Institution

Wie die Lebenshilfe Lörrach seit 1964 Menschen mit Behinderungen unterstützt

Martina David-Wenk

Von Martina David-Wenk

Mo, 17. Februar 2020 um 14:55 Uhr

Lörrach

Geschäftsführer Helmut Ressel schildert in einem Vortrag die Geschichte der Lebenshilfe im Landkreis Lörrach. Ihr Ziel ist es, den Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Dabei zu bleiben, weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben: Dies bietet "Pluspunkt Zeit" für Senioren im Alten Rathaus an. Im jüngsten Vortrag der Reihe stellte der ehemalige Geschäftsführer Helmut Ressel die Lebenshilfe Lörrach vor. Seit der Gründung im Jahr 1964 in Schopfheim zielte die Lebenshilfe darauf ab, ihren Schützlinge Perspektiven zu bieten und ihnen integrative gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

Beginn in Schopfheim und Maulburg
Es war die Wirtschaftswunderzeit, die Zeit des Babybooms, als engagierte Eltern und Fachleute 1964 die Lebenshilfe als Verein "Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind, Kreisvereinigung Lörrach" in Schopfheim gegründet hatten. In den Anfängen der Bundesrepublik gab es fast nur Kinder mit Behinderungen. Nur ganz wenige Erwachsene hatten die Ermordung im sogenannten Euthanasieprogramm durch die Nazis überlebt. Die Eltern gründeten einen Sonderkindergarten, eine Schule, sie war noch auf verschiedene Orte verteilt. "Wenn es so etwas nicht gibt, dann müssen wir es aufbauen", war die Devise. 1958 war die Lebenshilfe bundesweit in Marburg durch den Niederländischen Arzt Tom Mutters gegründet worden. Sechs Jahre später wollten auch im Wiesental tatkräftige Eltern und Ärzte ihren Kindern eine möglichst selbstbestimmte Zukunft ermöglichen. 1967 übernahm der Landkreis die "Schule für Bildungsschwache" und ab 1978 werden Kinder mit geistiger Behinderung in der Helen-Keller-Schule in Maulburg unterrichtet.

Werkstatt entsteht 1970
Was aber nach der Schule tun? Schon 1970 wurde eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in Schopfheim im Pflugareal gegründet, zwölf Menschen fanden Arbeitsstellen, wurden mit einem VW-Bus abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Die Verbindung zur Lebenshilfe blieb, auch noch im Seniorenalter fühlen sich diese ersten Werktätigen der Lebenshilfe verbunden. Schon damals stand neben der Förderung der Menschen mit Behinderung die Entlastung der Angehörigen im Fokus der Lebenshilfe.

Förderstätte Zum Blauenblick
Das ehemalige Kinderheim "Zum Blauenblick" wurde 1975 zur Wohn – und Tagesförderstätte für Kinder mit Schwerbehinderung. Für 24 Personen war hier Platz, allerdings so, wie es damals üblich war, das Kinderheim konnte den Maßstäben der heutigen Zeit nicht standhalten. Die Villa zum Blauenblick gibt es noch, das Kinderheim wurde abgerissen und machte einer Wohnanlage mit barrierefreien Wohnungen Platz. Dort leben die Menschen in Wohngruppen.

Umzug nach Lörrach
Solche Wohnprojekte gibt es mittlerweile in ganz Lörrach. Auch für Menschen mit psychischer Behinderung. Sie sind Menschen mit erhöhtem Pflege- und Förderungsbedarf. Sie an den Rand der Gesellschaft zu schieben, widerspricht der Grundidee der Lebenshilfe. Auch deshalb zog die Werkstatt von Schopfheim in die Kreisstadt. Diese neuen Strukturen und neuen Ansätze sind mit dem Namen Christoph Meyer verbunden, der von 1973 bis 2009 Geschäftsführer der Lebenshilfe war. In der ehemalige Farbenfabrik Scania am Blasiring wurde eine Werkstatt für 80 Mitarbeiter gegründet. Sie wurde erweitert, denn mit dem Zuzug in die Region wuchs die Zahl der Menschen mit Behinderung. Ihnen Möglichkeiten zum selbstbestimmten Wohnen zu geben, ihren Alltag so selbstverständlich wie möglich zu machen, ist das Ziel. Noch immer ist der Verein aktiv, sechs der acht Vorstandsmitglieder sind Angehörige, einer ist selbst gehandicapt.

Hilfe für Freizeitgestaltung
Kinder mit Behinderung können in die Schule gehen, es gibt Arbeitsplätze, spezielle Wohnungen für Erwachsene. Was aber tun die Menschen in ihrer Freizeit? Wenn die Schulen wegen Ferien geschlossen sind, am Wochenende, wenn nicht gearbeitet wird? Die Angehörigen zu entlasten ist ein großes Anliegen der Lebenshilfe. Ehrenamtliche unterstützen die Menschen, helfen ihnen den Alltag zu strukturieren, begleiten sie bei Freizeitveranstaltungen. Eva Kerrom ist eine von diesen Ehrenamtlichen, sie warb beim Pluspunkt Zeit für diese Arbeit und einige der Besucher zeigten Interesse.