Gerhard Jung bleibt unvergessen

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

Mo, 08. Juli 2019

Lörrach

In der Alten Halle in Haagen erinnern Weggefährten an Leben und Werk des alemannischen Dichters.

Tiefgründig, humorvoll und sprachgewaltig ist das Werk des alemannischen Dichters Gerhard Jung. An sein Werk und seine Person wurde am Freitagabend in der Alten Halle in Haagen erinnert. Auf Einladung des Hebelbunds Lörrach präsentierten bei "Gerhard Jung zu Ehren" Verwandte, Freunde und Bekannte die beeindruckende Vielfalt des 1926 geborenen und 1998 verstorbenen Mundartdichters. Die etwa hundert Besucherinnen und Besucher führte sein Sohn Markus Manfred Jung durch den Abend.

Es sei an der Zeit, wieder einmal an den sprachmächtigen und sensiblen Mundartautoren zu erinnern, sagte Volker Habermaier, Vorsitzender des Hebelbunds Lörrach, zu Beginn des Abends. Auch wenn dessen Person und Werk nie in Vergessenheit geraten sei, wolle man beides an diesem Abend erneut bewusst werden lassen. Zu Beginn präsentierte die Trachtengruppe Zell Tänze und Texte von Jung. Der Vorsitzende Christoph Greiner erinnerte sich daran, wie er durch Jung damals selbst zur Trachtengruppe gekommen sei. Zudem betonte er die enge Verflechtung des Autors mit der Gruppe. So habe Gerhard Jung die Trachtengruppe Zell nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederbelebt. Viele der heutigen Mitglieder hätten als Kinder Jung noch persönlich kennen gelernt und verbänden damit viele schöne Erinnerungen. "Was er uns an Schätzen hinterlassen hat, ist wirklich enorm", so Greiner. Ob heitere oder ernste Texte, stets habe Jung aus dem Leben geschrieben. Heidi Zöllner von der Muettersproch-Gsellschaft trug zudem einen Text über das bisweilen schwierige Verhältnis zwischen Hochdeutsch und Alemannisch vor.

Im Anschluss folgte eine kleine Gesprächsrunde mit Wegbegleitern Gerhard Jungs. Bernd Wuchner erinnerte sich, wie dieser ihn damals zum Eintritt in die Trachtengruppe bewogen habe und wie seine Frau die Illustrationen für Jungs Gedichtband "Herrgott isch des schön" anfertigte. Die Malerin Lisa Trefzer erinnerte sich an die zahlreichen tiefgründigen Passagen in Jungs Werk, von denen viele heute aktueller denn je erscheinen, gleich ob es um Zivilcourage oder um Grenzen geht.

Einer der Söhne Jungs, Karlheinz Jung, trug eine Anekdote vor, wie stolz er damals als Sieben- oder Achtjähriger gewesen sei, dass der Vater ein eigenes Buch herausgebracht hatte. Autorin Inge Tenz wollte sich noch einmal bei Jung dafür bedanken, dass er ihr stets Mut gemacht habe und ihr ein Vorbild gewesen sei. "Ein Mensch wie du bleibt unvergessen," sagte sie. Vor der Pause präsentierten Sabine Greiner und Heidi Zöllner dann noch ein kurzes Schauspiel Jungs.

In der zweiten Hälfte spielte zunächst Sabine Ging, Tochter von Jung, einige Stücke ihres Vaters auf der Gitarre und vertonte zudem eines seiner Gedichte. Der langjährige SWR-Moderator Klaus Gülker erinnerte sich an seine Besuche bei Jung und dessen "heitere Weisheit". Auswendig rezitierte Christa Schrempp-Herzog einen Text Jungs und betonte, dass dessen Werk sie ein Leben lang begleitet habe. Inge Hemberger, Vizepräsidentin des Hebelbunds, erzählte, wie sie als Jugendliche ein Stück Jungs aufgeführt habe und las aus dessen Rede beim Schatzkästlein 1997. Darin hatte sich Jung, der selbst noch Soldat und Kriegsgefangener gewesen war, gegen den Krieg ausgesprochen und die Menschen aufgefordert, sich in Freundschaft zu begegnen.

Zum Abschluss des Abends spielte dann noch der Liedermacher Uli Führe die Stücke "S’ Lumpepuppeli" und "Rutsch e bizzeli nöcher", bei dem am Ende der gesamte Saal mitsang. Gerhard Jung sei nicht nur ein großartiger Autor, sondern auch ein toller Entertainer und Humanist gewesen, hielt Uli Führe fest. Es sei schade, wenn die Erinnerung an ihn und sein Werk versickere. Er ergänzte: "Er war schon ein wenig ein Zauberer."