Gendergerechte Sprache

Männer sind sprachlich die Benachteiligten

Hans-Dietrich Heilmann

Von Hans-Dietrich Heilmann (Freiburg)

Mo, 22. Februar 2021

Leserbriefe

Zu: "Ein krampfhaftes Bemühen", Leitartikel von Stefan Hupka (Kommentar & Analyse, 6. Februar)

Herr Hupka drückt mein großes Missfallen an den derzeit geübten Verfahren mit Sternchen, Schrägstrich, Binnen-I, Unterstrich et cetera aus. Der kurze Hickauf der Sprecher in Radio und Fernsehen vor dem "-innen" ärgert mich jedes Mal. Keine dieser Methoden ist geeignet, flüssiges Lesen (oder Hören) zu fördern und wird – hoffentlich bald – der Vergangenheit angehören. Der Ersatz durch das substantivierte Partizip Präsens ist lächerlich, und die Aufzählung der grammatikalisch maskulinen Form und ihres femininen Pendants ist lästig und verhindert die Unterscheidung, zum Beispiel zwischen Amt oder Beruf einerseits und den betreffenden Personen andererseits. Es ist also ausschließlich die ideologische Demonstration eines sprachvergessenen Teils der Deutschsprachigen, die diese Auswüchse bedient.

Übrigens: Ich bin natürlich eine Person (grammatikalisch weiblich), und in jüngeren Jahren wäre ich nach Verlust meiner Eltern eine Waise gewesen. Das kann mich nicht stören. Bei Tieren übrigens macht man sich keine Gedanken darüber (auch Kater sind Katzen). Natürlich kann sich die Sprache in eine Richtung entwickeln, die das Problem durch Wegfall des grammatischen Geschlechts löst, wie zum Beispiel im Englischen. Eine solchen Entwicklung wird aber keine Fortsetzung der heute geübten Praktiken sein, und sie wird vielleicht Jahrhunderte dauern – und die literarischen Zeugnisse der Vergangenheit schwerer lesbar machen.

Herr Hupka hat mit allen Argumenten recht. Vielleicht sollte man sogar immer wieder betonen, dass die Unterscheidung zwischen Generikum und spezifischer Person auch eine Bereicherung unserer sprachlichen Ausdrucksmöglichkeit ist, wobei Männer die Benachteiligten sind, da für sie meist beide Formen gleich sind. Hans-Dietrich Heilmann, Freiburg