränke etwa in Tumringen soll dieses Projekt wieder aufgegriffen werden.

Im Blickpunkt 1: Das nach Ansicht der Bürgerstiftung sehr gelungene Sprachkita-Programm des Bundes, aus dem mit 32 000 Euro im Jahr derzeit noch ein größerer Teil der Stelle von Fachberaterin Michaela Kern finanziert wird, läuft Ende 2020 aus. Ganz bewusst hat die Bürgerstiftung diese auf Michaela Kern zugeschnittene Stelle mit Fachberatung für interkulturelle Arbeit und Sprachförderung inklusive Zusammenarbeit mit den Eltern als festem Bestandteil nicht bloß als 50 Prozent-Stelle eingerichtet, sondern auf 80 Prozent aufgestockt. Damit kostet sie auch deutlich mehr, wie die Vorsitzende berichtete. "Danach steht die Finanzierung etwas in den Sternen", stellte Ute Lusche fest.

Integrierte statt additive Sprachbildung gefordert

Der Bund habe seine Mittel als Anschubfinanzierung gedacht, eine Anschlussfinanzierung durch das Land sehe sie nicht, denn in Stuttgart plane man keine entsprechende Einrichtung von Fachberatungen vor Ort. Wenn die Integration der Kinder, die keine deutsche Muttersprache haben, aber nicht gelänge, seien die Folgekosten für die Gesellschaft ungleich höher. Michaela Kern sprach von einem nötigen Paradigmenwechsel. Im Kindergarten hieße es leider immer noch oft: "Ihr könnt zuhause eure Sprache sprechen, hier sprechen wir deutsch." Wissenschaftler forderten mittlerweile ein Umdenken bei der Gestaltung des pädagogischen Alltags, berichtete sie der Versammlung. Schließlich hätten 31 Prozent der Kinder unter sechs Jahren heute einen Migrationshintergrund, und die meisten von ihnen sprechen täglich mehrere Sprachen. Deutschlands Bildungsorte seien aber einsprachige Orte. So werde das Sprachrepertoire der Gesellschaft nicht genutzt. Michaela Kern plädierte für die Zulassung eines neuen Konzepts, das den Namen Translanguaging trägt. "Die Sprachen bereichern sich", bestätigte sie aus eigener Erfahrung.

Allerdings halte das Land Baden-Württemberg an der additiven Sprachbildung fest, obwohl in der Praxis festgestellt wurde, dass in den Alltag integrierte Sprachbildung viel effektiver funktioniere, bedauerte Michaela Kern. Sie versprach aber: "Wir bleiben zäh, um das Kulturministerium in Stuttgart von einer Richtungsänderung zu überzeugen.
Im Blickpunkt 2: Um Sprachförderung an Schulen kümmert sich auch die unter dem Dach der Bürgerstiftung organisierte Schubert-Durand-Stiftung. Ab September kommt die Hellbergschule dazu. Ansonsten laufe die Arbeit mit türkischen, afghanischen und persischen Frauen, Kindern und Familien, wie Gudrun Schubert berichtete, in gewohnten Bahnen (wir berichten noch).
Im Blickpunkt 3: Als vom Stiftungszweck bestimmte Zustiftung ist auch der Museumsfond Teil der Bürgerstiftung. Deshalb berichtete Museumsleiter Markus Moehring der Versammlung vom Stand der Dinge beim Bau des neuen Museumsdepots, der nach Lage der Dinge wohl gestern in der Gemeinderatssitzung beschlossen wurde (wir berichten noch).
Rückblick: Der Umbau des Schülercafés Kamelion auf dem Campus Rosenfels wurde im vergangenen Jahr abgeschlossen, der Außenbereich den Schulen übergeben, so der Stiftungsratsvorsitzende André Marker. Für ihre Lösung der Frage "Wie legt man kreativ Geld an und tut gleichzeitig Sinnvolles?" erhielt die Bürgerstiftung 2018 den mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis der Aktiven Bürgerschaft. Nach dem Tod von Gerhard Riehle im Juli 2018 kam ihr ein Teil des Nachlasses als Zustiftung zu. Bedacht werden drei Einrichtungen: Frauenhaus, Musikschule und ein noch geheimer Adressat.
Ausblick: Die Bürgerstiftung will wieder öffentliche Bücherschränke aufstellen, zunächst hinter dem Mättle in Tumringen und vielleicht auch in Brombach: "Je nachdem, was wir uns leisten können", kündigte Ute Lusche an.