Jahresbilanz

Das Lörracher Frauenhaus arbeitet an der Belastungsgrenze

Sabine Ehrentreich

Von Sabine Ehrentreich

Di, 23. April 2019 um 20:00 Uhr

Lörrach

Das Frauenhaus war auch 2018 pausenlos ausgelastet. Ein Großteil der betroffenen Frauen ist jung, die Hälfte kommt mit Kindern – und muss lange bleiben.

Das Lörracher Frauenhaus, das 2018 sein 33-jähriges Bestehen feierte, war auch 2018 praktisch immer voll belegt. Darum fanden längst nicht alle Frauen einen Platz, die ihn gebraucht hätten. Eines der zentralen Probleme ist nach wie vor der Mangel an Wohnraum. Viele Frauen bleiben länger als nötig in der Einrichtung, weil sie keine Bleibe finden.

Zu 99,1 Prozent war das Lörracher Frauenhaus 2018 ausgelastet, nach 99,9 Prozent im Jahr 2017. 68 Frauen mit 64 Kindern konnte im Vorjahr Schutz gewährt werden. Es gilt: Wie in den Vorjahren war die Einrichtung eigentlich immer voll belegt. Darum konnten 139 Frauen und 160 Kinder nicht aufgenommen werden. Vor allem Frauen mit mehreren Kindern mussten abgewiesen werden. Etwas mehr als die Hälfte der Betroffenen kommt mit Kindern, die meisten sind unter zehn Jahre alt.

Notaufnahmen sind immer möglich

Kommen von Gewalt Betroffene in der Lörracher Einrichtung nicht unter, werden sie an andere Frauenhäuser vermittelt. Notaufnahmen in der Nacht oder am Wochenende seien für Betroffene aus dem Landkreis Lörrach aber immer möglich, vermerkt der Jahresbericht. Am Tag danach werden die Frauen und Kinder weitervermittelt – auch wenn dies immer schwieriger werde, weil auch andere Häuser an der Kapazitätshäuser arbeiten. Mitunter müssten Frauen auf Häuser in anderen Bundesländern ausweichen.

Umgekehrt kommen auch Frauen aus einem großen Umkreis im Lörracher Haus unter. 2018 kamen elf Betroffene mit 15 Kindern aus anderen Bundesländern, aus Baden-Württemberg kamen acht Frauen mit sieben Kindern. Aus der Stadt Lörrach suchten 13 Frauen mit zwei Kindern Zuflucht, aus dem übrigen Landkreis 24 Frauen mit 32 Kindern.

Die Frauen haben es auf dem Wohnungsmarkt schwer

Die größte Gruppe, nämlich 29 Frauen, blieben 2018 zwischen zwei und sieben Tagen im Haus. Von dieser Gruppe, heißt es im Bericht, gingen viele an den Ort zurück, von dem sie geflohen waren. Zu dieser Gruppe gehören aber auch jene, die in ein anderes Haus vermittelt wurden, weil sie in der Nähe des Misshandlers gefährdet sind oder weil die Lörracher Einrichtung überbelegt ist. Der Misshandelnde war in der Hälfte der Frauen der Ehemann, in jedem vierten Fall der Freund.
Kontakt zum Frauenhaus Lörrach: Telefon 07621/49325 oder über die Internetseite des Vereins Frauen helfen Frauen

13 Frauen brauchten zwischen einem und drei Monaten, bis sich eine Lösung fand. Immerhin acht der Betroffenen blieben zwischen vier Monaten und einem halben Jahr. Der Anteil der Frauen, deren Aufenthalt Monate dauerte, ist etwas gesunken. Dennoch bleibt es ein großes Problem, dass die Betroffenen es auf dem Wohnungsmarkt schwer haben.

Die Mehrheit der Schutzsuchenden ist jung. Ein knappes Viertel war 2018 zwischen 18 und 25 Jahren alt, knapp 18 Prozent waren bis 30 Jahre, wieder in knappes Viertel bis 35 Jahre alt. Zur ältesten Gruppe der 51- bis 70-Jährigen zählten fünf der schutzsuchenden Frauen. Der Löwenanteil der Frauen, die das Haus aufsuchen, ist noch keine 45 Jahre alt – das ist ein seit Jahren stabiler Trend, vermerkt der Jahresbericht.

Mindestens 16 Frauen kehrten zum Misshandler zurück

Ein Großteil findet den Weg in die Einrichtung über eine andere Institution, etwa die Polizei, andere Frauenhäuser, Kliniken oder Beratungsstellen. Nach dem Aufenthalt wechselte 2018 jede sechste Frau in eine eigene Wohnung. In die eheliche Wohnung gingen sechs Frauen zurück, nachdem der Misshandler sie geräumt hatte. Von 16 Betroffenen weiß das Team, dass sie zum Misshandler zurückkehrten. Zwölf Frauen verließen das Haus mit unbekanntem Ziel – auch von ihnen ist vielleicht die eine oder andere zurückgegangen.

Es gab auch Frauen, vermerkt der Jahresbericht, die deshalb zum Misshandler zurückkehrten, weil sie auf dem Wohnungsmarkt chancenlos waren.

Seit 15 Jahren, schreibt das Frauenhaus-Team im Jahresbericht, sei die Nachfrage nach Plätzen nicht mehr zurückgegangen. Die Einrichtung, die im vergangenen Jahr ihr 33-jähriges Bestehen feierte, bleibt unverzichtbar.