Sofa-City oder Biergarten?

Hannah Fedricks Zelaya René Zipperlen

Von Hannah Fedricks Zelaya René Zipperlen

So, 10. Februar 2019

Lörrach

Der Sonntag Das Fabric-Team stellt gesammelte Ideen zum Schöpflin-Areal vor – noch ist alles offen.

Einen Modellstadtteil plant die Schöpflin-Stiftung auf ihrem Areal in Lörrach-Brombach. Der erste Entwurf war 2016 fast planungsreif, da verordnete Hans Schöpflin einen Neuanfang mit umfangreicher Bürgerbeteiligung. Nun liegen die Ideen der Planungswerkstatt "Fabric" vor.

Es war ein spektakulärer Neustart, den Hans Schöpflin Ende 2016 dem Schöpflin-Quartier in Lörrach-Bromach verordnet hatte: Der Architektenwettbewerb war abgeschlossen, der Sieger gekürt, die Stadt freute sich auf dringend benötigten, noch dazu innovativen und generationenübergreifenden Wohnraum mit Modellcharakter, da zog Schöpflin die Reißleine. "Nur in Architektur gedacht" sei das Projekt, zu wenig für den anspruchsvollen Stifter, der eine "Transparenzoffensive" versprach, die im Sommer 2017 unter dem Namen "Fabric" und unter Leitung des Hamburger Künstlers Christoph Schäfer begann. Eine Entscheidung, mit der sich die Stiftung zum Erfolg verdonnert hat: Der neue Entwurf muss nun wirklich deutlich mehr bringen als der erste. Nun wurden die Ergebnisse der Workshops und die Ideen der Bürger vorgestellt.

Was steht bei der Gestaltung des Schöpflin-Areals eigentlich fest? Diese Frage haben der Hamburger Künstler Christoph Schäfer und sein Team in den vergangenen Monaten oft gehört. Die Antwort war stets die gleiche: nichts. Das hat sich auch nach der Ideenvorstellung am Donnerstagabend nicht geändert. Trotzdem waren Interesse und Erwartungen der Brombacher Bürger groß. So groß, dass mehrere Male nachbestuhlt wurde und die Besucher bis in den Vorraum hinaus standen.

Ein halbes Jahr lang haben Christoph Schäfer und sein Team unter dem Namen "Fabric" in ihrem Kiosk direkt auf dem Schöpflin-Gelände und bei Veranstaltungen Ideen gesammelt. Der englische Begriff "fabric" soll das vernetzte Gewebe von Sozialem, Politik, Arbeit und Kunst verdeutlichen, das auf dem Gelände entstehen soll. "Entstehen sollte nicht weniger als ein "Platz für die Gesellschaft der Zukunft", schwebte Stiftungsgeschäftsführer Tim Göbel schließlich vor.

Insgesamt 1667 Vorschläge sind in all den offenen Planungs- und Workshoprunden entstanden. Alle werden dabei vom Team bisher gleichwertig behandelt und gleich ernst genommen – unabhängig davon, ob es sich um eine Achterbahn, eine Sofa-City, ein Backhaus oder einen kommunalen Zehn-Meter-Grill handelt. Genauso werden sie auch vorgestellt: gleichwertig nebeneinander, unter Themenschwerpunkten wie "Selbermachen" oder "Natur" zusammengefasst. Das ursprünglich zentrale "Wohnen" ist nur ein weiterer Schwerpunkt.

Was viele Ideen bei allen Unterschieden vereint, ist der Wunsch nach einem Treffpunkt für Brombach. "Brombach fehlt ein Ort, an dem man gemütlich zusammensitzen kann", schreibt ein Bürger. Ganze 176 weitere stimmten dieser Aussage in einer Befragung des Fabric-Teams zu und gaben an, dass Brombach kein wirkliches Herz habe. Ein Bürger wünscht sich ein "local waterhole", einen Platz, um sich bei Essen und Trinken zu treffen.

Nun geht es darum, die Umsetzbarkeit zu prüfen

1524 Mal, also bei fast allen Teilnehmern, war Essen und Trinken Bestandteil ihrer Wünsche für das Areal. Lieblingsplatz war dabei ein Café, am besten ein Eiscafé. Ein Vorschlag, der realisierbarer erscheint als der verwinkelte Geheimgang, in dem alle großen menschlichen Erfindungen dargestellt sind und der dann in einem Biergarten endet. So charmant die Idee auch sein mag.

Das Kennenlernen und Treffen sowie das gemeinsame Erleben kommen in vielen Wünschen zum Ausdruck, die sich mit gemeinschaftlichem Tun auseinandersetzten: Räume für offene Werkstätten, Bühnen, Gemeinschaftsküche, ein Repair-Café, eine Verleihstation oder Co-Working-Spaces wären auf einem neuen Wohnareal wohl auch denkbar.

"Bezahlbar" ist das Schlagwort, welches den Themenblock "Wohnen" überschreibt. Ansonsten geht es auch hier vorrangig um Gemeinschaft: alternative Wohngemeinschaften für Alleinerziehende, Wohnformen für mehrere Generationen, Gemeinschaftsgärten eingebettet in eine vernetzte Nachbarschaft.

Dem Team um Christoph Schäfer obliegt es in den kommenden Monaten nun, die Ideen und Vorschläge auf ihre Machbarkeit und ihre Vereinbarkeit zu überprüfen. Keine einfache Aufgabe, macht die Vielfältigkeit der Ideen doch schnell klar, dass Konflikte kaum zu vermeiden sein werden. Brombach wird sich mit dem neuen Stadtteil noch etwas gedulden müssen.