Sicherheitskonferenz München

Macron sollte Probleme im eigenen Land angehen

Jan Uttenweiler

Von Jan Uttenweiler (Freiburg)

Fr, 13. März 2020

Leserbriefe

Zu: "Zerwürfnisse in München", Agenturbeitrag (Politik, 17. Februar)
Wieder einmal beschwört Emmanuel Macron die europäische Einheit. Er bleibt dabei bewusst wage in seinen Ausführungen. Gemeinsame Sicherheitsanstrengungen werden seit Jahrzehnten angemahnt. Betrachtet man die französische Wirtschaftspolitik, so kann man wohl nicht von einer einheitlichen Politik sprechen. Am Beispiel Opel mit einem massiven Stellenabbau in Deutschland seit der Übernahme durch PSA wird deutlich, dass Frankreich seine Wirtschaftsinteressen durchzusetzen weiß. Alstom, das 2003 mit 800 Millionen Euro vom französischen Staat gerettet wurde, übernimmt jetzt Bombardier mit 8600 Mitarbeitern in Deutschland. Es ist absehbar, was folgt.

Dabei wird jedoch immer wieder mehr Engagement – gerade in Mali von Deutschland erwartet. Eine Region, in der mit Niger und Tschad ausschließlich ehemalige französische Gebiete von Unruhen betroffen sind und bis auf Uranabbau für Atomkraftwerke keinerlei wirtschaftliche Interessen ersichtlich sind. Mit der Gründung des BRGM (Institut zur Entdeckung von Bodenschätzen) als französischer Behörde – nicht etwa europäischer – zeigt ja Frankreich ganz deutlich, wie es sich eine Vertiefung der Zusammenarbeit vorstellt. Bevor Präsident Macron Veränderungen bei Partnern anmahnt, sollte er vielleicht die Probleme im eigenen Haus angehen. Monatelange Gelbwesten-Proteste offenbaren da gesellschaftliche Herausforderungen besonderer Art. Jan Uttenweiler, Freiburg