Sexau

Joanna Michalski kam als Saisonarbeiterin aus Polen – heute ist sie Bio-Beeren-Bauerin

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

So, 02. Juni 2019 um 00:25 Uhr

Sexau

Der Sonntag Mit ihrem Mann Janek hat sie sich auf den Anbau von Bio-Beeren spezialisiert – auf neue, exotische Beeren, die auf den Obstwiesen rund um Sexau und Denzlingen geerntet werden können.

Sie kommt von weit her und sie ist die erste Beere, die hierzulande im Freiland reift. Die Maibeere, die auch Sibirische Blaubeere oder Kamtschatka-Heckenkirsche genannt wird, ist blau und erinnert an langgezogene Heidelbeeren. Süß-säuerlich ist ihr Aroma.

Etwa mannshoch sind die ausladenden Sträucher, die in langen Reihen am Ortsrand von Denzlingen wachsen. Sie erinnern an besonders große Heidelbeersträucher. Die tropfenförmigen blauen Beeren hängen verteilt in den Blattachseln der Zweige, was das Pflücken aufwendig macht. Zu Wochenbeginn fehlte den Beeren noch ein wenig die Süße, doch das Bauernpaar Joanna und Janek Michalski hofft auf die angekündigte Sonne.

Die beiden haben sich auf den Anbau von Bio-Beeren spezialisiert. Die Maibeere ist die erste Beere im Jahreslauf, die auf den Obstwiesen der Michalskis rund um Sexau und Denzlingen geerntet werden kann. Etwa vier Wochen lang wird es sie geben, als nächstes ernten sie dann Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Heidelbeeren, im August und September sind die Goji-Beeren und Kiwibeeren reif.

Joanna und Janek Michalski kamen vor vielen Jahren als Erntearbeiter aus Polen in den Breisgau. Janek Michalski arbeitete 20 Jahre beim Südhof, dem großen Bio-Obstbaubetrieb der Familie Höfflin in Denzlingen. Vor zehn Jahren ergriff das Paar die Gelegenheit und übernahm ein kleines Himbeerfeld vom Südhof.

Die Suche nach neuen, exotischen Beeren
"Wir haben ein Nische gesucht, die keine hohe Investition erfordert und sie mit Beeren aus ökologischem Anbau gefunden", sagt Janek Michalski: "Und wir haben uns auf die Suche nach neuen, exotischen Beeren gemacht."

Die Maibeere stammt aus Ostsibirien im Grenzland von Russland und China. Sie verträgt Frost bis minus 45 Grad, selbst die Blüten, die bereits im März erscheinen, können bis minus acht Grad aushalten. Auch im Herbst ist der Strauch – angepasst ans sibirische Klima – früh dran, er verliert seine Blätter bereits im September. Dieser Umstand macht den Anbau in hiesigen Klimaverhältnissen relativ einfach, auch an den Boden hat die Maibeere keine besonderen Ansprüche. Zu trocken mag sie es aber nicht.

Joanna Michalski hebt den hohen Anteil von Vitamin C und B und Antioxidantien, die freie Radikale bekämpfen, in den Beeren hervor. Die Landwirte verkaufen ihre Beeren im eigenen Hofladen in Sexau, auch in den Hofläden des Südhofs in Denzlingen und des Klosterhofs in Gundelfingen sind die Maibeeren in der 125-Gramm-Schale zum Preis zwischen 2,50 und 3 Euro zu haben. Außerdem werden sie über die Abokisten des Klosterhofs und der Gärtnerei Distel in Endingen vertrieben.

"Die Nachfrage nach Maibeeren steigt. Viele, die sie probiert haben, schätzen sie und fragen gezielt danach", sagt Janek Michalski. Am besten isst man die Beeren frisch, mischt sie ins Müsli oder in Obstsalat. Samstags sind die Michalskis in Freiburg-Haslach zu finden, sie haben einen Stand bei der Metzgerei Hügle und verkaufen dort Obst- und Gemüse an Stammkunden.

Joanna und Janek Michalski produzieren ihre Bioland-Beeren auf etwa fünf Hektar ausschließlich im Freiland. Tunnelanbau und das Abdecken des Bodens mit Folie lehnen sie ab. "Wir sind überzeugt, dass Freilandware besser schmeckt, auch wenn sie vielleicht optisch nicht immer optimal aussieht", sagt Joanna Michalski. Sie verweist auf Wetterrisiken wie Hagel und den höheren Aufwand, den der Freilandanbau bei der Bekämpfung des Unkrauts mit sich bringt. Dafür sei die Bodenfruchtbarkeit besser und die Belüftung der Sträucher, was Pilzkrankheiten verhindert.

Im Unterschied zu konventionell arbeitenden Landwirten verzichten sie auf den Einsatz von chemisch-synthetischem Dünger und Pflanzenschutz. Weil Beerensträucher und Unkraut um die Nährstoffe konkurrieren, halten Bioland-Bauern das Unkraut durch Hacken und Mähen in Schach. "Bei Schädlingsbefall setzen wir auf Nützlinge, beispielsweise bei Läusen auf Marienkäfer und deren Larven. Da wir nicht spritzen, sind sie aber reichlich vorhanden, so dass wir selten mehr machen müssen", sagt Janek Michalski. Er nimmt lieber geringere Erträge in Kauf, als aufwendigen Pflanzenschutz zu betreiben, der auch im Bioland-Anbau mit eigens dafür zugelassenen Mitteln wie Kräuterbrühen möglich wäre.

Neben den Maibeeren bauen die Michalskis weitere exotische Beeren an, beispielsweise Goji-Beeren, die aus China stammen und in der westlichen Welt von gesundheitsbewussten Menschen sehr geschätzt und als Superfood vermarktet werden. Sie sind in der Regel nur getrocknet erhältlich. Auf einem Hektar produzieren sie zudem die grünen Kiwibeeren, die auch Weiki oder Minikiwis genannt werden.
Bioland-Beeren Michalski, Denzlinger Straße 9 in Sexau, Telefon 0176/31158576, Hofladen Di und Fr, 15 bis 19 Uhr.